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Gesichtserkennung: Blamage für Amazon: Gesichtserkennung verwechselt US-Abgeordnete mit Straftätern

Amazon ist nicht aufzuhalten: Der Konzern ist nicht nur eine Marktmacht im Online-Handel, sondern auch im Smart Home Bereich. Doch nun stellen Bürgerrechtler den Konzern bloß. Grund ist seine Software "Rekognition" und ein Test mit US-Politikern.

Amazons Software "Rekognition" ordnete die Gesichter von 28 US-Abgeordneten Verbrechern zu

Amazons Software "Rekognition" ordnete die Gesichter von 28 US-Abgeordneten Verbrechern zu

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Dieses Ergebnis muss für 28 Abgeordnete im US-Kongress eine böse Überraschung gewesen sein. Amazons Software "Rekognition" behauptete steif und fest, ihre Gesichter in polizeilichen Bildergalerien von Straftätern widererkannt zu haben. Dumm nur, dass keiner der Politiker sich nachweislich etwas zu Schulden hat kommen lassen. Kein Anhalten wegen zu schnellen Fahrens, Drogenkonsums oder unerlaubten Waffenbesitzes war irgendwo bei den Behörden verzeichnet.

Die Parlamentarier müssen keine Konsequenzen befürchten. Sie waren Teil eines Versuchs, den die amerikanische Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU) durchführte. Die hatte sich eine Lizenz für die Software besorgt und ließ "Rekognition" die Gesichter aller 535 Kongress-Abgeordneten mit einer Datenbank abgleichen, in der 25.000 Bilder von Straftätern eingespeist waren. Ungemütlicher könnte es für Amazon selber werden.

Amazon mischt auch im Sicherheitsbereich mit

Denn die Nachricht kommt für den Online-Händler zur Unzeit. Das Unternehmen eilt von Erfolg zu Erfolg. Das Schwergewicht ist nicht nur das zweitwertvollste Unternehmen der Welt, sondern verdient am Internet-Handel prächtig. Als zweites Standbein mausert sich dabei das Cloud-Geschäft mit der Tochter AWS. Amazon vermietet Speicherplatz nicht nur an Otto-Normalverbraucher, sondern auch an die Bundesbehörde FBI.

Doch die Geschäftstüchtigkeit Amazons reicht noch weiter. Der Konzern hat eben auch die Gesichtserkennung "Rekognition" im Angebot. Die Software soll Kunden helfen, große Datenbanken nach Bildern zu durchforsten. Beliebt ist sie auch bei Polizeibehörden. Die können das Programm zum ihrem Cloud-Speicher hinzubuchen. Die monatlichen Kosten sollen bei gerade einmal 12 US-Dollar liegen. Der Clou: Die Gesichtserkennung funktioniert in Echtzeit. Polizisten könnten so Straftäter bei der Fahrzeugkontrolle gleich erkennen und  festnehmen.

Das Police Department in Orlando unterhielt bereits ein Pilotprojekt, dass eben diese Software verwendete. Auch an der US-Westküste interessieren sich die Behörden für "Rekognition". Nach einem Bericht der Regionalzeitung "Williamette Week" soll das Washington County Sheriff’s Department in Oregon einen Einsatz vorbereiten.

Bürgerrechtler üben scharfe Kritik

Gesichter mittels Software in Echtzeit zu erkennen und mit Datenbanken abzugleichen, ist bei Sicherheitsbehörden der letzte Schrei. Doch das Experiment von ACLU bestätigt nun abermals viele Kritiker. Wie "The Verge" berichtet soll "Rekognition" die Hautfarbe als Vergleichsparameter angewendet haben. Elf der betroffenen 28 Abgeordneten aus dem Versuch sind dunkelhäutig. Sie will die Software in der Verbrecher-Datenbank wiedererkannt haben. Auch Programme anderer Anbieter fielen bei Tests einer  Bundesbehörde mit solchen falschen Ergebnissen auf.

Die Bürgerrechtler von ALCU halten "Rekognition" generell für brandgefährlich. Die Gefahr sie zu große, dass Unschuldige festgenommen werden, sagte eine Sprecher. Auch Streifenpolizisten könnten falsche Informationen über Kriminelle erhalten. Amazon selber bügelt die Befunde ab. Die Datenbank sei eben nicht ausreichend mit Vergleichsmaterial gefüttert worden, dass als hinreichend vertrauenswürdig eingestuft werden konnte, teilte das Unternehmen gegenüber "The Verge“ mit.

US-Abgeordnete setzen Amazon ein Ultimatum

Dennoch könnte die Studie Konsequenzen nach sich ziehen. Parlamentarier forderten Amazon in einer Erklärung auf, die Namen aller Sicherheitsdienste bekannt zu geben, die "Rekognition" einsetzen. Das Unternehmen soll auch Auskunft über seine Software-Entwicklung gegen. Der Konzern von Jeff Bezos hat nun bis 20. August Zeit, zu reagieren.