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Porscheklage: "Klassenkampf" um’s Klima

Porsche hat Londons "Klassenkampf" gegen Klimakiller gründlich satt: Dort wird den Besitzer von hochmotorisierten Luxusautos und Geländewagen eine saftige Erhöhung der Innenstadt-Maut aufgebrummt. Nun will Porsche für das Recht Spritfresser klagen.

Der deutsche Autobauer kündigte eine Klage gegen Londons Bürgermeister Ken Livingstone an, falls der seine Pläne nicht zurücknimmt. "Komplett unfair" und "nutzlos" sei die Maßnahme, wetterte Andy Goss, Direktor des britischen Firmenablegers Porsche Cars GB, und löste eine Debatte über Sinn und Unsinn einer solchen "Luxusauto-Maut" aus.

In der britischen Hauptstadt soll für Autofahrer von Porsche und Co. von Oktober an die Gebühr von 8 auf 25 Pfund (34 Euro) erhöht werden. Die Behörden hoffen auf eine abschreckende Wirkung auf Fahrer der Luxuswagen und dadurch auf bessere Luft in der City. Die Steigerung habe "sehr begrenzte Effekte" auf die CO2-Emissionen und schade der Stadt, sagte dagegen Goss. "Erfolgreiche Leute aus der ganzen Welt werden zwei Mal darüber nachdenken, sich hier niederzulassen, wenn sie wie Melkkühe des Rathauses behandelt werden." Sollte Livingstone nicht innerhalb von 14 Tagen auf die Beschwerde von Porsche antworten oder die Erhöhung zurücknehmen, wolle das Unternehmen vor Gericht gehen.

Kein Grundrecht auf Sprifresser

Livingstone, der sich derzeit für die anstehenden Bürgermeisterwahlen in London mit Umweltthemen gut positionieren will, hatte die erhöhte Maut Anfang des Monats angekündigt: Vom 27. Oktober an müssen alle Autos, die mehr als 225 Gramm Kohlendioxid pro Fahrkilometer in die Luft blasen, die erhöhte Gebühr bezahlen. Gratis dürfen dagegen Autos durch die Stadt rollen, die weniger als 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Nach Angaben der Londoner Verkehrsbetriebe wären rund 33 000 Autos von der erhöhten Maut betroffen, von Porsche wären das der Cayenne und der 911.

"Niemand hat das Recht, Müll auf die Straße zu werfen; und Porsche sollte nicht das Recht haben, Londoner mit spritfressenden, umweltverschmutzenden Autos zu belästigen", ließ Livingstone über seinen Sprecher mitteilen. Damit sprach er wohl all jenen Londoner aus dem Herzen, die sich seit langem über die nach dem Londoner Nobelviertel Chelsea benannten "Chelsea-Tractors" beschweren. "Die Idee, die umweltschädlichen Autos mit einer Maut zu belegen, kommt bei den meisten Leuten super an", sagte Blake Ludwig vom Interessenverband gegen Autos mit Vierradantrieb.

Doch andere bezweifeln, dass die Maßnahme die Luft wirklich sauberer macht. Von der höheren Maut seien zudem Familien betroffen, die mehrere Kinder in größeren Autos transportieren müssten, monierte Edmund King vom Automobilclub AA.

Von Annette Reuther/DPA+

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