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"Mario Kart Wii": Nostalgie und Neugier

Mehr Strecken, mehr Fahrzeuge, mehr Modi, mehr gemeine Gimmicks - wenig Neues. Nintendos Kult-Reihe "Mario Kart" müsste mal dringend durch den Innovations-TÜV. Spaß macht's trotzdem, weil Schadenfreude nun mal zeitlos ist ...

Mario fährt also Kart. Mal wieder. Und Motorrad. Das ist neu, im Grunde aber auch so überflüssig wie das mitgelieferte Wii-Wheel. In dieses kleine, weiße Plastiklenkrad wird die bewegungssensitive Wiimote geklemmt, damit auch absolute Beginner sofort kapieren, wie sich die Karts über die Strecke lotsen lassen. Kurios jedoch: Diese zweifelsohne intuitive Steuerungsvariante ist im Rennalltag zugleich auch die deutlich schwierigste. Jeder, der zu einem Classic-, GameCube-Controller oder zur Kombination Wiimote und Nunchuck greift, erzielt in kürzester Zeit bessere Ergebnisse als durch das wilde Lenkradgekurbel ...

Allerdings bietet "Mario Kart Wii" mehr Platz denn je, um sich damit anzufreunden. 16 dezent überarbeitete Retro- und ebenso viele neue Kurse, die durch das auf zwölf Fahrer angeschwollene Teilnehmerfeld in die Breite gewachsen sind, finden sich in der Auswahlliste wieder, müssen aber erst einmal durch die Teilnahme in acht Cups freigeschaltet werden. Nostalgie und Neugier sind dabei die Triebfedern für Solo-Zocker, sämtliche Wettbewerbe auch in den höheren Schwierigkeitsgraden anzugehen und somit auch die restlichen versteckten Charaktere, Fahrzeuge und Gimmicks zu aktivieren.

Ein notwendiges Übel. Denn "Mario Kart" war, ist und bleibt ein reinrassiges Multiplayer-Game, das einer einfachen Regel folgt: Je mehr Spieler am Start sind, desto lustiger wird das Ganze. Bis zu vier Raser dürfen an einer Konsole gegeneinander antreten, um sich bei Split-Screen-Rennen Schildkrötenpanzer ins Getriebe zu jagen, Schleuder-Bananen in den Weg zu legen oder sich eine fies grinsende Unwetterwolke anzuheften.

Richtig stürmisch wird's allerdings erst online, wenn zwölf Wii-User verbittert um den Sieg fahren oder sich ein halbes Dutzend Multiplayer-Fans in den zehn Battle-Arenen das virtuelle Leben schwer macht. Die Anbindung ans Netz hält aber auch noch andere Möglichkeiten parat: Wer will, darf einfach nur zuschauen, wie andere fahren. Oder versuchen, die weltweiten besten Zeiten zu knacken. Allerdings sollte man dann zahlreiche Übungsstunden auf dem Buckel haben, das Turbo-Driften im Schlaf beherrschen, sämtliche Abkürzungen in und auswendig kennen und speziell mit den Bikes Stunts und Wheelies vollführen können.

Mario Kart Wii

Hersteller/Vertrieb

Nintendo/Nintendo

Genre

Rennspiel

Plattform

Wii

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

o.A.

So viel Mühe Nintendo in den Online-Part auch gesteckt hat - grafisch hat sich gegenüber dem GameCube-Vorgänger "Double Dash!!" nur wenig getan. Die triste Folge: Am Streckenrand sind nur wenige Details auszumachen, und auch die Texturen könnten um einiges knackiger sein. Dafür wurden die neuen Strecken bis auf wenige Ausnahmen exzellent designt. Und am ehernen Grundprinzip der Schadenfreude ist eh nicht zu rütteln, weshalb auch "Mario Kart Wii" einfach in jede Wii-Sammlung gehört.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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