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"Culpa Innata": Angegraute Zukunftsvision

Der Mensch als Wirtschaftsfaktor, das Leben als Konsumorgie, in der Schwache keinen Platz haben: Das beklemmende Adventure "Culpa Innata" verarbeitet Tendenzen unserer heutigen Welt zu einem außergewöhnlichen Spiel.

In der Welt von "Culpa Innata" gibt es nur noch die Diktatur des Eigennutzes in Form der sogenannten Weltunion und eine Reihe von Ländern, die sich ihr bislang noch nicht angeschlossen haben. Russland ist einer dieser "Schurkenstaaten". Als dort ein Bürger der Weltunion auf mysteriöse Weise zu Tode kommt und ein angesehener Professor aus der Grenzstadt Adrianapolis bei einem Unfall stirbt, sorgt das für politische Turbulenzen. Die hübsche Friedensoffizierin Phoenix Wallis wird mit der Aufklärung des Falles betraut.

"Culpa Innata" (lat. für Erbsünde) zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der nur die Anpassungsfähigsten eine Chance zum Überleben haben. Jeder steht unter dem permanenten Druck, die Anforderungen der Gesellschaft zu erfüllen - Freiheit wird nur vorgegaukelt, trotzdem sind die meisten Menschen überzeugt, in einer perfekten Welt zu leben - Anleihen bei Aldous Huxley und George Orwell sind unübersehbar. Doch die Story ist derart abseits aller Adventure-Klischees gesponnen, dass man ganz schnell in ihren Bann gezogen wird.

Die Präsentation des Spiels schreckt zunächst eher ab: Die angestaubte 3-D-Grafik, die selbst vor fünf Jahren nicht mehr "State of the Art" gewesen wäre, und eine dumpfe Sprachausgabe mit mäßig begabten Schauspielern irritieren in den ersten paar Spielminuten. Die Charaktere wirken wie Gliederpuppen, verfügen aber trotzdem über eine vergleichsweise ausdrucksstarke Mimik. Immerhin: Mit dem intuitiven Point&Click-Interface lässt sich die knackige Phoenix denkbar einfach dazu bewegen, die Spielumgebung nach Hinweisen zu den Todesfällen abzugrasen. Schon bald merkt man: Hinter der ungehobelten (oder unbeholfenen?) Fassade steckt viel mehr, als der erste Eindruck erwarten lässt.

Primär ist es die faszinierende, nonlinear erzählte Geschichte, die zum Weiterspielen zwingt. Wer von einem Adventure knackige Rätsel erwartet, wird sich hier vielleicht etwas umgewöhnen müssen. Denn bei "Culpa Innata" erwächst alles direkt aus der Story - man knackt Schlösser, sackt Gegenstände ein und untersucht sie. Alles sehr logisch und auch für Einsteiger mühelos zu schaffen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den umfangreichen Dialogen - die manche Spieler vielleicht als zu ausufernd und etwas geschwätzig empfinden mögen. Trotzdem: Charaktere und Handlung werden damit im Lauf des Spiels gut herausgearbeitet.

Culpa Innata

Hersteller/Vertrieb

Momentum/dtp entertainment

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Wer in Spielen vor allem technische Innovationen sucht, die seine Hardware bis zum Letzten ausreizen, wird mit "Culpa Innata" sicher nicht glücklich. Adventure-Freunde, für die eine gelungene Story Vorrang vor blitzender Technik hat, sollten einen Blick auf diese düstere Zukunftsvision werfen.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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