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Wii-Spiel "Micky Epic" Hier malt die Maus


Er ist bereits eine Ikone, ein Comic-Held und ein Filmstar. Nun wird Micky Maus außerdem zum Spielehelden. Auf der Wii schwingt er Pinsel und Farbe gegen das Böse. Das Action-Abenteuer "Micky Epic" zeigt die Kultmaus in Höchstform und die dunkle Seite des Disney-Universums.
Von Nina Ernst

Micky Maus hat schon viele Karrieren in seinem Leben gehabt", sagt Gamesdesigner Warren Spector. "Ich möchte ihm in der Welt der Videospiele denselben Einfluss verschaffen, den er in allen anderen Bereichen bereits besitzt." Mit seinem ersten Wii-Abenteuer "Micky Epic" soll die schlaue Maus in einer Riege mit den ganz großen Gamestars wie Igel Sonic und Klempner Mario mitspielen.

Ein hochgestecktes Ziel. Selbst für Warren Spector, der als Erfinder der Spielereihen "Thief" und "Deus Ex" zu den einflussreichsten und kreativsten Köpfen der Branche zählt. Aber für den langjährigen Disney-Fan geht es um die Ehre. Darum, seinem Kindheitsidol Micky Maus gerecht zu werden. "Es ist schon etwas gruselig", sagt er im Gespräch mit stern.de. "Jeder, den ich je in meinem Leben getroffen habe und treffen werde, kennt Micky und hat eine Meinung dazu. Ein Spiel über eine solche Berühmtheit zu machen, ist eine echte Herausforderung."

Micky hat seine Welt kaputtgespielt

Bekannt geworden ist Spector durch düstere Spielszenarien, ernsthafte Unterhaltung für Erwachsene. So fällt auch Mickys neues Abenteuer trotz allem Witz und Charme erstaunlich erwachsen aus. Schauplatz ist die Welt Wasteland, die Heimat der vergessenen Comic-Helden und ausgedienten Vergnügungspark-Attraktionen. Ob Dumbo-Karussell, Dornröschen-Schloss oder der Uhrenturm aus dem Fahrgeschäft "Small World" - hier wirkt alles vertraut und bizarr zugleich. Die Gebäude sind kaputt oder grotesk verfremdet und voller böser Kreaturen. Schuld an dem Zerfall ist Micky Maus, der seine Neugier nicht zügeln konnte und mit Zauberfarbe herumgespielt hat. Da gibt es für eine Cartoon-Figur nur eins: den Pinsel in die Hand nehmen und retten, was zu retten ist.

Also rennt Micky durch Tunnel und Dörfer, über Dächer und Schiffsplanken, während der Spieler den Wii-Controller schwingt. Die Maus hüpft über Abgründe und verändert die Comicwelt mit ihrem Pinsel, um voranzukommen. Micky malt Brücken über Schluchten und radiert per Farbverdünner Hindernisse aus. Auch wenn Feinde nahen, hilft der Pinsel. Der Spieler wählt, ob er Angreifer in bestem Comicstil verkloppt, die Gegner lieber ausradiert oder aber sie mit blauer Farbe zu Freunden ummalt. Während des Spielverlaufs muss Micky zum Teil schwer wiegende Entscheidungen treffen. Ob er Leuten hilft, ob er gar seinen Freund opfert, um einen Schatz zu heben - jede Handlung hat Auswirkungen auf den Spielverlauf.

Die Reise durch das Wasteland ist eine Reise durch Disneys Geschichte. "Wir haben 80 Jahre Firmengeschichte in ein Spiel gepackt", sagt Spector stolz. Hier gibt es viel Bekanntes, aber auch längst Vergessenes zu sehen. Schwarzweiß-Levels, die auf den ersten Micky-Cartoons (darunter "Steamboat Willie" von 1928) beruhen, Figuren wie Rudi Ross und Klarabella Kuh und vor allem den ersten Bewohner der vergessenen Welt: Mickys Halbbruder Hase Oswald.

Rache des vergessenen Halbbruders

Dem geht es mächtig gegen den Strich, dass Micky so erfolgreich ist, während er vergessen wurde. Nachdem Disney die Lizenz an Mickys Vorgänger verloren hatte, taucht der vorwitzige Hase nun zum ersten Mal seit 1928 wieder in einer Disney-Geschichte auf. Das Comeback war für Spector eine große Herausforderung. Oswalds Charakter war nur vage umrissen, seine Stimme gar nicht bekannt. Schließlich war er ein Stummfilmstar. "Wir mussten vieles zum ersten Mal festlegen, die Figur nahezu von Grund auf erschaffen", sagt der Designer.

Im Gegensatz zu Micky, der so viele Rollen und Auftritte hatte. "Wenn man mit einer der meistbeachteten Ikonen der Welt zu tun hat, sagt man nicht: 'Ich mache eine völlig eigene Version, so wie ich will.' Dann wäre man ein Idiot", sagt Spector. Also hat er versucht, die Gemeinsamkeiten aller Micky-Interpretationen zu finden, die Essenz der berühmten Maus. 1000 Konzeptzeichnungen sind entstanden, bis Micky so aussah wie in dem neuen Spiel. Beim Festlegen des Charakters hatten die Spieldesigner Hilfe. Jede Abteilung des Disney-Konzerns bis hin zur Firmenleitung hat Ideen zum Spielehelden beigesteuert. So ist Micky nun schlau, loyal, freundlich und ein Draufgänger, der sich manchmal selbst in Schwierigkeiten bringt. Ein Sympathieträger, der es gut meint, aber auch Fehler macht.

Mindestens ebenso aufwendig wie das Figurendesign war das Entwerfen der Cartoon-Welt. "Das Schwierige war nicht die Entscheidung, was wir aufgreifen, sondern was von all den Sachen wir weglassen", sagt Spector. Auch wenn die Kulissen für das düstere Wasteland verfremdet wurden, stammt jedes Detail in der Spielwelt von Vorlagen Disneys. Jede Tonne, jeder Zaunpfahl und selbst die Mülleimer ähneln bewusst den Originalen aus Filmen und Themenparks. Die Recherche hat Monate gedauert. Monate voller Comics und Bücher, voller Trickfilme, voller Besuche in den Parks. Inklusive Fotografierens von Details und Achterbahnfahrten nach der abendlichen Schließung der Themenparks.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Das Wasteland ist eine glaubwürdige und phantasievolle Welt, an deren Erkundung auch Erwachsene Spaß haben. Vor allem wegen der bekannten Figuren und Schauplätze, die es dort zu entdecken gibt. Die charmante Idee, mit Pinsel und Farbe zu agieren, wurde gut umgesetzt. Endlich wieder ein gelungenes episches Wii-Abenteuer.

Micky Epic

Hersteller/Vertrieb

Disney Interactive

Genre

Action-Adventure

Plattform

Wii

Preis

45 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren


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