"Okami" Pinsel statt Wumme


Abschiedsgeschenk an die Playstation-2-Gemeinde: "Okami" ist ein originelles Action-Adventure, wie es nur wenige gibt.

Wenn Gamedesigner behaupten, ihr Produkt sei unvergleichlich, ist das in der Regel Promo-Gewäsch. Anders bei "Okami", dem tatsächlich kein Spiel ähnelt. Schon die märchenhafte Story hat mit dem Einheitsbrei nichts gemein: Im alten Japan treibt das achtköpfige Ungeheuer Orochi sein Unwesen - es hat das Land verdunkelt. Retter in der Not ist zur Abwechslung kein tapferer Ritter, sondern ein weißer Wolf. Der Vierbeiner verkörpert die Sonnengöttin Amaterasu und ist im Besitz eines magischen Werkzeugs, eines heiligen Pinsels. Damit können wie von Zauberhand Felsen aus dem Weg geräumt, Brücken gebaut oder Widersacher ausgeschaltet werden.

Ein Glück, dass auch künstlerisch unbegabte Spieler schnell mit dem Malutensil umzugehen lernen. "Okami" kommt trotz ungewohntem Konzept ohne lange Eingewöhnungsphase aus, zumal die Handlung von Beginn an in ihren Bann zieht. Kaum in die virtuelle Welt entführt, wird der Wölfin die erste Aufgabe auferlegt: Es gilt, ein Dorf aus dem Zauber des Bösewichts Orochi zu befreien. In die Story eingebettet, werden dem User in einem Tutorial die Grundfertigkeiten vermittelt.

Ein Pinselstrich belebt die Welt

Vor allem die Benutzung des künstlerischen Alleskönners ist von Bedeutung: Durch Betätigen der L1-Taste wird das Bild eingefroren und zugleich zur Leinwand. Mit dem Viereck-Button und dem Analog-Stick kann nun in die Landschaft gemalt werden. Insgesamt eignet sich Amaterasu im Laufe des Spiels 13 verschiedene Techniken an. Zu den wichtigsten gehört der Fruchtbarkeits-Zauber: Absterbende Bäume, die sich überall im "Okami"-Universum finden, können durch einen Pinselstrich reanimiert werden. Von der Dürre zur Blüte gebracht, spenden die Pflanzen Glückspunkte, die später gegen zusätzlichen Tintenvorrat oder größere Lebensenergie eingetauscht werden können.

Dafür, dass Amaterasu nicht zum Gärtnerlehrling wird, sorgt unter anderem Issun. Der Winzling reist auf dem Kopf der Wölfin mit und dient dem Spieler als Wegweiser, der für die Sonnengöttin das Sprechen übernimmt.

Optisch einzigartig

Dank der stimmungsvollen Cel-Shading-Grafik, die wie eine alte japanische Zeichnung wirkt, wird sogar ein Streifzug durch die Landschaft zum Erlebnis. Auch die Adventure-typischen Neben-Quests in den Dörfern nerven nie. Die Orte sowie ihre Bewohner haben unterhaltsame Eigenheiten, entsprechend abwechslungsreich gestalten sich die Aufgaben. Motivierend ist, dass die Missionen stets fair sind. Profis dürften sich jedoch gelegentlich unterfordert fühlen, denn richtig schwer wird "Okami" nie. Selbst die Bosse in den zahlreichen, liebevoll gestalteten Dungeons mögen Anfänger mit einigen Versuchen niederstrecken.

Und das, obwohl die Endgegner oft riesig sind. Einmal trifft Amaterasu auf eine gigantische Spinne. Wie in den meisten Kämpfen hilft hier der richtige Zauberspruch, der zu finden bisweilen recht knifflig sein kann. In diesem Fall muss das Hinterteil des Krabbeltiers mittels Pinseltechnik fixiert werden, erst dann ist das Mistvieh verwundbar.

Okami

Hersteller/Vertrieb

Clover Studios/Capcom

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation2

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Wenngleich das Adventure einsteigerfreundlich ist, dürften auch Genre-Kenner gute 35 Stunden für das Game brauchen. Trotz enorme, Umfang wird "Okami" nie langweilig - nur wenige Adventures können sich das auf die Brust schreiben. Schade nur, dass auf eine Sprachausgabe verzichtet wurde und sich die Charaktere stattdessen in einer teils nervigen Fantasiesprache unterhalten. Nebenher muss der User die mitunter langen Dialoge mitlesen. Die fehlende Synchronisation ist zwar die Achillesferse des Spiels, fällt jedoch kaum ins Gewicht. Ein Jammer, dass es wohl nie eine Fortsetzung geben wird.

Gregor Jossé/Teleschau TELESCHAU

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