SCHEIBE Shareware in der Sackgasse?


Shareware-Programmierer sind darauf angewiesen, dass ihre Software einer breiten Masse zugänglich sind. Bislang konnten sie auf die Hilfe unzähliger Shareware-Portale zählen, die jedes neue Programm ausführlich vorstellen. Damit scheint langsam Schluss zu sein.

Zig Tausend Shareware-Programmierer nutzen das Internet, um ihre neuesten Spiele, Anwendungen und Tools auf besonders simple Weise an den Mann zu bringen. Bislang konnten sie dabei auf die Hilfe unzähliger Shareware-Portale zählen, die jedes neue Programm ausführlich auf ihren Seiten vorstellen. Damit scheint jetzt langsam Schluss zu sein.

Wer unbekannt ist,...

Peter (34) ist Shareware-Programmierer. Er hat ein digitales Kassenbuch geschrieben, ein lustiges Jump&Run-Spiel entwickelt und drei, vier kleine Tools in die Tasten gehämmert. Diese Programme liegen auf seiner Homepage zum Download bereit. Das Problem: Niemand schaut vorbei, um sich die Dateien abzuholen. Und warum nicht? Weil kein Surfer auch nur einen blassen Schimmer davon hat, dass diese speziellen Shareware-Programme überhaupt existieren.

...ist auf Portale angewiesen

Shareware ist Prüf-vor-dem-Kauf-Software. Die Programmierer leben davon, dass sie sich die Kosten für Datenträger, Handbücher, Zwischenhändler und Werbung sparen. Sie rechnen damit, dass einer von Tausend Testpersonen die Shareware so toll findet, dass er sich freiwillig die Vollversion kauft. Um bei einer Erfolgsquote von einem Promille auf die eigenen Kosten zu kommen, ist es wichtig, dass sich eine Shareware möglichst zigtausendfach verbreitet. Genau das ist aber nur dann möglich, wenn die ganze Welt Wind davon bekommt, dass diese Shareware überhaupt existiert. Für den Wind und den damit verbundenen Wirbel sind die Shareware-Portale verantwortlich. Das sind redaktionelle Angebote, die alle Neuheiten und Updates sammeln, bewerten und einer breiten Besucherschar zum Download zur Verfügung stellen.

Hinter einem solchen topaktuellen Download-Portal stecken viele Köpfe, die rund um die Uhr das Web scannen, die Mails der Programmierer lesen und Programme testen müssen. Das kostet. Nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Ganz in diesem Sinne wundert es nicht, dass in den aktuellen katastrophalen Zeiten mächtig gespart wird. Die Konzequenz: Die Shareware-Portale schwinden. Und das geht so schnell, dass man dabei vom Schreibtischstuhl aus zuschauen kann.

Klappe zu, Affe tot?

Nirgends ist noch Geld vorhanden. Das haben vor allem Spielefreunde kommen sehen. Lange Zeit waren sie etwa bei Zapspot gern gesehene Gäste. Drei ehemalige Microsoft-Manager haben das trendige Online-Unternehmen gegründet. Das wollte alle zwei Wochen ein neues Download-Spiel verschenken, das mit 500 Kilobyte in Sekundenschnelle zu beziehen ist und den Zapspotlern dank permanenter Werbeeinblendungen Reichtum und Wohlstand bringen sollte. Das ging ein halbes Jahr gut, dann brachen die Werbepreise für Bannereinblendungen drastisch zusammen. In der Folge erschienen neue Zapspot-Spiele immer seltener. Inzwischen wird seit Monaten der immer gleiche Pipedream-Klon »My House« als topaktuell angepriesen. Nach drei Millionen Downloads: Klappe zu, Affe tot?

