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Presseschau zur Entwicklerkonferenz WWDC So toll ist Apple - und so langweilig


Auf der Entwicklerkonferenz WWDC zeigte Apple nur neue Software. iPhone-Fans sind enttäuscht, Programmierer hingegen begeistert. Und auch in der Presse gehen die Meinungen weit auseinander.

Zum Start der Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple in San Francisco seine Neuheiten vorgestellt. Statt tollen neuen Gadgets wie in den letzten Jahren gab es diesmal nur zwei frische Betriebssysteme zu sehen: OS X Yosemite für den Mac und iOS 8 für Mobilgeräte, vollgepackt mit jeder Menge neuen Features, die es bei Apple-Produkten bisher noch nicht gab. Ist das nun toll oder langweilig? In der Presse gehen die Meinungen weit auseinander:

"Spiegel Online"

Kein iPhone 6, keine iWatch, ja noch nicht einmal ein Update fürs Macbook wurde vorgestellt - stattdessen nur Software. "Und das ist gut so", schreibt Matthias Kremp auf "Spiegel Online". Das Publikum auf der WWDC - "Entwickler, die sich Apps und Gadgets ausdenken" - sei trotzdem begeistert gewesen. Von der neuen Programmiersprache Swift zum Beispiel oder dem Versprechen, Software künftig tiefer in Apple-Betriebssystemen verankern zu können. Neuerungen, die Nichtprogrammierer vielleicht eher langweilig fänden, mit denen Apple aber ein wichtiges Ziel erreiche: "Software-Entwickler zu motivieren, Apps vor allem und zuerst für iOS zu programmieren."

"FAZ"

Die "FAZ" ist hingegen weniger begeistert: "Will oder kann Apple nicht mehr?", fragt Marco Dettweiler. "In San Francisco hatte man das Gefühl, dass Apple das erste Mal Zeit schinden wollte und dabei zudem vergaß, auf die Uhr zu schauen." In der "rekordverdächtig" langen Präsentation habe es statt neuer Hardware nur viele kleine Veränderungen an OS X und iOS zu sehen gegeben. "Und das war's." Zu wenig, findet Dettweiler: "Auf jeden Fall muss Apple bald wieder zeigen, was es wirklich drauf hat. Sonst wird man bei der nächsten Keynote keine zwei Stunden überstehen."

"Mashable"

Auch US-Medien sind sich uneinig, was von der WWDC-Keynote zu halten ist. Pete Pachal lobt auf der Nachrichtenseite "Mashable" Apples Ansatz, seine einzelnen iPhones, iPads und Macs noch stärker miteinander und mit Hardware von Drittanbietern zu vernetzen. Das sei natürlich keine neue Idee, Google arbeite zum Beispiel schon seit fast einem Jahrzehnt mit Datensynchronisierung über die Cloud. "Aber für eine nahtlose Erfahrung, bei der ein Geräte immer weiß, was das andere tut", müssten Software und Hardware berücksichtigt werden. Und dafür sei Apple mit seiner begrenzten Gerätepalette "besser positioniert als irgendwer sonst".

"The Verge"

Das Tech-Blog "The Verge" glaubt hingegen, dass Apple an einer anderen Front verlieren wird: im "Messaging-Krieg". Der Konzern habe seine SMS-App "Messages" mit vielen neuen Funktionen aufgepeppt - die man jedoch größtenteils schon von Konkurrenten wie Whatsapp oder Snapchat kenne. "Eine Einkaufsliste voller Features und Designkonventionen der besten Chat-Apps von heute", nennt Autor Ellis Hamburger das. Und einen dringend nötigen Schritt, denn die App habe sich seit ihrem Start 2007 kaum verändert. Ein Problem beseitige er jedoch nicht: "Messages" funktioniert nur zwischen Apple-Geräten. Deswegen sieht Hamburger schwarz: "Eine App, die nur auf einer einzigen Plattform läuft, kann nicht gewinnen."

Zusammengestellt von Timo Brücken

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