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"The Book Of Unwritten Tales": Der Tod trägt rosa Pantoffeln

Was kommt heraus, wenn man Fantasy-Bücher und -Filme zusammen mit Klischees aus Computerspielen in den Mixer wirft? Ein Rätsel-Adventure, in dem der magische Ring eines Gremlins die Welt retten soll und der Tod unter Depressionen leidet. Und die Erfüllung eines Lebenstraums.

Von Nina Ernst

Der Tod hat einen Teddy und trägt rosa Häschenpantoffeln. Nicht jeder Singvogel fürchtet sich vor der Geflügelpest. Und Mumien können sprechen. Allerdings darf niemand von ihnen hochtrabende Diskussionen erwarten, da sie zur Mumifizierung ihres Hirns beraubt wurden. Das Computer-Adventure "The Book Of Unwritten Tales" steckt voller kurioser Szenen. Schwierig fanden die Entwickler es nicht, sich täglich neue Gags zu überlegen. "Wir hatten so viele Ideen, dass wir damit hätten drei Spiele machen können", sagt Spieldesigner Jan Theysen. "Das Ganze ist nun eine Art ´Best Of` unserer Ideen". Viel schwieriger war es, das Spiel endlich fertig zu stellen. Denn anfangs waren die Ambitionen erheblich größer als das Budget. So hat die Entwicklung des Adventures ganze 15 Jahre gedauert. Andere Spiele entstehen in zwei bis drei Jahren.

Schon mit zwölf Jahren wusste Jan Theysen, dass er einmal Spieledesigner werden will. 1994 stand dann für den heute 30-Jährigen und seinen Schulfreund Marc König fest, dass sie ein Adventure-Spiel machen wollen. Also haben sie das Science-Fiction-Spiel "Sundancer" erfunden. Damals ein solides Spiel, heute selbst mit gutem Willen nicht mehr zeitgemäß. Die Grafik erinnert eher an ein Handy- als ein PC-Spiel. Am 02.04.2009 ist es endlich so weit: das Game kommt in die Läden. Allerdings mit neuer Grafik, neuem Namen und neuem Thema. Bis auf das Grundkonzept, Spielstil und -Tempo erinnert nichts mehr an den ursprünglichen Entwurf. Aus "Sundancer" wurde "The Book Of Unwritten Tales", aus dem pixeligen Weltraumscenario eine detailreiche Fantasywelt. "Es ist immer noch dasselbe Drehbuch", meint Theyson. "Allerdings mit einer komplett neuen Ausstattung".

Gnom Wilbur arbeitet als Kellner in einer Zwergenkneipe. Doch die ist bis auf seinen Chef und eine diebische Ratte ausgestorben. Alle Gäste sind schon vor einer Ewigkeit in den Krieg gezogen. Keine Herausforderung für einen Gnom, dessen Berufswunsch eigentlich Held lautet. Da kommt es Wilbur wie gerufen, dass er Zeuge einer Entführung wird und endlich Action in die verschneite Bergwelt kommt. Bevor die Kidnapper zuschnappen, steckt der verschleppte Gremlin Wilbur einen Ring zu, den der zu einem Magier bringen muss. Nur so kann der Krieg endlich beendet werden.

Während seiner Reise durch die Fantasywelt löst Wilbur ständig genretypische Rätsel. Er untersucht die Umgebung nach nützlichen Gegenständen und setzt sie an passender Stelle ein. Der Gnom muss Haushaltsreiniger in einen Kochtopf schütten, um den darin wohnenden, mutierten Schleim zu vernichten. Zur Belohnung kann er den Topf als Helm benutzen. Aus einer Plane, einem Seil und einem Rucksack bastelt er einen Fallschirm und er hetzt einen Anti-Ratten-Roboter auf seinen Chef, um etwas aus der Kneipe zu stibitzen. Ganz so wie in den klassischen Adventures der ersten Stunde. Hier ist Köpfchen statt Schnelligkeit gefragt. Beim Lösen der Rätsel kann sich der Spieler so viel Zeit lassen wie er möchte. Eigentlich perfekt für Einsteiger, die wenig Spieleerfahrung mitbringen.

Doch der Humor, der das Spiel auszeichnet und von der Masse abhebt, ist nichts für jedermann. Das Abenteuer ist voll von Insidergags für Fantasy- und Spielekenner. An den 60 Schauplätzen trifft Wilbur seine Mitstreiter Elfe Ivo und Abenteurer Nathaniel. Und jede Menge skurriler Figuren. Wie den Tod, der kein furchteinflößendes Monster, sondern ein frustrierter Eigenbrödler ist. Während er auf einer Tonne sitzt, baumeln seine Knochenfüße schlaff herunter. Sie stecken in rosa Häschenpantoffeln. Ein bizarres Bild von vielen. Die Entwickler haben den Sensemann zur Arbeitslosigkeit verdammt. Denn in einem Adventure können die Helden nicht sterben. Das wissen erfahrene Spieler, aber normalerweise nicht die Spielfiguren. Hier weiß der Tod bescheid und beklagt sein jämmerliches Schicksal.

Auch die anderen Anspielungen auf Videospiele, "Der Herr der Ringe" und den Horrorfilm "Gremlins" bringen Spieler andauernd zum Schmunzeln. Zumindest die, die mit der Materie vertraut sind. Es ist ein Spiel für Leute, die mit Games groß geworden sind. Wie die Macher des Spiels. "Natürlich hätten wir den Inhalt auch anders gestalten und auf Einsteiger ausrichten können, aber so wie es ist, ist das nun mal genau unser Ding", sagt Jan Theysen.

