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Tata People's Car: Volks-Wagen zum Kampfpreis

Die Detroit Motor Show beginnt erst in ein paar Tagen, da blickt die Automobilwelt einhellig nach Neu Delhi. Auf der dortigen Automesse wurde heute der Tata People’s Car vorgestellt. Ein Kleinwagen für 1.700 Euro. Nur die deutsche Industrie verpasst mal wieder den Anschluss.

Tata ist in Sachen Automobilproduktion alles andere als Greenhorn und nicht erst seit dem vehementen Engagement für den Kauf der Luxusmarken Jaguar und Land Rover weltweit im Gespräch. Die Inder bauen seit vielen Jahren sehr erfolgreich Autos vom Kleinwagen bis zum Militärlastwagen; konnten sich in Europa bisher jedoch nicht so recht in Szene setzen. Nachdem MG Rover Pleite ging, wurde der auch in Deutschland geplante Import des von Tata produzierten Cityrover auf Eis gelegt. In einigen europäischen Ländern ist der Tata als Indica jedoch durchaus auf dem Markt etabliert.

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Kampfpreis

Jetzt versucht es Tata mit einem noch winzigeren Kleinwagen. Das People’s Car soll vier bis fünf Personen Platz bieten und wird von einem 30 PS starken Benzinmotörchen mit gerade einmal 600 Kubikzentimetern angetrieben. Damit soll der Tata-Zwerg weniger als vier Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Der Motor sitzt im Heck, die Kraftübertragung übernimmt ein stufenloses Variomatic-Automatikgetriebe. Auf dem indischen Markt ist das durchaus ungewöhnlich, denn automatische Getriebe finden sich dort zumeist nur bei teureren Fahrzeugen. In besser ausgestatteten Versionen sollen das karge Interieur durch eine Klimaanlage, Servolenkung und elektrische Fensterheber aufgewertet werden. Tata will den rundlich-kugeligen Fünftürer zunächst in Indien und später auch in anderen Ländern auf den Markt bringen. Selbst ein Marktstart in Europa ist denkbar. Der Kaufpreis soll bei sagenhaften 2.500 US-Dollar, somit umgerechnet bei 1.700 Euro liegen.

Das Fahrzeug wird in Indien auch als "1-Lakh Car" bezeichnet. Lakh ist eine umgangssprachliche Abkürzung für 100.000, und der Wagen soll in der Tat 100.000 Rupien kosten (umgerechnet etwa 1.800 Euro). Die internationale Bezeichnung des Wagens lautet "People’s Car", übersetzt also nichts anderes als Volkswagen. Das Fahrzeug soll in Indien noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

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Deutsche verschlafen den Trend

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen hatte auf stern.de prognostiziert, dass der Markt der Billigautos bis 2020 das am schnellsten wachsende Marktsegment im Weltautogeschäft sein wird . Er sagte aber auch, dass deutsche Autohersteller davon nicht profitieren werden und entsprechend an Bedeutung für den Weltmarkt verlieren. "Mit dem neuen Fahrzeug aus Indien beginnt eine neue Ära der Einfachstautos, die erhebliches Wachstum im Pkw-Weltmarkt erzeugen wird", sagte der Branchenkenner. Bereits 2015 seien 30 Prozent aller Neuwagen in den Entwicklungsmärkten Einfachstautos. Dabei gelte, "dass in den nächsten 13 Jahren 90 Prozent des Wachstums aus den Emerging Markets kommen". Renault-Nissan, Tata, die chinesischen Hersteller und "natürlich Toyota" gingen in diesen Boom-Markt. Aber Konzerne im Volumenmarkt wie GM, Ford, VW und PSA stünden vor Wachstumsgrenzen, ohne dass eine zündende Zukunftsstrategie erkennbar sei.: " VW hat sogar explizit die Produktion eines Billigautos ausgeschlossen hat, sondern lediglich im hart umkämpften Segment der 7000- bis 10 000-Dollar-Kleinwagen in den Markt gehen will, besteht ein unübersehbares Wachstumsrisiko." Mit einer abgespeckten Version eines bereits angebotenen Kleinwagens wird nach Ansicht Dudenhöffers kein Staat zu machen sein: "In den Emerging Markets leben keine Singles, sondern Großfamilien, die Platz nachfragen, also eher den Dacia Logan als den abgestrippten Polo wollen."

Tata Motors ist kein Unbekannter

Die Delhi Motor Show findet alle zwei Jahre statt und ist Indiens führende Automesse. Es werden mehr als eine Millionen Besucher erwartet. Tata Motors präsentiert sich zusammen mit Fiat Indien auf einem 5200 Quadratmeter großen Stand. Neben dem People’s Car und neuen PKW werden vor allem Nutzfahrzeuge präsentiert, darunter LKW, Minitrucks, Pickups sowie neue Busse, die in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Unternehmen Marcopolo entstanden sind.

Tata Motors ist Indiens größter Automobilhersteller, landesweit die Nummer Eins bei Nutzfahrzeugen und Nummer Zwei bei Personenwagen. Mehr als vier Millionen Tata-Autos rollen über Indiens Straßen, so der Hersteller. Weitere Märkte sind Afrika, der Mittlere Osten, Südostasien, Südamerika und Europa. Das Unternehmen ist ein Joint-Venture mit Fiat eingegangen und vertreibt unter dem Fiat-Label Fahrzeuge in Indien. Zu Tatas PKW-Portfolio gehören neben dem Indica der Indigo und ein SUV namens Safari. Der Indigo, auch als Kombi-Version SW erhältlich, wird von einem 1,3-Liter Benziner mit 85 PS oder einem Turbodiesel mit 70 PS angetrieben. Der Indica V2 ist Indiens meistverkaufter Diesel-PKW und verfügt über zwei Airbags und ABS. Allein im Dezember wurden bei Tata fast 48.000 Autos gebaut, knapp 10% davon waren für den Export bestimmt. Im November lief das ein Millionste Fahrzeug auf der Indica-Plattform vom Band.

Press-Inform/DDP

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