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König Willem-Alexander: Wie das Feierbiest die Monarchie rettet

Millionen Holländer werden ihm zujubeln: Willem-Alexander besteigt heute den Thron. Lange Zeit wurde er von seinen Untertanen als faul und feierwütig verspottet. Jetzt ist er ein Hoffnungsträger.

Von Jens Maier

In puncto Trinkfestigkeit kann ihm in den europäischen Adelshäusern vermutlich nur Prinz Harry das Wasser - oder vielmehr das Bier - reichen: Willem-Alexander von Oranje-Nassau genießt seit seinen Studienzeiten einen Ruf als Feierbiest. Auf Fotos sind die ausufernden Saufgelage des jungen Mannes, der spöttisch "Prinz Pilsje" genannt wurde, für die Ewigkeit dokumentiert. Doch anders als Harry, der unlängst mit einer wilden Party in Las Vegas Schlagzeilen machte, ruft Willem-Alexander die Pflicht. Er ist Kronprinz und wird nun König der Niederlande werden. Ausufernde Gelage sind für den inzwischen 46-Jährigen vorbei. Doch seine lockere Art, seinen offenen Umgang mit Menschen will sich der neue König bewahren - und damit die Monarchie umkrempeln.

Am Dienstag feiert Holland seinen neuen König. Mehr als 800.000 Menschen werden Willem-Alexander allein auf den Straßen Amsterdams zujubeln. Sie werden ihn hochleben lassen und das ein oder andere Pils auf ihn trinken. Wie jedes Jahr am sogenannten Koninginnedag, der in Zukunft der Koningsdag ist, wird es eine Party in Orange sein. Doch die Volksfeststimmung auf den Straßen der niederländischen Hauptstadt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die holländische Monarchie sich in der Krise befindet. Glaubt man den Meinungsumfragen, stehen zwar 75 Prozent hinter ihrem Königshaus - nur 15 Prozent wollen die Monarchie abschaffen -, aber die Kritik wächst.

Kritiker werfen dem Hof Verschwendung vor

Verschwendung wird dem niederländischen Hof vorgeworfen. Mit knapp 40 Millionen Euro an Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln ist er das teuerste Königshaus in Westeuropa. Obwohl selbst die britische Königin Elisabeth II. inzwischen Abgaben bezahlt, ist er außerdem von der Steuerpflicht befreit. Für viele Republikaner ein Skandal. Doch nicht nur wenn's ums Geld geht, verstehen viele Holländer keinen Spaß. Unter dem Motto "Weg met de Monarchie" hat sich im Internet eine Gruppe von Monarchiegegnern formiert. Sie halten das Königshaus für eine antiquierte und zu Unrecht privilegierte Einrichtung.

Am angestaubten Image der niederländischen Krone trägt vor allem Königin Beatrix ihren Anteil. Zwar hat sich die Monarchin in ihrer 33-jährigen Amtszeit mit Disziplin den Respekt ihres Volkes erarbeitet, doch eine Königin der Herzen war sie nie. Sie hielt eisern an einem antiquierten Hofzeremoniell fest und machte den Palast zu einem Bollwerk aus Traditionen, statt ihn zu modernisieren. Die vielleicht fortschrittlichste Tat ihrer Amtszeit ist ihre Abdankung. "Ich glaube, dass die Verantwortung für unser altes Land in die Hände einer neuen Generation gehört", erkannte sie klug. Mit ihrem Thronverzicht macht sie den Weg für eine längst überfällige Reform des Königshauses frei.

Willem-Alexander galt lange Zeit als Hallodri

Denn auf Kronprinz Willem-Alexander kommt eine Herkulesaufgabe zu. Er muss die niederländische Monarchie retten. Lange Zeit hegten seine Landsleute große Zweifel an ihm. Der blonde Prinz war als Hallodri verschrien. Seine Schulnoten waren schlecht, sein Studium absolvierte er mit Ach und Krach. Und so einer soll König werden? Für viele Holländer war das noch vor zehn Jahren unvorstellbar. Doch gerade weil die Erwartungen an ihn so niedrig waren, hat er alle überrascht. Er ist zum zuverlässigen und angesehenen Mann gereift. 66 Prozent der Bürger hätten großes Vertrauen in ihn als König, ergab eine Umfrage des niederländischen Fernsehens. Willem-Alexander gilt heute als modern, bürgernah und lebenslustig. Noch beliebter als er ist nur seine Frau Máxima.

Nach anfänglichem Widerstand eroberte die gebürtige Argentinierin die Herzen der Holländer. Sie gilt als Garantin dafür, dass auf den holländischen Thron Volksnähe, Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit zurückkehrt. Wie ihr Mann gibt Máxima wenig auf höfisches Zeremoniell. Ihre Töchter Amalia, 9, Alexia, 7, und Ariane, 6, wachsen nicht als verwöhnte Prinzessinnen auf, sondern besuchen öffentliche Schulen. Wenn sie mit ihren Eltern gemeinsam für offizielle Fotos posieren, wirkt das fast immer, als seien sie gerade vom Hollandrad gestiegen - eine schrecklich nette Familie.

Am Dienstag wird Willem-Alexander IV. der jüngste König Europas sein. Er ist der Wegbereiter einer neuen Ära, nicht nur für die niederländische Monarchie. Ob in Norwegen mit Haakon und Mette-Marit, in Dänemark mit Frederik und Mary, in Spanien mit Felipe und Leitizia oder in Schweden mit Victoria und Daniel: Überall in Europa steht die neue Generation bereit. Jung, unverbraucht, modern - und bereit, der Monarchie frisches Leben einzuhauchen. Es wird höchste Zeit.