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"WoW: The Burning Crusade": Das Tor zu einer neuen Welt

Täglich kämpfen acht Millionen Spieler gegen Drachen, treiben Handel oder feilen an Waffen. Ein grenzenloser Spielplatz. Jetzt erweitert Entwickler Blizzard die Welt des erfolgreichsten Online-Rollenspiels "World of Warcraft".

Von Angelika Unger

Am 16. Januar und an den vier Tagen danach wird Shruufus nicht zur Arbeit gehen. Der 52-jährige Softwareentwickler aus Gelsenkirchen wird mit seinem Zwergenkrieger durch das Dunkle Portal schreiten, um das zu erforschen, was jenseits liegt. Shruufus hat eigens Urlaub eingereicht, denn auf den 16. Januar haben er und Millionen Computerspieler lange gewartet: An diesem Tag bringt der Spielehersteller Blizzard "The Burning Crusade" heraus, die Erweiterung zum Online-Rollenspiel "World of Warcraft" (WoW). Das Spiel ist eine Erfolgsstory, die in der Welt der Online-Rollenspiele bisher einmalig: Mehr als acht Millionen Menschen spielen es weltweit, darunter mehr als 1,5 Millionen in Europa.

Die Erweiterung soll dafür sorgen, dass der atemberaubende Erfolg anhält. Fast zwei Jahre nach dem Start des Spiels haben die meisten Spieler mit ihren Figuren die Höchststufe längst erreicht. Immer wieder hat Blizzard die Spielwelt erweitert, hat neue Missionen, Monster und Gegenstände eingebaut, um die Fans bei der Stange zu halten. Doch erst mit "The Burning Crusade" werden sie neue Zauber und Fertigkeiten lernen, werden ihre Helden stärker, ausdauernder, geschickter und klüger machen und von Level 60 auf Level 70 aufsteigen können. Das Addon bietet außerdem zwei weitere spielbare Völker, einen neuen Beruf und mit der Scherbenwelt zahlreiche neue Gebiete, randvoll mit Missionen, mächtigen computergenerierten Monstern und wertvollen Gegenständen.

Für den Aufbruch in die Scherbenwelt haben sich Shruufus und seine Freunde gut gerüstet. "Mein Kräuterlager ist zum Bersten gefüllt", sagt Kassandra, eine Menschenmagierin, hinter der sich im wahren Leben ein 24-jähriger Lehramtsstudent verbirgt. Wie Kassandra horten viele Spieler Rohstoffe, um ihre Handwerksberufe zu perfektionieren und schnell neue Rezepte lernen zu können.

Ausverkauft - schon vor dem Start

Die größte Sorge der Spieler derzeit: Bekomme ich rechtzeitig zum Release-Termin ein Exemplar? Als "WoW" im Februar 2005 erschien, war das Spiel vielerorts schon am ersten Tag ausverkauft. Viele Spieler haben "The Burning Crusade" daher beim Versandhausgiganten Amazon.de vorbestellt - so viele, dass weitere Vorbestellungen dort derzeit nicht mehr möglich sind. "Führen wir nicht oder nicht mehr", heißt es auf der Website.

Sprecherin Mirja Bauer versichert jedoch, dass genug Exemplare auf Lager liegen, um alle Vorbesteller zu beliefern: "Alle Kunden, die 'The Burning Crusade' bei Amazon.de vorbestellt haben, erhalten den Titel zum Verkaufsstart zugeschickt. Kunden, die bisher noch nicht vorbestellt haben, können sich bei Amazon.de registrieren und werden per E-Mail benachrichtigt, sobald das Spiel wieder bestellt werden kann." "The Burning Crusade" sei einer der erfolgreichsten Vorbestell-Titel im Games-Shop des Onlineversands.

Bis zu 170 Euro für die limitierte Sonderausgabe

Vereinzelt nehmen auch Elektronikmärkte Vorbestellungen entgegen: Wer ein paar Euro zahlt, kann sich ein Exemplar zurücklegen lassen; das Geld wird später auf den Verkaufspreis angerechnet. Und mehr als 50 Media Märkte in Deutschland werden um Mitternacht öffnen - für die "WoW"-Fans, die nicht bis zum Morgen warten wollen, um sich in neue Abenteuer zu stürzen.

Besonders begehrt: die "Collector's Edition", eine Sonderausgabe des Spiels, die unter anderem einen Soundtrack, ein Sammelkartenspiel und ein Ingame-Haustier für den Spieler enthält. Bei Amazon.de war die "Collector's Edition" innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Der Paladin Maccna gehört zu denen, die zu spät kamen - nun versucht er, über einen "WoW"-Bekannten aus der Schweiz an ein Exemplar zu kommen. Wenn das nicht klappt, gibt es immer noch Ebay - doch dort gehen die limitierten Sammlerstücke derzeit für bis zu 170 Euro über den Tisch.

Der Alltag in der Spielwelt wird auf dem Kopf gestellt

Nicht nur die Angst vor einem 16. Januar ohne eigenes "Burning Crusade"-Exemplar treibt die Community um. Manche sehen auch dem Addon selbst mit gemischten Gefühlen entgegen: Im Laufe der Zeit hat sich so etwas wie Alltag in "WoW" entwickelt, und der wird nun gehörig auf den Kopf gestellt.

Viele Spieler treffen sich mehrmals pro Woche in der virtuellen Welt und fordern gemeinsam die mächtigsten Drachen und Dämonen heraus, die - wie könnte es anders sein - die wertvollsten Schätze horten. Doch musste man diesen Kreaturen bisher mit 40 Helden gegenübertreten, können in der neuen Welt nur noch maximal 25 Spieler gemeinsam in den Kampf ziehen - eingeschworene Spielergemeinschaften werden auseinander gerissen. Auch Shruufus, Kassandra und Maccna wissen noch nicht, wie es mit ihrem Bündnis weiter geht.

"Ein Zwerg auf einem Elefanten, das hat einfach Stil"

Mit einem gewissen Wehmut denken zudem einige daran, dass sie monatelang seltenen Rüstungen oder Waffen nachgejagt sind - mit "The Burning Crusade" werden dem Spiel viele Gegenstände hinzugefügt, die gleichwertig oder besser sind. Wer glaubte, seine Ausrüstung sei das Nonplusultra, beginnt nun von Neuem zu sammeln.

Und zu sparen, denn natürlich haben auch die Händler in "The Burning Crusade" Neues im Angebot, beispielsweise fliegende Reittiere, mit denen der Spieler schnell und ohne Zusammenstöße mit feindlich gesinnten Kreaturen durch die Scherbenwelt reisen kann. Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis - die Reittiere werden fünfmal so viele virtuelle Goldstücke kosten wie die bisher verfügbaren, die sich jedoch nicht in die Lüfte erheben können.

Zwergenkrieger Angrosch will sich noch einen weiteren Wunsch erfüllen: ein Reittier der Draenai. "Ein Zwerg auf einem Elefanten, das hat einfach Stil", schwärmt er. Im Sparen hat der 28-Jährige bereits Erfahrung: Für sein legendäres Schwert "Donnerzorn" trug er, unterstützt von seinen Freunden, monatelang Gold und Rohstoffe zusammen. Die Klinge wird ihm auch in "The Burning Crusade" gute Dienste leisten, hofft er. Und sollte er irgendwann eine bessere Waffe finden, erhält "Donnerzorn" einen Ehrenplatz in Angroschs Waffensammlung.