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scheibe: Geld verdienen mit Shareware - aber wie?

In der Shareware-Szene sollten eigentlich die Champagner-Korken knallen. Inzwischen gibt es kaum noch eine Homepage im Internet oder eine CD-ROM auf einer PC-Fachzeitschrift, die keine Shareware anbietet. Millionenfach kommen die 30-Tage-Testversionen unters Volk. Doch feiern möchte niemand. Für den Champagner ist einfach kein Geld da.

In der Shareware-Szene sollten eigentlich die Champagner-Korken knallen. Inzwischen gibt es kaum noch eine Homepage im Internet oder eine CD-ROM auf einer PC-Fachzeitschrift, die keine Shareware anbietet. Millionenfach kommen die 30-Tage-Testversionen unters Volk. Doch feiern möchte niemand. Für den Champagner ist einfach kein Geld da.

Als Shareware-Programmierer muss man sich heutzutage schon ziemlich dusselig anstellen, um mit seiner Software nicht in die Medien zu kommen. Zig Shareware-Depots im Netz buhlen um den Download-Hit von morgen. Die PC-Zeitschriften brauchen Ware, um ihre CDs zu füllen. Auch die Buchverlage nutzen die Testversionen aus der Shareware-Szene, um eine den Büchern beigeklebte Silberscheibe bis zum Rand abzudichten. Programmierer, die gut im Geschäft sind, sammeln auf ihrer Homepage Dutzende GIF-Awards, Online-Auszeichnungen und Pressezitate, um so die Besucher davon zu überzeugen, dass die angebotenen Programme das einzig Wahre sind.

Das Problem: Die Kunden kaufen nicht. Sie downloaden die Testversionen zwar in nie gekannten Stückzahlen, bezahlen am Ende aber nur selten Geld für die Vollversion. Die alte Faustformel, dass sich wenigstens ein Promille aller Testpersonen auch zum Kauf entschließt, greift plötzlich nicht mehr. Die Entwickler sehen es mit Schrecken, kündigen ihren eigentlichen Beruf doch nicht auf und hoffen darauf, dass irgendwann der Knoten platzt. Bis dahin ist es an der Zeit, neue Finanzierungsmodelle auszuprobieren.

Klassische Registrierung: Wer eine Shareware kauft, muss sie nach 30 Tagen bezahlen, ansonsten arbeitet er mit einer Raubkopie. Die meisten Anwender löschen das Programm aber lieber wieder, wenn es ans Bezahlen geht. Um noch auf die klassische Weise Geld zu verdienen, müssen dringend neue Anreize geschaffen werden. Die ersten Programmierer greifen zu wirklich interessanten Marketing-Tricks, die auch funktionieren. Sie verkaufen etwa für wenig Geld eine Lebenszeit-Registrierung, die für alle bereits vorhandenen und alle in Zukunft programmierten Vollversionen gilt. Der Anwender, der sich hier ehrlich macht, erhält demnach einen dauerhaften Mehrwert für seine einmalige Investition. Wer als Autor so spendabel nicht sein möchte, greift zum Rabatt-Modell: Eine Vollversion bezahlen, drei erhalten.

Vollversionsverkauf an die Medien: Achten Sie einmal darauf: Viele PC-Zeitschriften locken ihre Leser mit bereits bezahlten Vollversionen, die auf der Heft-CD angeboten werden. Bei diesen Vollversionen handelt es sich oft um Programme, die der Verlag für ein paar Hunderter bei den Shareware-Programmierern eingekauft haben. Ein paar Hunderter – das ist nicht viel Geld. Dafür werden die Anwendungen aber auch nur einmal veröffentlicht. Und alle Rechte bleiben ohne Wenn und Aber beim Entwickler. Da inzwischen auch einige Shareware-Depots im Internet Vollversionen ankaufen, kann mit solchen Lizenzgeschäften eine gute Mark nebenbei verdient werden.

Die Software-CD: Zahlreiche Software-Verlage stehen in der Pflicht, jeden Monat neue Software-Produkte in die Regale des Fachhandels zu stellen. Aber: Es kostet sehr viel Geld und Mühe, amerikanische Programme einzudeutschen. Deswegen greifen viele Lektoren und Produktmanager auf deutsche Shareware-Programme zurück. Das Problem: Die Programmierer geben oft für mehrere Jahre ihr Recht an der Software auf und dürfen manchmal noch nicht einmal mehr ihre Shareware weiter anbieten. Dafür erhalten sie eine magere Beteiligung von vielleicht 10 bis 15 Prozent auf den Nettoverlagserlös – das sind knappe 1,50 bis zwei Mark bei einem Verkaufspreis von 30 Mark. Inzwischen schaffen selbstständige Scouts die Programme für die Software-Häuser heran. Da sie auch noch etwas an der Software verdienen möchten, erhalten hier die Entwickler noch weniger Geld. Die Ernüchterung kommt meistens nach der ersten Abrechnung: Viel zu wenig abverkaufte CDs sorgen dafür, dass der Programmierer für seine Arbeit nur ein Taschengeld erhält.

Adware macht Werbung: Aus Amerika kommt der Trend, Shareware in Adware zu verwandeln. Adware ist für den Endanwender völlig kostenfrei und wird deswegen sehr gerne eingesetzt. Dafür muss der Anwender aber Werbebanner ertragen, die ihm ständig im Programmfenster gezeigt werden. Über diese eingeblendeten Werbebanner verdient der Programmierer sein Geld. In einem Telefongespräch berichtete uns jüngst ein Schwede, der seinen CD-Ripper als Adware verschenkt, von Einnahmen bis zu 5.000 Dollar pro Monat, die allein diesem Werbegeschäft mit einer einzelnen Software zuzuschreiben waren. Bei den derzeit fallenden Bannerpreisen im Web dürfte sich dieser Gewinn aber recht bald deutlich reduzieren.

Ganz neue Idee: Wie macht man mit Software richtig viel Geld im Internet? Das überlegen sich derzeit viele deutsche Firmen, die eigentlich nur peripher etwas mit Shareware zu tun haben. Ihre Idee: Sie möchten den frustrierten Programmierern gerne dabei helfen, mehr Vollversionen zu verkaufen. Dabei werden zwei Wege eingeschlagen: Die Vollversionen können etwa auf einer speziellen Verkaufsseite im Internet zugleich bezahlt und heruntergeladen werden. Oder die Online-Firmen machen aus der Vollversion eine Demo, die sich nur ein paar Mal starten lässt und dann gleich ein Bestellformular lädt. In beiden Fällen läuft der Verkauf nicht mehr über den Programmierer, sondern über die entsprechende Firma. Die für ihre Dienste natürlich einen Teil der erwirtschafteten Gelder behält. Das hört sich in den professionell ausformulierten Werbeschreiben der Firmen recht gut an. Nur: Die Vollversion können die Autoren eigentlich auch selbst verkaufen. Genügend Besucher auf der eigenen Homepage finden sich bei guter Pressearbeit von allein ein. Und Demoversionen, die nur drei Mal laufen – ist diese Crippleware nicht genau das, was wir alle seit Jahren mit allen Mitteln verhindern möchten?

Carsten Scheibe

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