Traffic ist teuer, Werbung funktioniert nicht

Wundern würde es niemanden. Bereits vor Monaten hat Ingava.com seine Schotten dichtgemacht. Unter dieser Adresse wurden den Fans lange Zeit kostenlose Windows-Spiele zum Download angeboten. Die Programme waren allererste Sahne und machten so manchem kommerziellen Angebot Konkurrenz. Ohne Werbeeinnahmen aus den Bannern brachte der programmierte Ballerspaß für die Betreiber aber keine Kohlen mehr ein – heute verweist die Adresse längst auf einen 08/15-Suchdienst. Auch dem begehrten Spiele-Download 3Dfiles.com wurde der Saft abgedreht. Hier lag es am unbezahlbaren Transfer-Volumen von mehreren Fantastillionen Bytes: Zahlen, an denen auch der Zillionär Dagobert Duck verzweifelt wäre. Heute verweist die Adresse auf das GameSpot-Online-Magazin, das bei weitem nicht mehr so viele Downloads anbietet wie der frühere Dienst. Immerhin: Versuche zeigen, dass es immerhin noch möglich ist, bei den Spieleportalen DemoNews und HappyPuppy vorbeizuschauen, um Spieleneuheiten kennenzulernen. Wobei es die »fröhlichen Haustiere« faustdick hinter den Ohren haben. Sie sammeln die Dateien der Spiele nicht auf dem eigenen Server, sondern verweisen nur auf die Homepages der Programmierer. Sollen die doch den teuren Traffic bezahlen!

Doch nicht nur in der Spiele-Szene droht Ungemach. Noch stellt Rainer Wagenhäuser jeden Tag die neueste Shareware für den Computer Channel zusammen. Das Portal soll aber demnächst geschlossen werden – immerhin Deutschlands Download-Adresse Nummer eins mit dem besten Service. Auch AOL Deutschland und damit auch Netscape und CompuServe haben ihr Shareware-Angebot zurückgefahren. Das zuvor aufgebaute XXL-Archiv wird bei weitem nicht mehr so oft ergänzt wie noch vor einem Jahr. Auch das Download-Paradies Soft Unity bringt nur noch höchst selten Updates. Woher also neue Shareware nehmen und nicht stehlen? Hierzulande gibt immerhin das ambitionierte Winload.de noch nicht auf. International ist Jumbo.com weiterhin eine begehrte Adresse. Trotzdem: Die wenigen verbleibenden Portale schaffen es gar nicht mehr, für einen ausreichenden Durchblick in der riesigen Szene zu sorgen.

Das Internet - so langsam wie Zeitschriften?

Und jetzt das! Für viele Shareware-Freunde war Download.com von CNet noch immer so etwas wie der letzte Fels in der Brandung. Jetzt wird auch hier versucht, Kasse zu machen. So schreiben die Betreiber im Netz (siehe FAQ), dass es inzwischen satte sechs bis acht Wochen dauert, bis ein neu angemeldetes Shareware-Programm oder ein Update geprüft und ins Netz gestellt werden kann. Kurzum: Das Internet ist damit langsamer als viele PC-Zeitschriften, die dank des Druck- und Vertriebsvorlaufs als notorisch inaktuell verschrien sind. Acht Wochen, bis ein Update eingepflegt ist – für viele Programmierer ist das absolut inakzeptabel. Aber es gibt ja das neue Geschäftsmodell »Speedy Submission«. Wer seinem Programm eine saftige Gebühr von 199 US-Dollar beilegt, kann darauf bauen, dass sein Antrag binnen einem einzelnen Werktag bearbeitet wird. Die horrende Gebühr, die für viele Freeware- und Shareware-Programmierer unerschwinglich ist, beinhaltet nur das Einstellen der Software ins Depot, nicht aber eine redaktionelle Besprechung.

Die Magazine müssen ran

Wie geht's weiter? Das Internet verliert zunehmend den Ruf als Shareware-Fundgrube, die PC-Magazine müssen ran! Doch die nutzen Shareware lieber als billiges Füllmaterial für die Heft-CDs. In den Magazinen selbst wird den neuen Programmen zur Zeit nur dann großzügig Platz eingeräumt, wenn es um Raubkopierer-Tools geht. Au weia.

Carsten Scheibe


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