"Shadowrun" Von Grenzgängern und Metamenschlokomotiven


"Shadowrun" ist das erste Spiel, bei dem sich PC- und Xbox-360-Spieler nach stundenlangen Multiplayer-Gefechten "Gute Nacht" sagen.

In puncto Grafik und Gameplay bietet der Titel aus den FASA Studios ("Mech Assault") leicht überdurchschnittliches Kanonenfutter. Die eigentliche Innovation ist der Brückenschlag zwischen den Systemen: Bei "Shadowrun" können erstmals Xbox-360-Besitzer gegen Spieler mit einem "Windows Vista"-PC antreten, wobei Letztere aus Fairness-Gründen Waffen mit etwas größerer Streuung in die Hand gedrückt bekommen. Technisch ist das Grenzgänger-Projekt gelungen: Während des Tests gab es keinerlei Probleme oder Unterschiede festzustellen ...

Zweischneidig ist indes die Qualität der Optik: Manche Texturen sind wahre Hingucker, andere dagegen wirken, als wäre den Designern die Mittagspause wichtiger gewesen, als das Level zu vollenden, was vielleicht auch die fehlende Kletteranimation erklären könnte. Die dynamischen Lichteffekte sind äußerst gelungen, wie sich am deutlichsten bei Reflexionen auf Metall zeigt. Dafür sind manche Gebäude oder Landschaften im Hintergrund so leblos wie bemalte Pappkulissen in einem japanischen Monsterfilm. Viel Licht und noch mehr Schatten also, aber Zeit, um das Reliefmuster einer Treppenstufe unter die Lupe zu nehmen, hat man in diesem actionlastigen Mehrspieler-Shooter ohnehin nicht.

Der wartet mit dürftigen drei Standard-Spielmodi und neun Karten auf - zu wenig, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Solo-Zocker bleibt nach einem sechs Level umfassenden Tutorial nur der Kampf gegen Computer-gesteuerte Bots.

Neben einem martialischen Waffenarsenal wartet "Shadowrun" dank seiner Fantasy-Wurzeln auch mit dem Einsatz von schön inszenierten Zauberformeln auf - wie etwa dem heilenden Baum des Lebens oder der als Barriere einsetzbaren Würgeranke. Der Zwist Technik vs. Magie reicht allerdings noch weiter: Wer es weltlicher mag, kann beispielsweise Gleiter kaufen. Eine Sichtverstärkungsfunktion erlaubt es, durch feste Objekte wie Beton hindurchzusehen und versteckte Feinde aufzuspüren. Antimagie-Generatoren werden wie Haftminen geworfen und entziehen Wesen und magischen Gegenständen "Essenz". Diese wird benötigt, um Magie wie Teleportation oder Windstöße zu wirken.

All diese Fähigkeiten und Gimmicks lassen sich nicht beliebig einsetzen, sondern müssen den zur Verfügung stehenden Slots zugeordnet werden - je nach individuellen Vorlieben und finanzieller Liquidität. Zu Geld kommen Schattenläufer wie ein Söldner: durch erfolgreiche Kämpfe. Davon gibt es reichlich, ebenso wie Blutfontänen, die hart an einer Indizierung vorbei schlittern. Teamgeist lässt sich beweisen, indem man gefallene Verbündete heilt. Eine Idee sorgt für Zeitdruck und Nervenkitzel: Die Wiederbelebten führen nicht nur ein Zombiedasein, sondern sind auf ihren Retter angewiesen: Stirbt dieser, verbluten auch sie langsam - falls sie es nicht rechtzeitig unter den schützenden Schatten eines heilenden Baumes schaffen oder erneut von einem Partner geheilt werden.

Menschen und Fabelwesen stehen als Charaktere zur Verfügung. Jede Rasse hat typische Eigenschaften, die eine jeweils angepasste Taktik nahe legen: Elfen sind äußerst flink, können aber nur wenige Treffer einstecken. Trolle scheinen es den Programmierern dagegen besonders angetan zu haben: Die "niederträchtigen Metamenschlokomotiven" (Originalzitat aus dem Trainingsmodus!) anzusehen, ist eine bizarre Augenweide. Sie sind zwar langsam, dafür aber gut gepanzert.

Standardmäßig sucht "Xbox Live" beziehungsweise der PC nach Mitspielern mit ähnlichen ähnlichen Präferenzen und guter Konnektivität. Erfreulicherweise kann lässt sich aber auch gezielt mit einem - realen oder virtuellen - Freundeskreis zocken, indem man diesen zu einer Gruppe zusammenführt. In der Regel gilt es online, ein Artefakt zu retten oder aus den Fängen der Gegner zu klauen.

Shadowrun

Hersteller/Vertrieb

FASA Studio/Microsoft

Genre

Action

Plattform

PC, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Auch wenn "Shadowrun" nicht der erwartete Multiplayer-Hit geworden ist, wird dieses Game erneut die unter Zockern beliebte Diskussion anfeuern, ob PCs oder Konsolen für Shooter besser geeignet sind. Und diese verbale Schlacht wird sicher mit mindestens genau so viel Feuer ausgetragen wie die Kämpfe im Cyberspace.

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

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