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Serviceoffensive des Autobauers: Opel-Chef Reilly klotzt mit "lebenslanger" Garantie

Endlich kommt Opel in die Puschen. Monatelang rätselte die Branche, wie Opel-Chef Nick Reilly die Marke retten will. Mit einem Paukenschlag zeigt der Manager, wie es voran gehen soll: Opel will Vertrauen gewinnen - mit einer "lebenslangen" Garantie.

Von Gernot Kramper

Statt bunter Imagekampagnen läßt der Opel-Chef Fakten sprechen. Eine "lebenslange" Garantie soll verunsicherte Kunden zurückgewinnen. Nick Reilly weiß, wie sehr das Opelimage auch im Kernland Deutschland gelitten hat. Er weiß aber auch, dass Opel bei vielen Autokäufern tief im Herzen verwurzelt ist. Bei Rennveranstaltungen auf dem Nürburgring sind die Opel-Fans nicht zu übersehen. Opel ist eine Traditionsmarke im besten Sinn.

Dieses Kundenreservoir will Reilly zurück gewinnen. Drei Dinge sind dafür notwendig. Die Produkte müssen stimmen, das Vertrauen in die Qualität muss wiederhergestellt werden, und auch das Image muss verbessert werden. Von der Produktseite kann die Operation glücken, die aktuellen Opel Insignia, Astra und Meriva können im Markt bestehen. Der für das Ende des Jahres geplante Astrakombi wird der Baureihe die dringend benötigten Käufer zuführen können.

Was bedeutet Ihnen eine "lebenslange" Garantie beim Autokauf?

Jetzt soll die leidige Qualitätsfrage mit einem Kraftakt bereinigt werden. Das ist unbedingt notwendig, denn auch wenn die übelsten Opelklopfer schon einige Jahre her sind: In Qualitätsfragen besitzt der Autokunde ein Gedächtnis wie ein Elefant.

"Lebenslange Garantie". Damit hat Opel-Chef Nick Reilly das Richtige getan. Nicht Kleckern, sondern Klotzen. Mehr kann man nicht tun, um zweifelnde Kunden zu überzeugen. Und stärker hätte sich der neue Chef nicht zur Marke bekennen können. Eine Autogarantie ist kein leeres Wahlversprechen. Hinter ihr stehen knallharte Kostenrechnungen, für die Reilly in den nächsten Jahren einstehen muss.

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Einschränkungen im Kleingedruckten

An der Formulierung werden Kritiker etwas auszusetzen haben. Sicher, "lebenslang" bedeutet auch bei Opel nicht, dass jeder Corsa in Zukunft 500 Jahre alt werden soll und eine Million Kilometer abspulen wird. Und eines ist schon jetzt klar, auch bei "lebenslang" findet sich die eine oder andere Einschränkung im Kleingedruckten. Die angekündigte Garantie ist tatsächlich begrenzt auf 160.000 Kilometer – allerdings ohne Zeitlimit. Das ist ein Wort, denn sie wird nicht auf teure Mittelklassemodelle mit hoher Laufleistung begrenzt, sondern gilt auch für einen Familienwagen in der Basisausstattung.

Die Garantie gilt für den Erstkäufer und kann bei Verkauf gegen eine Gebühr übertragen werden. Natürlich gilt sie nicht für Verschleißteile wie Bremsbeläge. Auch wird man den Wagen auf eigene Rechnung regelmäßig zur Inspektion in eine Opelwerkstatt bringen müssen. Über die ganze Dauer übernimmt die Garantie bei Reparaturen die vollen Lohnkosten. Einschneidend ist eine Beschränkung bei den Materialkosten: Bis 50.000 Kilometern Laufleistung übernimmt Opel die Materialkosten zu 100 Prozent, danach steigt der Anteil des Besitzers in Stufen auf 60 Prozent (ab 100.000 Kilometer). Ausgenommen sind auch ein paar Nutzfahrzeuge. Trotz der Einschränkungen ist die Offerte alles andere als eine Luftnummer.

Für die Familien, für das Flottengeschäft und für die Händler

Locken wird dieses Garantieversprechen alle Privatkunden, denn sie fürchten teure Reparaturen bei älteren Fahrzeugen besonders. Bei Opel kann man jetzt sicher sein, dass der neue Meriva bei normaler Laufleistung zwölf Jahre lang keine wirklichen Überraschungen fürs Familienbudget bereithält.

Mit einer 160.000-Kilometer-Garantie wird ein Wagen wie der Insignia für Flottenkunden interessanter. Diese Firmen stoßen ihre Wagen nach drei bis vier Jahren mit Laufleistungen von 100.000 Kilometern und mehr wieder ab. Wer so einen Gebrauchten kauft, muss mit einer sehr guten Qualität auch bei hohen Tacho-Ständen rechnen können. Die "lebenslange" Garantie wird die Verkaufswerte für einen gebrauchten Firmenopel enorm verbessern. Wer privat in Zukunft einen Leasingrückläufer von Opel kauft, profitiert noch jahrelang von der Garantie.

Das Händlernetz gilt als einer der großen Pluspunkte von Opel. Die Händler gelten in ihren Regionen als stark, sind häufig der Marke eng verbunden und haben Opel in den letzten Jahren sehr gestützt. Nun hat Reilly seinen Opel-Händlern ein starkes Argument in die Hand gegeben. Kein Mitbewerber bietet ein so umfassendes Garantieversprechen. Damit hat Reilly etwas geschafft, was es lange Zeit nicht gab: Opel ist ganz vorn.

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