VERKEHR Das »Piepen« für mehr Sicherheit

Verkehrsmeldungen haben schon so manchen Autofahrer vor Schlimmem bewahrt. Andere verdanken dem »Piepen« aus dem Radio nur ihren Führerschein.

Es gibt Rentner, die mit dem Elektromobil über die Autobahn schleichen. Auch ein Sarg der die Fahrbahn versperrte, wurde schon einmal gesichtet. Meldungen dieser Art, der öffentlich- rechtlichen wie auch der privaten Sender, haben manchen Autofahrer vor Schlimmem bewahrt. Andere verdanken dem Radioservice gar ihren Führerschein.

Störung oder Service

Denn neben Hinweisen zu Geisterfahrern, Gegenständen auf der Fahrbahn und Staus gehen oft auch Warnungen vor Blitzern, Politessen und Verkehrskontrollen über den Äther. Dennoch ist es nicht einfach, die Autofahrer bei Laune zu halten. »Die häufigste Kritik an unserem Sender bezieht sich auf den Verkehrsfunk«, bilanziert Gabi Hoberg, Leiterin der Sendung »Aktuell« bei »Radio Hamburg«. Am meisten Gemecker hagelt es von den Fahrern, wenn sie in einem Stau stehen, der nicht gemeldet wurde. Dafür beschweren sich andere Hörer, weil die Musik ständig von Hinweisen unterbrochen wird. Hier das rechte Maß zu finden, ist für die Sender nicht einfach.

Wichtige Hinweise

Während einige Sender inzwischen ganz auf diesen Service verzichtet, kann man in der »Morning Show« von »Radio Nora« im Zehn-Minuten-Takt Nachrichten über die Straßen in Norddeutschland hören. Ausgerissene Kühe und über die Fahrbahn watschelnde Schwäne werden ebenso berücksichtigt wie der übrige »zäh fließende Verkehr«. Michael Plöger, Leiter der zentralen Programmaufgaben beim »NDR« in Hamburg, legt Wert auf die Präsentation der Meldungen. »Bei unseren Sendern achten wir bewusst darauf, dass wichtige Hinweise auch als solche zu erkennen sind, egal wie lustig sich eine eingegangene Meldung vielleicht anhören mag«, betont er. Zweideutigen Meldung im Stil von »Bullen am Fahrbahnrand« haben im Radio nicht zu suchen.

Nicht alles darf piepen

Hauptinformationsquelle aller Sender ist die Landesmeldestelle der Polizei. Was von dort kommt, darf innerhalb des so genannten Ari-Signals (der bekannte Pfeifton, der den Verkehrsfunk ankündigt) gesendet werden. »Alle anderen Hinweise, beispielsweise wenn Hörer uns Bescheid geben, dürfen nicht mit dem Ton angekündigt werden«, sagt Michael Wehrmann, Koordinator von »Delta Radio«. Das »Verkehrsaufkommen« der Polizei ist jedoch sehr groß. Auch der aus dem Altersheim entwichene, umher irrende Rentner zählt dazu.

Von Hörern für Hörer

Um ihren Hörern einen umfangreichen Service zu bieten, ist der Großteil der Sender dazu übergegangen, auch Hinweise von Hörern, des ADAC oder auch der eigenen Mitarbeiter weiterzugeben. So warnen Formate wie »Flitzer-Blitzer« oder »Flash« Autofahrer vor gefahren und informieren über neueste Radarfallen. »Unsere Hörer sind dabei oft die schnellste Quelle«, berichtet Astrid Hennigs von »Hit Radio Antenne«.

Auch der ADAC stützt sich vor allem auf seine Autofahrer. So sind rund 90 000 Mitglieder des Automobilclubs als Staumelder eingetragen. »Dieser Service ist erst in dem Maße möglich, seit es Handys gibt«, sagt ADAC-Mitarbeiterin Bettina Schmidt. Was die Hörer gelegentlich amüsiert, kann für Autofahrer mitunter lebensrettend sein. Etwa wenn einer wie »Käptn Chrischan«, der Verkehrsexperte von »Fun Fun Radio«, von einem Weihnachtsbaum berichtet, der an Heiligabend auf der Fahrbahn liegt.

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