"The Elder Scrolls IV - Oblivion" Lost in Translation


Mannigfaltig sind die Möglichkeiten, seine Zeit in der schönen neuen Computer-Welt "Oblivion" zu verplempern. Ärgerlich die teils haarsträubenden Übersetzungsfehler. Dennoch: ein Spiel für die einsame Insel und die halbe Ewigkeit.

"Oblivion" ist ein Rollenspiel für PC und Xbox 360 - eines, das den Begriff Epos zweifelsohne verdient. Wer will, kann mehrere hundert Stunden in der schönen, neuen Welt Cyrodiils verbringen, das von hässlichen Höllenkreaturen belagert wird. Die Viecher strömen aus zig rot glühenden Dimensionstoren, die allerorts auftauchen - ein in Fantasy-Landen häufig auftretendes Problem. Der Spieler, ein Gefangener, soll die Invasion freilich verhindern. Zuvor allerdings will noch der letzte, verschollene Sohn des Imperators ausfindig gemacht werden, der schon kurze Zeit später dahingemeuchelt auf dem Fußboden liegt.

Eile ist bei der Rettung der Welt zum Glück nicht geboten, sonst würde das Vorhaben schon an der Unentschlossenheit mancher Spieler bei der Erschaffung ihres Alter Egos scheitern. Hier darf dem virtuellen Narziss gnadenlos gefrönt und so ziemlich alles festgelegt werden: von der Rasse, Klasse und dem Tierkreiszeichen über zig Talente bis hin zur Höhe der Wangenknochen. Vollkommene Freiheit gewährt auch die gewaltige Spielwelt. Eine verwirrende Erfahrung: Ohne das Diktat der Programmierer wirkt man zunächst ziemlich verloren im Riesenreich.

Natürlich kann der Spieler ohne Umstände dem nicht sonderlich spannenden Hauptplot folgen, in die höllische Parallelwelt Oblivion reisen und dem Dämonenfürsten Mehrunes Dagon Mores lehren. Er darf sich aber auch zurücklehnen, die Aussicht genießen, Blumen pflücken, Pilze sammeln, knapp 200 Höhlen und Katakomben erforschen oder durch das 41 Quadratkilometer große Areal auf dem Rücken eines Pferdes galoppieren. Rund 1.000 Charaktere gehen in den neun großen Städten Cyrodiils ihrem Tagewerk nach, halten einen Plausch, gehen einen Humpen trinken. Manch einer hat einen lohnenden Auftrag, der meist in einem Botengang, in Dutzenden abgeschlachteter Kreaturen oder in beidem endet.

Langweilig ist das alles dennoch nicht. Zwischen den protzigen Zahlenspielen gibt es unzählige wunderbare Kleinigkeiten zu entdecken: einen Maler, der aus seiner magischen Aquarelllandschaft wieder befreit werden möchte; Vampire, die mit einem Biss dafür sorgen, dass man nur noch nachts reisen kann; eine Zigeunerin, die stundenlang bekniet werden will, ehe sie diesen Fluch wieder von einem nimmt; einen Fan, der dem Spieler, soeben zum Champion in der Arena gekürt, auf Schritt und Tritt folgt; das seltsame Verhalten äußerst scheuer Einhörner bei Vollmond ... Die Liste dieser liebevollen Details, die "Oblivion" zu einem recht einzigartigen Erlebnis machen, ist lang.

Doch in Take2s Parade-Game, das mit all seinen Shader-Effekten, Polygon-Massen und Lichtspielen zu neuen Grafik-Ufern aufbricht, gibt es auch Schattenseiten. Die Übersetzung der Bildschirmtexte etwa. "To ready your weapon or fists, drücke die Taste X. To block, den linken Schalter drücken" steht da. Ein Heilzauber heißt Feuerball. Und Gegenstände werden nicht selten mit kruden Abkürzungen beschrieben "Schw. Tr. D.Le.en.-W"? Klar. Das alles ist natürlich haarsträubend, ärgerlich und bei dem sonst betriebenen Aufwand völlig unverständlich. Letztlich leidet das Spiel jedoch nur unmerklich unter diesen Mäkeln - zumal sich die Fans bereits eifrig an die Beseitigung der Fehler gemacht haben, während sich Entwickler Bethesda mit einem Patch noch Zeit lässt.

The Elder Scrolls IV - Oblivion

Hersteller/Vertrieb

Bethesda Softworks/Take2

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Wer will, kann per Download auch tiefgreifende Eingriffe ins Spiel vornehmen und das so genannte Autobalancing deaktivieren. Das sorgt dafür, dass dem Abenteurer immer bezwingbare Monster in den actionlastigen Kämpfen gegenübertreten und er recht gefahrlos die gesamte Welt bereisen kann. Eigentlich eine prima Idee, nur: Die Herausforderung geht flöten. Und auch die Chance, durch wahren Heldenmut einen besonders coolen Gegenstand zu ergattern. Womit man wieder beim virtuellen Narziss wäre, der Triebfeder eines jeden Rollenspiels. Die Suche nach immer mächtigeren Gegenständen, das Pimpen des eigenen Helden - all das motiviert ungemein. "Oblivion" ist das Spiel für die berühmte einsame Insel.

Gerd Hilber/Teleschau TELESCHAU

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker