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Kreativität: Müssen PCs massieren können?

Der Computer wird immer öfter missbraucht: Zum Kaffee warm halten, als Massagegerät und für die Säuberung der Luft. Dank der USB-Schnittstelle blühen abseitige, komische und praktische PC-Anwendungen.

Eine elektrische Zahnbürste mit USB-Anschluss, Kaffeetasse warm halten oder Finger massieren: Computer sind heute eben im wahrsten Sinne des Wortes Alleskönner, und das bringt Erfinder und PC-Bastler auf die kuriosesten Ideen.

Mit dem richtigen Zubehör und etwas Fantasie bringt man den PC dazu, Dinge tun, die man ihm früher nicht im Traum zugetraut hätte: Das reicht von der selbstgebauten Videoüberwachungsanlage bis zum digital gesteuerten Duftspender.

"Heute gibt es kaum noch etwas, wofür man den PC nicht benutzen kann - der Fantasie der Erfinder sind kaum noch Grenzen gesetzt", sagt Bernhard Neumayer, Patentprüfer beim Deutschen Patent- und Markenamt in München. Knapp 1700 neue Patentanmeldungen gingen 2003 in seiner Abteilung für Datenverarbeitung ein.

USB-Anschluss hält den Kaffee warm

Nachdem der PC längst nicht mehr nur als Schreibmaschine benutzt werde, seien darunter häufig auch kuriose Erfindungen. So liegt Neumayer beispielsweise die Anmeldung eines Gebrauchsmusters für einen Kaffeetassenwärmer mit USB-Anschluss vor: Wenn man bei der Kaffeepause gestört wird, hält der PC den Kaffee solange warm.

Gerade USB-Geräte bieten zahlreiche ausgefallene Funktionen, denn sie lassen sich schnell und einfach an einen gewöhnlichen Standard-PC mit einer USB-Schnittstelle anschließen. Neben dekorativen Accessoires wie einer USB-Quietschente mit leuchtenden Augen finden Anwender hier jede Menge Zubehör, das mindestens so komisch wie praktisch ist: einen USB-Ventilator für den Sommer oder ein USB-Heizkissen für den Winter beispielsweise. Noch kurioser wirkt das Produkt der Firma TalVaro in Rosdorf: Sie hat einen PC-gesteuerten Duftspender mit USB-Anschluss entwickelt, mit dem der Rechner die Nase des Anwenders verwöhnen kann.

USB-Massageball für 15 Euro

Ebenso ausgefallen erscheint der USB-Massageball der Firma Hama aus dem bayrischen Monheim: Das 15 Euro teure Gerät soll die Finger nach der Tipparbeit entspannen. "Das richtet sich natürlich an echte PC-Freaks", sagt Hama-Sprecherin Susanne Uhlschmidt. Ähnlich wie beim so genannten Modding, bei dem PCs mit allerlei Spezialzubehör verschönert werden, sei das extravagante Accessoire für PC-Liebhaber ein Gag. Aber daneben habe es durchaus einen praktischen Nutzen: Wer viel vor dem PC sitze, könne es sich so komfortabler am Arbeitsplatz einrichten.

Für Raucher bietet Hama daher ein maßgeschneidertes Extra - einen Fronteinbau mit Zigarettenanzünder. Außerdem lassen sich über die Buchse sämtliche Geräte mit 12-Volt-Anschluss wie eine Kühlbox benutzen. "Vor allem auf LAN-Partys kommt so etwas gut an", sagt Uhlschmidt. So könnten PC-Spieler die ganze Nacht vor dem Rechner verbringen und seien dabei rundum versorgt. Passend dazu finden Anwender im Internet einen USB-Aschenbecher, der automatisch den Rauch der Zigarette einsaugt - so stört der Raucher die anderen Spieler nicht.

Der Rechner als Staubsauger

Für saubere Luft sorgt auch der USB-Staubfilter der Firma Unicopie in Düsseldorf, der vom TÜV Rheinland geprüft ist. Der Staubsauger soll krankheitserregenden Bakterien, Schimmelpilzen und Allergenen aus dem PC vorbeugen und kostet 17 Euro.

"Das meiste ist reine Spielerei - wozu soll ich ein Gerät über USB benutzen, wenn ich es auch in die Steckdose stecken kann?", fragt der PC-Experte Michael Nickles, der auf seiner Internetseite Nickles.de Tipps für PC-Bastler gibt. Dort finden Anwender unter anderem eine Anleitung, wie man einen Miniatur-PC in einen Bierkasten einbauen kann.

Für sinnvoller hält Nickles es, den PC als Videoüberwachungsanlage zu benutzen. Mit einer Webcam und der zugehörigen Software könne der Rechner jede ungewöhnliche Bewegung zu Hause aufzeichnen und bei Bedarf den Besitzer via E-Mail alarmieren.

Klassisch: PC steuert Eisenbahn und Discokugel

Auch als Steuerung für die Modelleisenbahn oder die Disco-Lichtorgel werde der PC eingesetzt. Und mit Hilfe einiger Funksensoren könne er sogar Klimadaten sammeln und als eigene Wetterstation dienen.

In Zukunft könnte es vielleicht sogar einmal ganz alltäglich sein, sich mit Hilfe des PCs die Zähne zu putzen, meint Patent-Prüfer Neumayer. Schließlich predigen die Computerfirmen heute schon, dass in zukünftigen Haushalten der PC auch Waschmaschine, Kühlschrank und Garagentor kontrollieren wird.

Tobias Schormann/DPA / DPA
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