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"Guitar Hero III: Legends Of Rock": Slash, Satan und ich

Schrammeln, bis die Finger krampfen: "Guitar Hero III" lockt mit weit mehr als nur 70 weitestgehend neuen Songs. Hier geben sich echte "Legends of Rock" wie Slash oder Tom Morello die Ehre.

"Guitar Hero" ist ein grandioses Beispiel dafür, wie aus einer irren Idee ein Millionenseller wurde. Vermutlich liegt es an der Diskrepanz zwischen Schein und Sein sowie der Kombination aus Wunsch und Wirklichkeit, weshalb sich dieser Rockstarsimulator so großer Beliebheit erfreut. Nun also erscheint der offizielle dritte Teil, und am ebenso bewährten wie unverwüstlichen Spielprinzip hat sich freilich nichts geändert.

Für alle bislang Unrockbaren da draußen heißt das: Während eines Songs wird auf einem Laufband angezeigt, welche Töne - in höheren Schwierigkeitsstufen auch Akkorde - auf der mitgelieferten Plastikklampfe angeschlagen werden sollen. Wird der Einsatz verpasst oder der falsche Ton gespielt, schallt aus den Boxen nur schiefes Schrammeln anstelle der Gitarrenspur - und das Publikum wird missmutig. Die Folge: Das "Rock"-Barometer sinkt ins Bodenlose, "Buh"-Rufe ertönen, im schlimmsten Fall wird der Auftritt abgebrochen. Doch für den Ernstfall gibt es die "Star Power", die man sich durch einwandfreies Spiel verdient und aktivieren lässt, indem man den Hals der Klampfe in Gitarrero-Manier nach oben reißt. Ein Tremolo-Hebel sorgt zudem für das ultimative Verzerr-Feeling.

Rund 70 Tracks umfasst die Liste von "Guitar Hero III", die diesmal überwiegend im Original vorliegen und deren Spektrum so breit ist wie Amy Winehouse während ihrer Konzerte. Glam-Rock-Fans kommen bei Aerosmith ("Same Old Song and Dance"), Iron Maiden ("Number of the Beast"), Guns N'Roses ("Welcome to the Jungle") und Alice Cooper ("Schools Out") auf ihre Kosten. Ältere Semester freuen sich über Santana ("Black Magic Woman"), den Stones-Klassiker "Paint it Black", The Who ("The Seeker") und Pearl Jam ("Evenflow"). Und der Rest? Manchmal B-Seite, größtenteils aber fucking brilliant! Metallicas "One" darf beispielsweise nachgeschrammelt werden, ebenso wie Songs von Slipknot ("Before I Forget"), Muse ("Knights of Cydonia") und den Beastie Boys ("Sabotage"). Die The-Fraktion ist durch die Killers, Strokes und Dead Kennedys ziemlich gut vertreten, und mit "Hier kommt Alex" von den Toten Hosen feiert erstmals sogar deutsches Liedgut seine "Guitar Hero"-Premiere.

Doch Teil drei lockt mit weit mehr als nur neuen Songs. Hier geben sich titelgetreu echte "Legends of Rock" wie Slash oder Tom Morello von Rage Against The Maschine die Ehre, deren virtuelle Abbilder in wüsten Gitarren-Duellen in Grund und Boden gespielt werden müssen - ehe am Ende einer langen Bühnen-Karriere, die auch zu zweit bestritten werden kann, der Satan höchstpersönlich zum Metal-Battle bittet. Der Werdegang vom Backyard-Baby zum Rock-Titanen wurde dabei in verdammt witzige Comic-Sequenzen verpackt, die glatt von den "Gorillaz"-Machern stammen könnten.

Wem nach dem Durchlaufen aller Schwierigkeitsgrade noch nicht die Finger krampfen, der kann online sein Glück versuchen. Jede Version bietet umfangreiche Möglichkeiten, sich neuen Stoff zu besorgen oder mit Saitenvirtuosen aus aller Welt zu messen. Sogar an eine Rangliste wurde gedacht, auf der man sich verewigen kann. Aber auch zu Hause dürfen aberwitzige Gitarrenschlachten ausgetragen werden, in denen sich geneigte Zocker mit abgefahrenen Extras (Saitenfetzer, erhöhter Schwierigkeitsgrad, überstrapazierter Amp, Notendreher) das Musikerleben schwer machen.

Guitar Hero III: Legends Of Rock

Hersteller/Vertrieb

Red Octane/Activision

Genre

Sonstiges / Besonderes

Plattform

PlayStation2, PC, PlayStation3, Wii, Mac OS X, Xbox 360

Preis

ca. 70 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Einziges Manko von "Guitar Hero III": der Preis. Je nach System sind rund 70 bis 100 Euro für das Set mit einem Wireless-Gitarren-Controller fällig. Wer mit einen Kumpel abrocken möchte, sollte weitere 50 bis 60 Euro für eine zweite Les Paul einplanen.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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