Verkehrssicherheit Dieses Auto weiß, wo Kinder spielen


Kinder haben keinen Airbag und sind für Autofahrer unberechenbar, wenn sie spontan auf die Straße springen. Wenn das clevere Fahrzeug wüsste, wie die Kleinen reagieren, könnte es viele Unfälle vermeiden. BMW arbeitet gemeinsam mit Hochschulen und Zulieferern an einer entsprechenden Technik.
Von Peter Weyer

Da versagen selbst supermoderne Assistenzsysteme. Keine Kamera, kein Infrarot-Sensor, keine Wärmebildkamera des Nachtsichtgerätes und kein Bordradar kann vor unachtsamen Fußgängern warnen, wenn sie plötzlich zwischen geparkten Autos auf die Fahrbahn treten. Besonders gefährdet sind spielende Kinder, die auch für vorbildlich vorsichtige Autofahrer bis zur allerletzten Sekunde unsichtbar bleiben.

Mit dramatischen Folgen. Knapp 15 Prozent der 4482 Verkehrstoten in Deutschland (2008) sind Fußgänger. Noch schlimmer: Fast die Hälfte aller verunglückten Kinder zwischen sechs und 14 Jahren erwischt es, weil sie blindlings auf die Fahrbahn laufen.

Kommunikation mit dem Auto

Den Horror für Eltern und Autofahrer könnte eine neue Technik mindern, die BMW derzeit gemeinsam mit Hochschulen und Zulieferern erarbeitet. Das Forschungsprojekt heißt "Amulett" und ist die Abkürzung für das Begriffsmonster "Aktive mobile Unfallvermeidung und Unfallfolgenminderung durch kooperative Erfassungs- und Trackingtechnologie". Künftig werden Autos mit Kindern, erwachsenen Fußgängern und Radfahrern in ihrer unmittelbaren Umgebung ständig in Funkkontakt sein können. Der läuft automatisch und unmerklich ab. Voraussetzung ist allerdings, dass gefährdete Personen einen Transponder bei sich tragen. Der ist etwa so klein und leicht wie ein Plastikchip aus der Spielbank und ist in jeden Schulranzen, jedes Handy, jedes Kleidungsstück zu integrieren oder kann separat getragen werden, etwa als Halskette oder Armreif. Wie ein Echolot spiegelt der Transponder die Signale zurück, die das Auto losschickt.

Aus der Rückmeldung errechnet das Amulett-System in Echtzeit etwa, ob, wo und wie schnell ein Kind auf die Straße laufen wird. Droht Gefahr, bremst das Auto noch rechtzeitig völlig autonom auf Tempo null runter.

Energie aus der Luft

Im Versuch arbeiten Prototypen des neuen Gefahrenbremsers bereits fehlerfrei und zuverlässig. Dennoch dauert es wohl noch drei bis fünf Jahre bis zur Serienreife. Probleme haben die BMW-Vordenker und ihre Mitstreiter weniger mit der Technik an Bord als vielmehr mit dem Transponder. Der ist noch zu groß und unhandlich. Zudem ist die Stromversorgung des elektronischen Echos noch nicht völlig gelöst. Eine Möglichkeit wäre, "die Luft anzuzapfen". Denn der übliche drahtlose Funk- und Datenverkehr produziert in der Atmosphäre jede Menge Elektro-Smog, dessen Energie für die winzigen Verbräuche der Transponder ausreicht. Dann wäre der Sicherheitschip immer voll aufgeladen. Wartungs- und kostenfrei obendrein.


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