DTM Race Driver Seifenoper für Bleifuß-Freunde


"DTM Race Driver" - das beste PC-Rennspiel der Saison bietet nicht nur rasante Action, sondern auch eine Hintergrund-Geschichte, die es bei RTL spielend ins Vorabendprogramm geschafft hätte.

Mal ehrlich. Der ganze Rennzirkus Formel 1 wäre doch nur halb so schön, wenn es neben den um die Wette fahrenden Autos nicht auch noch eine Seifenoper gratis dazu gäbe: konkurrierende Brüder, hitzköpfige Konkurrenten, hemmungslose Boxenluder, im Hintergrund die Fäden ziehende graue Eminenzen... Warum diese Elemente nicht auch in ein Rennspiel einbauen, dachten sich die Entwickler von Codemasters, die als Schöpfer der "TOCA"-Serie und der "Colin McRae Rally"-Reihe einen hervorragenden Ruf in der Szene genießen.

38 Strecken, 13 Meisterschaften, 42 Wagen

Das Ergebnis ist „DTM Race Driver“, ein Tourenwagen-Rennspiel, in dem erstmals auch eine Geschichte erzählt wird, die der Spieler als Hauptfigur Ryan McKane nacherlebt (und leider nicht beeinflussen kann). Und diese Geschichte ist Groschenroman pur: In einem Rückblick erfahren wir, dass Klein-Ryan den Tod seines Vater - natürlich ebenfalls Rennfahrer - live miterleben musste, als dieser von einem üblen Konkurrenten gemein von der Piste geschubst wurde, nachdem er bereits die Ziellinie überquert hatte. Jahre später sind Ryan und sein älterer Bruder Donnie – na, was schon - ebenfalls Gaspedaltreter geworden. Der Spieler steigt ins Geschehen ein, als der Jüngere gerade seinen ersten Job bei einem unterklassigen Rennstall bekommt. Von dort geht es steil bergauf, vorausgesetzt, man sammelt genug Punkte. Dann locken Aufstiege in höhere Wettkampfklassen mit neuen Strecken und neuen Autos. Insgesamt 38 authentisch nachgebildete Kurse wurden digital gebaut. McKane kann es in 13 real existierenden Meisterschaftsserien von den Deutschen Tourenwagen Masters über die britische TOCA-Serie bis zu den australischen Supercars mit seinen Gegnern aufnehmen. Die 42 Wagen von Mercedes, Audi, Dodge oder sogar Mini – um nur einige zu nennen – unterscheiden sich in Aussehen wie im Fahrverhalten deutlich und wurden mit viel Liebe zum Detail modelliert.

DTM Race Driver (Director's Cut)

Hersteller

Codemasters

Genre

Rennspiel

Plattform

PC/Xbox;
PlayStation2 (nicht als Director's Cut)

Preis

PC: ca. 45 Euro
Xbox: ca. 60 Euro
PS2: ca. 60 Euro

Irgendwo zwischen "Gute Reifen, schlechte Reifen" und "Verbotene Getriebe"

Zwischen den einzelnen Rennen gibt es dick Aufgetragenes aus dem Vorabendprogramm: Bruderzwist, Intrigen, Frauengeschichten, Mord und Totschlag – das alles ist nicht besonders elegant erzählt oder tiefsinnig ausklamüstert. Muss es auch nicht. Es funktioniert trotzdem. Die Geschichte reißt mit – und das, obwohl Ryan – immerhin der Held, mit dem sich der Spieler identifizieren muss – eigentlich ein intellektuell tiefer gelegter Unsympath ist, der mit dicker Lippe gerne einen auf ebenso dicke Hose macht. Aber wenn er ganz cool bleibt, während er von einem Fahrer, den man gerade von der Piste gedrängt hat, als „Bastard“ beschimpft wird, dann denkt man: Der Ryan, der ist schon ein würdiger Vertreter für mich...

Schön und laut

Wem es bisher zu sehr menschelt in der Welt der Auspuffrohre und Zylinderkopfdichtungen, dem sei versichert: „DTM Race Driver“ ist ein reinrassiges - und zwar eines der besten der Saison . Grafik und Sound der PC-Version sind auf höchstem Niveau, lassen sich aber gleichzeitig sehr einfach auch an die Möglichkeiten schwächerer Rechner anpassen. Verschiedene Wetterszenarien und detailliert gestaltete Strecken sorgen für mitreißende Rennatmosphäre. Kleine Schwächen offenbaren sich nur, wenn der Wagen mal stehen bleibt und sich der Fahrer entsetzlich schlecht modellierter Abziehbildern von Zuschauern am Pistenrand gegenüber sieht. Ein Grund mehr, es nicht zum Stillstand kommen zu lassen.

Flott - und Schrott

Ein Highlight ist das Schadensmodell. Man kann jedes Auto auf fast jede erdenkliche Weise zerschroten. Selten flogen Spoiler schöner davon, schlabberten halb abgerissene Türen im Fahrtwind, zerstoben Windschutzscheiben in tausend Einzelteile. Das sorgt nicht nur für spektakuläre Szenen während der Rennen, sondern hat an sich schon so großen Unterhaltungswert, dass es einen Heidenspaß macht, einfach mal sinnlos ein paar Runden zu drehen und dabei sich selbst und die Gegner nach allen Regeln der Kunst zur zerlegen. Dabei können die Boliden allerdings deutlich mehr ab als im realen Leben. Überhaupt haben die Entwickler bewusst den gesunden Mittelweg zwischen hirnlosem Geheize und anspruchsvoller Rennsimulation gesucht. Ob er gefunden wurde und ob diese Entscheidung richtig war, darüber streiten sich die Computerraser trefflich. Einig sind aber wohl alle: Gerade für Einsteiger bieten sich auf diese Weise schnell Erfolgserlebnisse.

Gemeinsam rasen

Wer sich lieber mit Menschen aus Fleisch und Blut auf dem Asphalt misst, seinen Führerschein aber nicht (noch einmal?) riskieren möchte, findet im Multiplayer-Modus verschiedene Möglichkeiten, seinen Gegnern die Rücklichter zu zeigen. Im Netzwerk können 20 Fahrer gegeneinander antreten, im Internet ursprünglich acht, nach dem ersten Fehlerkorrektur-Patch von Codemasters aber nun zwölf.

Ralf Sander

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