PAL-V Der fliegende Holländer


Geht es nur um eine spannende Geschichte am Stammtisch? Oder wird sie bald Wirklichkeit? Der Niederländer John Bakker schwört, das seine fantastische Idee eines fliegenden Auto’s in etwa fünf Jahren praxisreif ist.
Von Albert Eikenaar

Die Vorbereitungen laufen inzwischen auf Hochtouren. Kapitalkräftige Investoren und Bakker selber setzen ihr Geld auf PAL-V: "Personal Air und Land-Vehicle". Zu deutsch: Persönliches Land- und Luftfahrzeug.

Bakker, ein wohlhabender Geschäftsmann, arbeitete 7 Jahre an der Entwicklung eines hybriden Vehikels, das sich sowohl auf der Strasse wie in der Luft bewegen könne. Demnächst ist es soweit, dass Bakker einen Prototyp bauen läßt. Die Laborphase des Denkens ist vorbei. Nun kommt es darauf an, die Skizzen, die Berechnungen, die Studien, den Traum in Produktion umzusetzen. Bakker bildete dazu ein Management Team von schlauen Köpfen, die den PLA-V tatsächlich realisieren. Zuerst allerdings als ein Mustermodell.

Die Basis existiert

Der vom Fliegen begeisterte Amateurpilot Bakker verknüpfte 2 bewährte Techniken miteinander. Als Basis gilt der Curver One, ein in den Niederlanden hergestelltes motorisiertes Dreirad mit der Ausstattung eines Luxusauto’s. Dieses Mobil, das in der ganzen Welt zugelassen ist und 200 Km/h fährt, wird mit der Technik eines Gyrokopters versehen, wovon in den USA schon zehntausende herumschwirren. So umgeht Bakker eine weltweite Genehmigungsprozedur. Jeroen Dingemanse, ehemaliger Philipsmanager, wurde von Bakker mit dem Marketing des PAL-L beauftragt. Er meint, dass die größten Hindernisse inzwischen aus dem Weg geräumt sind. Es bleibt eine lästige Frage zu klären: wird der Gyrokopter, sozusagen verschmolzen mit dem Curver funktionieren? Denn wenn man das PAL-V als Limousine auf der Straße benutzt, müssen die Rotorblätter und der Propeller der Gyrotechnik auf dem Dach des Curvers zusammen geklappt werden. Auf dem Zeichenbrett gelingt das wunderbar. Sogar mit Patent. Dingemanse: "Jetzt muss es sich nur praktisch beweisen". Weiter ist es unumgänglich, dass der Curver mit dem zusammen gefalteten Antriebssystem im Verkehr beweglich ist. "Das bedeutet, dass sich der Curver in seiner ganzen Länge in einer Kurve zur Seite neigen muss wie ein normales Motorrad. Das kostet Kopfzerbrechen".

Ab 50.000 Euro ....

Bakker hat jedoch vollstes Vertrauen in sein Pilotprojekt. Prominente Unternehmer, Uni’s, Beratungsfirmen testeten die merkwürdige Kombination von Auto und Gyrokopter. Unisono gaben sie grünes Licht. Dabei waren auch deutsche Betriebe und Institute aus dem Aachener Raum. Dingemanse: "Wir setzen stark auf die deutschen Luftfahrtspezialisten. Möglicherweise produzieren wir das PAL-V in Deutschland. Zuerst gilt es noch, einige Herausforderungen anzupacken. Die Probleme lösen wir".

Der potenzielle Markt für ein PAL-V - Richtpreis 50.000 Euro - ist groß, rechnet Dingemanse vor: "Mit all den Stau’s im Verkehr ist es kein Vergnügen, von Frankfurt nach Berlin oder Hamburg zu fahren, nicht mal im Luxuskreuzer mit Chauffeur. Mit einem PAL-V kann man überall abheben oder landen, wo es einen Airstrip von minimal 50 Metern Länge gibt. In einem Land wie Deutschland liegt wohl immer so ein Platz in der Nähe. Menschen, die den Stress, diese Hektik kennen, sind also unsere potentiellen Kunden. Statt Zeit zu vergeuden, können sie Zeit gewinnen und sich entspannen. Fliegen mit PAL-V soll ein Vergnügen sein, ein Lifestyle". Und wer sich statt des Auto’s für eine Airline entscheiden würde, verliert keine Sekunde beim Ein- und Auschecken. "Ein PAL-V wäre für solche Leute ideal. Es wundert mich, dass die Idee nicht schon früher Wirklichkeit geworden ist".

Als zweiten Schritt will Dingemanse nach amerikanischem Muster ein Netz von "highways in the sky" aufbauen, Flugstrecken am Himmel. Unter 1500 Metern ist die Luft frei für Miniflugmaschinen wie den PAL-V. "Für seine Benutzer wäre es bequem, wenn Raststätten Möglichkeiten zum Starten und Landen böten. Das jedoch ist Zukunftsmusik"."


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