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Apples Tablet: Das sagen die ersten iPad-Tester

In den USA haben ausgewählte Journalisten und Blogger Apples neues iPad bereits testen können. Die Reaktionen sind durchweg positiv. Es sei wesentlich mehr als ein Riesen-iPhone, nämlich eine "neue Art von Computer, die man fühlen muss".

Von Ralf Sander

Von Sonnabend an wird in den USA Apples iPad verkauft. Der Hype um den Tablet-PC ist riesig. Kunden erwarten einen fantastisch zu bedienenden Multimedia-Alleskönner, der Lesen, Websurfen und mobilem Spielen eine neue Qualität verleihen wird. Hardware-Hersteller hoffen, dass das iPad der ganzen Geräteklasse der Tablett-Computer zum Durchbruch verhilft. Und die Medienbranche wittert einen neuen Vertriebsweg für ihre Inhalte, die auf Papier immer weniger Menschen lesen wollen. Die Erwartungen sind so hoch, dass es fast unmöglich scheint, ihnen gerecht zu werden. Jetzt wird es ernst für das iPad: Ausgewählte US-Journalisten und Blogger haben Apples neues Gerät bereits getestet.

Edward C. Braig von "USA Today", der größten Tageszeitung des Landes, fasst zusammen, was auch seine Kollegen unterschreiben würden: Das iPad "ist ein Gewinner".

Was alle mögen

Weitgehende Übereinstimmung herrscht bei den Pluspunkten. Das Gerät ist Apple-typisch edel gestaltet und sehr einfach zu bedienen. Die Steuerung per Fingergesten funktioniert schnell und intuitiv. Die Qualität des Bildschirms wird gelobt, ebenso die Größe des Displays, die das Surfen im Web sowie Lesen offenbar zu einem Vergnügen machen. Walt Mossberg, einer der beiden bekanntesten Technikjournalisten der USA, schreibt sogar von einer völlig neuen Art von Computer. "Du musst es fühlen und benutzen, um es vollständig zu verstehen."

Spaß hatten die Tester an einigen speziell für das iPad entwickelten Apps. Die Zusatzprogramme zeigten jetzt schon, was vom iPad noch erwartet werden kann. Besonders hervorgehoben wurden die App für das beliebte Wortsuchspiel "Scrabble" sowie das Programm des Marvel-Verlages, das wohl sehr ansprechend Comics präsentiert. Außerdem gelobt: Die meisten der bereits bestehenden 150.000 Apps für das iPhone können das iPad um fast jede denkbare Funktion erweitern. Auf ungeteilte Begeisterung stieß die Akkulaufzeit, die sogar deutlich über den von Apple angekündigten zehn Stunden liegt. In dieser Disziplin hatte das iPhone in seinen Anfängen geschwächelt.

Ist Apples jüngstes Baby auch ein gutes Buch? Auf diese Funktion setzen Verlage in aller Welt große Hoffnung. Das iPad sei als elektronisches Lesegerät ein "formidabler Konkurrent" für Amazons Kindle, schreibt "USA Today"-Journalist Braig. Apples Produkt sei bei der Bildschirmqualität, der Geschwindigkeit beim Umblättern und der Bedienung Amazons Konkurrenten weit überlegen. Digitale Versionen von Zeitungen und Magazinen "sehen viel besser aus auf dem iPad". Das Angebot an elektronischen Büchern sei allerdings (in den USA) beim Kindle mehr als achtmal so groß.

Nicht für Büroarbeit

An seine Grenzen stößt das iPad offenbar, wenn es darum geht, Inhalte selbst herzustellen. Lange Texte zu schreiben, sei auf dem Touchscreen zwar möglich, aber auf Dauer doch mühsam. Gleiches gilt für das Erstellen von Tabellen und andere Bürotätigkeiten. Die Tester sind sich aber nicht einig, welche Folgen sich daraus ergeben. Mossberg erwartet, dass das iPad sich zum "Laptop-Killer" entwickelt, weil praktisch jede Tätigkeit mit dem iPad mehr Spaß mache als mit einem Notebook. Andy Ihnatko von der "Chicago Sun-Times" ist eher der Meinung, dass Apples Gerät eine Lücke zwischen Smartphone und kleinen PCs füllt: "Das iPad ist ein Computer, auf den viele Menschen seit Jahren gewartet haben".

Nur welche Menschen? Digitalfreaks oder Technophobiker? Für David Pogue von der "New York Times", neben Mossberg der zweite Star unter den US-Technikjournalisten, hängt es von der Perspektive ab, ob das iPad als gelungen bezeichnet werden kann. Deswegen hat er zwei Rezensionen geschrieben, eine für Technik-affine Nutzer und eine für Menschen, denen die Technik egal ist. Hauptsache, das Gerät funktioniert.

Messias mit Macken

Die technische Bewertung findet viele Macken, die meisten sind längst bekannt: USB-Anschlüsse und eine Kamera fehlen. Das iPad kann nicht mehrere Programme gleichzeitig ausführen (Multitasking). Besonders nervig: Der Speicher ist nicht erweiterbar, und der Akku lässt sich nicht auswechseln. Geht er kaputt, muss das Gerät getauscht werden. Außerdem beherrscht das iPad die im Web weit verbreitete Multimedia-Technik Flash nicht. Wer mehr wissen will: Eine umfangreiche Analyse der technischen Features des iPads hat Tim Gideon für das "PC Magazine" geschrieben.

Abgesehen vom Fehlen von Flash kann es aber sein, dass viele Normalnutzer die technischen Beschränkungen des iPad gar nicht bemerken werden. Wie schreibt Andy Ihnatko in der "Chicago Sun-Times": Das iPad biete nicht jede mögliche Funktion. "Aber es ist elegant und sofort überzeugend." Bei seiner Gestaltung hätten Geschwindigkeit, Mobilität und Interaktion im Vordergrund gestanden. Das iPad kann nicht alles. Aber das, was es kann, ist offenbar beeindruckend.

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