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Protest gegen MyTaxi: Fahrer fühlen sich abgezockt

Zwischen der App MyTaxi und den Taxifahrer herrschte jahrelang eitel Sonnenschein. Das war einmal. Ein neues Abrechnungssystem bringt die Fahrer auf die Barrikaden.

Von Gernot Kramper

In Zunkunft sollen die Fahrer bei MyTaxi ein Gebot für die Fahrt abgeben.

In Zunkunft sollen die Fahrer bei MyTaxi ein Gebot für die Fahrt abgeben.

Für Taxifahrer war MyTaxi ein Geschenk des Internets. Mit der App wurden Touren schnell und unkompliziert vergeben. Einzelne Fahrer oder kleine Unternehmen mussten sich nicht mehr den großen Taxiszentralen anschließen und konnten deren Gebühren sparen. MyTaxi bekam 79 Cent pro Fuhre - das lohnte sich für die Fahrer.

MyTaxi reichten diese Erlöse nicht, ab dem 1. Februar soll eine neue Preisstruktur gelten. Anstelle des simplen Festbetrages sollen die Fahrer einen Prozentanteil des Fahrpreises bezahlen. Wie viel das ist, können sie sich selbst aussuchen. Auf einem Schieberegel kann der Fahrer entscheiden, wie viel Prozente ihm die Tour wert ist. Er kann einen Wert zwischen drei und 15 Prozent wählen.

Die Fahrer toben, in Hamburg gab es Demos und Aufrufe zum Boykott. "Wir Taxifahrer fürchten, dass künftig nur noch die Taxen den Zuschlag für eine Fahrt bekommen, die die höchste Gebühr abführen", sagt Michael Hakan Erdogan, Vorsitzender des Landesverbandes Hamburger Taxifahrer. Für die Fahrer wäre das ein ruinöser Preiskampf. Die Wut ist besonders groß, weil sich die Fahrer bisher stark mit der App und dem Startup identifiziert haben.

"MyTaxi will uns gegeneinander aufhetzen", sagt Clemens Grüm, stellvertretender Vorsitzender des Hamburger Taxenverbands, auf der Veranstaltung. Der Siegeszug von MyTaxi war nur möglich, weil die Fahrer das neue Angebot aufgegriffen haben. "Wir haben in den letzten vier Jahren Werbung für die MyTaxi-App gemacht und müssen uns die Kunden nun teuer zurückkaufen", so Grün auf einer Protestveranstaltung in Hamburg. Auf der Facebookseite von MyTaxi entlädt sich der Unmut. Für Fahrer David K. ist es klar: "Du bezahlst an sie 15 Prozent des Umsatzes. Da du ca. 50 Prozent des Umsatzes verdienst, heißt das, 30 Prozent deines Verdienstes gehen an die App."

Frust auch für die Kunden

Auch für die Kunden ist die Neuerung alles andere als optimal. Die Mehrkosten müssen sie zwar nicht bezahlen, aber bislang wurde die Tour einfach per Fingertipp an den jeweils nächsten Fahrer vergeben. Bei einem Bietwettbewerb müssten zunächst mehrere Fahrer ein Angebot abgeben. Wenn der Sieger nicht das nächste Taxi ist, werden die Kunden länger auf die Abholung warten müssen. Aus Sicht der Taxifahrer heißt das: Höhere Kosten werden mit einem schlechteren Service und unzufriedenen Kunden kombiniert.

In der Firmenzentrale in Hamburg ist man von der Vehemenz des Protest überrascht, auch wenn man Kritik erwarte hat. "Wir wollten mit der neuen Gebühr den Taxifahrern die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, wie viel Geld sie an uns abführen wollen", sagt Lina Wüller, die Sprecherin von MyTaxi. Sie betont, dass nur mit einem neuen Preismodell der Betrieb von Mytaxi dauerhaft gesichert sei.

Der Vertrauensbruch dürfte nur schwer zu reparieren sein. Der Verband der Hamburger Taxifahrer hat bereits angekündigt, eine eigene App ins Rennen zu schicken. Ob der Taxiverband eine echte Eigenentwicklung startet, ist fraglich. Aber sollten Fahrer und Verbände zu einer App mit besseren Bedingungen wechseln, kann MyTaxi sehr schnell Fahrer und Gäste los sein, zum Beispiel Serdar K.. Er postet auf Facebook: " Ihr seid dreist und ohne Vernunft. Jeder der rechnen kann, sieht, wie ihr uns abzocken wollt. Ich habe vielen Fahrgäste MyTaxi schmackhaft gemacht und doppelt so vielen werde ich das jetzt auch wieder ausreden."

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