Testfahrten Mercedes-Testfahrer tötete Schwedin auf dem Gehweg


Der Testpilot will nur 55 Stundenkilometer gefahren sein und dabei die Kontrolle über das Fahrzeug der neuen S-Klasse verloren haben. In Schweden hat der Tod der Fußgängerin massive Kritik am Verhalten deutscher Testfahrer ausgelöst.

Wie Medien am Donnerstag berichteten, wurde eine 45 Jahre alte Mutter von zwei Kindern zwei Tage zuvor auf einer Landstraße nahe der Ortschaft Ytterhogdahl von einem außer Kontrolle geratenen Testwagen von Mercedes angefahren und starb an den Unfallfolgen. Der schwedische Mercedes-Sprecher Sverker Dahl bestätigte im Rundfunk, dass die Staatsanwaltschaft gegen den 32-jährigen Fahrer aus Deutschland wegen grober Fahrlässigkeit im Verkehr mit Todesfolge ermittelt. In Karlsruhe hatte das Landgericht im letzten Juli einen DaimlerChrysler-Ingenieur zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt, weil er durch Drängelei mit einem extrem schnellen Testwagen auf der Autobahn den Tod zweier Menschen verursacht hatte.

Generelle Kritik an deutschen Testfahrern

Während die Einzelheiten des Unfalls auf der winterlich glatten Landstraße im Norden Schwedens noch unklar blieben, meldeten sich Anwohner, Polizei und ein Autoexperte mit Kritik an generellen Fahrgewohnheiten unter den etwa tausend hier im Winter arbeitenden Testfahrern aus Deutschland zu Wort. Vor allem bei Kolonnenfahrten mit zu hohen Geschwindigkeiten und viel zu geringem Abstand zwischen den Autos müsse man Angst haben, erklärten Bürger im Rundfunk.

Der zuständige Polizeisprecher des Bezirks Arjeplog, Anders Holmlund, bestätigte dieses Angaben und nannte Fahren mit mehr als den erlaubten 0,2 Promille Alkohol im Blut als weiteres Problem. "Als wir die Leute von Mercedes erneut darauf aufmerksam machen wollten, haben sie äußerst nachlässig reagiert und wollten gar nicht mit uns reden", sagte Holmlund ebenfalls im Rundfunk.

Der schwedische Autotester Robert Collin warf DaimlerChrysler in der Zeitung "Aftonbladet" vor, die Öffentlichkeit über die Unfallursache zu belügen. Zur Erklärung des Fahrers und seiner Kollegen, er sei zum Unfallzeitpunkt nicht schneller als 55 bis 60 Stundenkilometer gefahren, meinte Collin: "Wenn der Fahrer bei dieser Geschwindigkeit tatsächlich ins Rutschen gekommen ist, hat man ein ernstes Problem mit diesem neuen Luxusauto." Die Wahrheit über die Geschwindigkeit sei sehr leicht mit den Messinstrumenten im Wagen zu ermitteln, die aber sofort nach dem Unfall ausgebaut worden waren.

Thomas Borchert/DPA


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