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"Heavenly Sword": Geschenk des Himmels?

Bei "Heavenly Sword" lässt eine dem Untergang geweihte Heldin Heerscharen von finsteren Handlangern über ihre göttliche Klinge springen. Trotz Dauermeuchelei kommt keine Langeweile auf - dank der fulminanten Inszenierung.

Wenn sich die rothaarige Heldin Nariko ihren Weg durch Heerscharen von Handlangern des bösen Königs Bohan bahnt, klappt PS3-Besitzern zwangsläufig irgendwann die Kinnlade herunter. Die leicht bekleidete Amazone wirbelt in schönster "God of War"-Manier durch das Geschehen, schlitzt hier, kickt da, wirft dort einen Gegner zu Boden. Besonders spektakulär: Konter und sogenannte Superattacken, in denen Bohans Schergen auf perfide Weise auseinander genommen werden. Grafisch ist der Rachefeldzug grandios, aber auch erstaunlich unblutig inszeniert. Sony verzichtete nahezu auf jegliche Splattereffekte, weshalb der Titel eine USK-Empfehlung "Ab 16 Jahren" bekam.

Das große Staunen stellt sich allerdings erst dann ein, wenn die Schwerter schweigen und sich die ganze Verzweiflung im Gesicht der zierlichen Nariko widerspiegelt. Sie ging einen fatalen Bund ein, um ihr Volk zu retten. Und während die Dame in zahlreichen Zwischensequenzen mit ihrem Schicksal hadert, beweist sie mitunter sogar eine größere emotionale Bandbreite und Authentizität als Steven Seagal ... Für eine Computerfigur ist das verdammt gut.

Möglich machten das beeindruckende Mimenspiel neue Techniken und altgediente Hollywood-Recken. Andy Serkis, der bereits der Computerfigur Figur Gollum in der "Herr der Ringe"-Triologie, später auch noch "King Kong" Leben einhauchte, gibt den fiesen König Bohan. Seine Kollegin Anna Torv ließ sich indes für die Rolle der Nariko unzählige Markierungspunkte ins Gesicht kleben, um für ein fast filmreifes Ergebnis zu sorgen. Komponist Nitin Sawhney ("The Namesake") lieferte die nötigen Bombastklängen und leisen Tönen für das kinoreife Vergnügen.

Das beginnt wie schon das große Vorbild "God of War" mit dem Tod der Heldin. Wie es dazu kommt und was darüber hinaus mit Nariko, der ihr anvertrauten göttlichen Klinge und ihrem Clan geschieht, erfährt der Spieler in den nächsten sechs Stunden, die trotz der anfangs monotonen Kloppereien ziemlich abwechslungsreich ausgefallen sind. Dazu tragen nicht nur das immer anspruchsvoller werdende Kampfsystem mit seinen drei Angriffsgrundarten (Tempo, Normal, Schwer), sondern auch kleinere Abschnitte bei, in denen der Spieler in die blasse Haut der leicht psychopathisch veranlagten Scharfschützin Kai schlüpft oder mit größeren Kalibern auf Belagerungstürme ballert. Kurios: Die Geschosse dürfen mittels der Sixaxis-Sensoren im PS3-Pad gelenkt werden, was zwar etwas gewöhnungsbedürftig, letztlich aber nötig ist, um kleinere Schalterrätsel zu lösen und große Schlachten zu schlagen ...

Je nachdem, mit wie viel Stil die Kapitel bewältigt wurden, erhält der Spieler Bonus-Münzen, mit denen er zahlreiche Extras freischalten kann. Keine unnütze Dreingabe, wie sich herausstellt: Mit etwas Geduld und gut geführten Klingen kommt der Spieler in den Genuss einer Handvoll Anime-Folgen und eines mehrteiligen Making Ofs, das die fünfjährige Entwicklungszeit des Titels von der ersten Designskizze an beleuchtet.

Heavenly Sword

Hersteller/Vertrieb

Ninja Theory/Sony Computer Entertainment

Genre

Action

Plattform

PS3

Preis

ca. 70 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Fazit: "Heavenly Sword" ist kein gewiss kein tiefgründiges Spiel, aber ein unterhaltsames. Ein interaktives Popcorn-Movie, das nur wenige Schönheitsfehler besitzt - darunter eine nicht immer stabile Bildwiederholungsrate. Doch über die gelegentlichen Ruckler lässt sich getrost hinwegsehen, wenn man Nariko in die Augen blickt ...

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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