Er ist der kreative Kopf hinter dem Projekt und liebt Computerspiele. Sein ganzer Lebenslauf orientiert sich an dem Hobby. "Bevor ich schreiben konnte, konnte ich tippen", sagt der Bremer. Und zwar den Befehl, ein simples Spiel auf dem Computer seines Vaters zu starten. Mit zehn Jahren hat er zusammen mit seinem Bruder angefangen, die ersten Spiele zu programmieren. Kurz darauf lernte er in der Schule Marc König kennen. König ist heute sein Geschäftspartner bei der Firma King Art. Während Theysen sich um die kreativen Parts der Entwicklung kümmert, ist König für den kaufmännischen Bereich zuständig.

Lesen Sie auf der folgenden Seite über den Einfluss von "World of Warcraft", warum es eine kaufmännische Abteilung gibt und was Theysen wurmt.

Dass es überhaupt eine kaufmännische Ebene gibt und man für das Entwickeln von Spielen Budgets braucht, ahnten die beiden Jungs Anfang der 90er Jahre noch nicht. Sie haben begeistert Adventures gespielt. Am liebsten die humorvollen Spiele der Firma Lucas Arts wie "Monkey Island" und "Indiana Jones". Für die beiden war klar: das wollen wir auch machen. Sie haben Bücher über Programmierung gelesen, deren Autoren mit Fragen überhäuft und schließlich 1994 das Weltraumabenteuer "Sundancer" entworfen. Die Spieldynamik, der Humor und die Art der Rätsel erinnern stark an die Lieblingsspiele der beiden Jungs und stecken auch heute noch in "The Book Of Unwritten Tales".

"Als Kids waren wir euphorisch. Später hat uns dann die Realität eingeholt.", sagt Theysen. Die Realität bedeutete 15 Jahre Wartezeit. 15 Jahre, in denen das Projekt immer wieder ruhen musste, um mit anderen Arbeiten das finanzielle Polster für die Entwicklung zu schaffen. In so einer langen Zeit ändern sich Zeitgeist und Technik. So mussten die beiden das Spiel immer wieder umstrukturieren. "Damals wurden die Hintergründe noch alle von Hand gemalt. Heute gibt es dafür Programme. Ein Hintergrund im fertigen Spiel ist nun 200 bis 300 mal so groß wie in der damaligen Version", sagt Theysen.

Nach den anfänglichen Entwürfen kam für die beiden Schüler der erste Realitätsschub in Form des Abiturs. Danach war zunächst Geld verdienen angesagt. König und Theysen haben bei derselben Multimediaagentur angefangen. Im Jahr 2000 wollten sie endlich ihr Spiel vollenden. Also haben sie ihre beiden Computer genommen, irgendwie 800 Mark Startkapital aufgetrieben und die Firma King Art gegründet. Der Name ist eine Hommage an ihren Lieblingsspielehersteller Lucas Arts.

Auch mit der neu gegründeten Firma mussten sie erst einmal Geld verdienen. Mit dem Erstellen von Webseiten und kleinen Spieleprojekten. Die Auftragslage wurde immer besser, die Budgets umfangreicher und die kleine Firma King Art immer größer. Dann kam 2004 Das Onlinerollenspiel "World of Warcraft". "WoW hat die Branche verändert", sagt Theysen. "Natürlich haben wir das auch gespielt. Wir haben uns überlegt, dass es witzig wäre, wenn wir das Thema auf die Schippe nehmen würden".

Mit der Parodie zum Erfolg

Das alte Sundancer-Konzept wurde wieder hervorgekramt und zu einer "World of Warcraft"-Parodie umfunktioniert. Die Zeiten des Science-Fiction-Trends waren sowieso lange vorbei. Je mehr das Team an dem neuen Spiel gefeilt hat, desto allgemeiner wurde das Thema. Bis schließlich das gesamte Fantasy-Genre aufs Korn genommen wurde. Täglich sprudelten neue Ideen und Gags zu den Scheibenweltromanen, Tolkiens Werken und Computerspielen aus den Entwicklern heraus. Sie zeichneten detailreiche 2-D-Welten, setzten 3-D-Figuren wie Wilbur und seine Freunde hinein.

Im Jahr 2006 stand das fertige Konzept für "The Book of Unwritten Tales". Das Spiel war nicht mehr Neben-, sondern Hauptprojekt der Firma. Die Motivation der Angestellten war groß, sich endlich intensiv um das virtuelle Baby der Chefs zu kümmern. "So viel Herzblut und Einsatz habe ich noch nie erlebt", sagt Theyson. Die meisten Mitarbeiter des Teams sind mit Adventurespielen aufgewachsen. Also war der erste eigene Genrevertreter auch für sie eine Herzensangelegenheit. "Wir mussten einige Leute regelrecht dazu auffordern, endlich Feierabend oder weniger Überstunden zu machen", sagt der Entwickler. Er trägt seitdem ständig ein Notizbuch mit sich herum, in das er seine Spielideen aufschreibt: "Oft konnte ich es am Wochenende kaum erwarten, endlich montags ins Büro zu kommen, um den Kollegen meine Ideen zu präsentieren". Freizeit hat er nicht. Aber das ist ihm egal. Schließlich ist nun sein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Eins wurmt Theysen dennoch: "Wir haben in den Jahren so viel gelernt, dass wir alles so viel besser machen könnten, wenn wir noch einmal anfangen würden". Aber nun ist es Zeit, endlich loszulassen.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.