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"Dungeons & Dragons: Online - Stormreach": Die Würfel sind gefallen ...

Noch ein "World of Warcraft"-Konkurrent: "Dungeons & Dragons Online" basiert auf einer der populärsten Rollenspielserien und versucht, den Spagat zwischen Original und MMORPG-Umsetzung zu meistern.

Vor allem zwei Fragen drängen sich auf: Konnten die Macher bei Turbine eine Umsetzung schaffen, die auch für "D&D"-Profis reizvoll ist? Und wird es dem MMORPG gelingen, gleichermaßen Einsteiger wie Spieler der Konkurrenzprodukte vor die Kiste zu locken?

Zumindest will man sich, soweit möglich, an das offizielle Regelwerk für "D&D" gehalten haben. Der wohl auffälligste Unterschied zu anderen Genre-Vertretern ist, dass wie beim Brettspiel-Original der Sieger eines Kampfes durch Würfelwurf bestimmt wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass in "Dungeons & Dragons" der Würfelbecher zum Cocktail-Shaker wird, sondern es kann getrost in "Hack&Slay"-Manier draufgehauen werden - der ausgeteilte Schaden wird jedoch per Zufall errechnet.

Die Charakter-Erstellung läuft in gewohnten Bahnen ab, wobei die Möglichkeiten, das Aussehen des eigenen Charakters zu bestimmen, erfreulich vielfältig ausfallen. Bei der Wahl der bevorzugten Rasse bieten sich dem Spieler fünf Optionen: Menschen, Elfen, Zwerge, Halblinge und Kriegsgeschmiedete. Darüber hinaus darf aus neun Klassen der gewünschte Held gepickt werden - vom Paladin bis zum Hexenmeister. Berufe, die für Langzeitmotivation sorgen könnten, gibt es jedoch nicht.

Die über 200 Abenteuer, die "Dungeons & Dragons" verspricht, ergattert der Benutzer - wie auch bei der Genre-Konkurrenz üblich - von KI-gesteuerten Figuren, die selbst nicht am Spiel teilnehmen. Ehrenwert sind die Bemühungen der Macher, dem Spiel anstatt der ausgelutschten Monster-Jagd, die meist die Anfangs-Levels dominiert, eine tiefergehende Story zu vermitteln.

Insgesamt gilt es bei der "WoW"-Alternative zehn Entwicklungsstufen zu meistern, was jedoch mehr Geduld erfordert, als man vermuten mag. Hat der Spieler dieses eherne Ziel erreicht, ist er quasi arbeitslos. Turbine arbeitet mit Hochdruck an diesem Motivationsproblem. Womöglich setzt man per Addon die Levelgrenze nach oben ...

Größtes Manko des Spiels ist jedoch, dass ein Großteil der Quests auf Gruppen ausgelegt ist, was Gelegenheitszockern das Vorankommen erschwert - und das, obwohl das System zur Suche potenzieller Partner weitgehend ausgereift ist. Außerdem mag manch einer einen actionreichen Mann-gegen-Mann-Modus vermissen: Laut Turbine Games wäre der aber nicht regelkonform.

Dennoch ist "Dungeons & Dragons" sowohl für Fans des Originals als auch für "WoW"-Anhänger einen neugierigen Blick wert - zumal sich die 3-D-Grafik durchaus sehen lassen kann. Die Fantasywelt ist voll kleiner, bewegter Details, und auch die Charaktere sind in ihren Aktionen und Bewegungen stets flüssig animiert. Im Gegenzug muss man sich allerdings damit abfinden, meist in schummrigen Kerkern herumzugeistern. Freiluft-Gebiete und -Erkundungstouren, wie man sie auch aus "Guild Wars" kennt, gibt's nicht.

Dungeons & Dragons: Online - Stormreach

Hersteller/Vertrieb

Turbine/Atari

Genre

Online

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Apropos: Wie beim Konkurrenten aus Korea ist alles "inszanziert". Klingt komisch, bedeutet aber, dass von jedem Dungeon eine eigene Kopie für die Gruppe des Spielers angefertigt wird. Auf spontane Hilfe zufällig des Weges kommender Veteranen darf also nicht gehofft werden. Allenfalls verstreute Schreine versprechen Rettung bei Gesundheits- und Mana-Knappheit, deren Bestände sich nämlich nicht selbst regenerieren.

Sebastian Vree/Teleschau / TELESCHAU
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