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Entwicklerkonferenz WWDC: Der Tag, an dem Apple zurückkopierte

Sprach-SMS, die Fernsteuerung fürs Zuhause und eine Gesundheits-App. Apple hat die Features seiner neuen Betriebssysteme iOS 8 und OS X Yosemite vorgestellt. Dabei ist leider nicht alles taufrisch.

Von Timo Brücken

Dass Apple nicht das iPhone 6 vorstellen würde, und auch keine Armbanduhr namens iWatch, war eigentlich schon vor der Keynote zur Entwickler-Konferenz WWDC klar. Doch am Ende hatte der Konzern seinen Fans am Montagabend kein einziges neues Gerät gezeigt - sondern nur Software. Die meisten Neuerungen verpasst Apple seinem mobilen Betriebssystem: iOS 8 wird ab Herbst erhältlich sein und eine Menge frischer Features enthalten.

Frisch aus Apple-Sicht, denn vieles von dem, was CEO Tim Cook und seine Kollegen in der Keynote zeigten, kennt man schon von anderer Stelle. Da sind zum Beispiel die verbesserten Gruppenfunktionen im SMS-Programm "Messages", mit dem man unter iOS 8 außerdem seinen Standort sowie Sprachnachrichten verschicken können wird. Nützliche Funktionen, die man aber alle schon kennt, zum Beispiel von Whatsapp. Dessen Gründer Jan Koum twitterte auch gleich, er finde es "sehr schmeichelhaft", dass Apple sich so viele Features seiner App "ausleiht". Eigentlich wirft der Konzern aus Cupertino anderen gern vor, seine Produkte zu kopieren. Diesmal war es eben umgekehrt.

Arztbesuch per Handy und vernetztes Wohnen

Wirklich neu sind hingegen die Apps "Health" und "Home Kit", über die im Vorfeld der WWDC schon viel spekuliert worden war. Erstere sammelt Fitness- und Gesundheitsdaten des Users und leitet sie auf Wunsch an Dritte weiter. Zum Beispiel an eine Sportapp, die den Trainingsgrad bewertet. Oder an einen Arzt, der seinem Patienten daraufhin aus der Ferne Ratschläge gibt. "HomeKit" soll hingegen das Zuhause des Nutzers vernetzen und es ihm ermöglichen, verschiedene Geräte aus einer zentralen App fernzusteuern. Zum Beispiel das automatische Garagentor, die Heizungsanlage oder intelligente Lampen. Dazu kooperiert Apple mit Herstellern solcher sogenannten "Smart Home"-Geräte wie Philipps.

Software-Entwickler dürften sich besonders darüber freuen, dass Apple ihnen große Teile seines Betriebssystems öffnet, zum Beispiel die Kamera oder den Fingerabdruckscanner Touch-ID. Mögliches Ergebnis: Foto-Apps mit mehr Funktionen oder Bezahlen mit dem Fingerabdruck beim Onlineshopping. Auch alternative Tastaturen wie Swype können unter iOS 8 endlich auf Apple-Geräte kommen - worauf viele Nutzer gewartet haben dürften. Optisch tut sich beim Sprung von iOS 7 zu 8 hingegen so gut wie nichts.

Telefonieren mit dem Mac

Anders beim Mac-Betriebssystem OS X. Die nächste Version wird Yosemite heißen, nach dem Nationalpark im Westen der USA, und ebenfalls im Herbst erscheinen. Das Dock am unteren Bildschirmrand geht zurück zum flachen Design früherer OS-Tage: Kein Brett mit dreidimensionalen Objekten mehr, sondern eine Leiste mit Icons. Bunt und minimalistisch, aber nicht ganz so zurückgenommen wie bei iOS 7. Die Fenster sind teilweise transparent, neben dem üblichen silbern-weißen Design wird es einen "Dark Mode" für alle geben, die es lieber schwarz mögen. Die "Spotlight"-Lupe öffnet unter Yosemite eine Suchzeile mitten auf dem Desktop, unter der eine Vorschau des Gesuchten angezeigt wird, noch während man tippt.

Die wohl wichtigste Neuerung bei OS X Yosemite nennt Apple "Continuity". Das steht für die ständige Synchronisierung zwischen dem Mac und mobilen Geräten wie iPhone und iPad. Ein Beispiel: Man fängt am Mac an, eine E-Mail zu schreiben - und macht auf dem iPhone weiter, wenn man aus dem Haus geht. Diese Funktion nennt Apple "Handoff". Eine andere heißt "Hotspot": iPhones und iPads mit mobilem Internet können nun noch leichter als mobiler Wlan-Router benutzt werden. Direkt vom Mac aus lässt sich ihre Hotspot-Funktion einschalten, ohne das Gerät in die Hand nehmen zu müssen. Das interessanteste Synchronistations-Feature: SMS aus der "Messages"-App lassen sich nun auch auf dem Mac empfangen und beantworten. Das gleiche gilt für Anrufe: Man kann sie am Computer entgegennehmen – und sogar Nummern anrufen. Zum Beispiel um einen Tisch bei einem Restaurant zu reservieren, dessen Nummer man auf einer Website gefunden hat.

Als Demonstration rief Apple-Vize Craig Federighi auf der Bühne gleich mal Dr. Dre an. Eine Anspielung auf den kürzlichen Kauf der Kopfhörer-Firma Beats. Federighi hieß den Rapper als neuen Apple-Mitarbeiter willkommen: "Wir sehen uns auf dem Campus."

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