scheibe Jede Woche ein neues Spiel


Eins steht fest: Das Jahr 2000 war für die Shareware-Szene ein tolles Jahr und für die Shareware-Programmierer ein mieses. Wie das sein kann? Ganz einfach: Für die Szene an sich war es ein gutes Jahr, weil Shareware inzwischen überall präsent ist.

Eins steht fest: Das Jahr 2000 war für die Shareware-Szene ein tolles Jahr und für die Shareware-Programmierer ein mieses. Wie das sein kann? Ganz einfach: Für die Szene an sich war es ein gutes Jahr, weil Shareware inzwischen überall präsent ist. Immer wieder in der Vergangenheit totgesagt, füllt Shareware inzwischen fast jede Heft-CD am Kiosk, da sich andere Inhalte auf CD-ROM einfach nicht mehr finanzieren lassen. Für ein paar Mark fünfzig können sich die Anwender heute problemlos mit Hunderten von neuen Shareware-Programmen eindecken. Auch im Internet gibt es kein kleines oder großes Portal mehr, das nicht die eine oder andere Shareware-Ecke beherbergt. Sogar die Webspace-Provider sammeln Shareund Freeware, um ihren Kunden gleich die wichtigsten Anwendungen fürs Online-Publishing in die Hand zu drücken.

Für die Programmierer war dieses Jahr bislang nicht ganz so ergiebig. Ich habe in den letzten Wochen mit sehr vielen deutschen Entwicklern telefoniert. Fast unisono erzählen sie, noch nie so wenig Vollversionen verkauft zu haben wie in diesem, mal sehr heißen, mal völlig verregneten Sommer. Selbst die besten Programme liegen wie Blei in den Regalen und sorgen für keinen Umsatz mehr. Ein Wetterproblem? Oder doch erste Anzeichen dafür, dass die Anwender keine Lust mehr darauf haben, für Software Geld zu bezahlen? Schließlich werden überall Vollversionen und Freeware-Programme verschenkt. Für viele Anwender reicht auch die 30-Tage-Testphase der meisten Shareware-Programme aus. Ist die Uhr abgelaufen, werden die Daten einfach rechtzeitig in eine Konkurrenzanwendung exportiert. Und die Testphase beginnt wieder von vorne.

Dass es andere Möglichkeiten gibt, mit Shareware Geld zu verdienen, zeigt das Adware-Konzept, das ich in einer früheren Kolumne bereits vorgestellt habe. Das funktioniert ganz einfach: Firmen schalten Bannerwerbung in einer Programmoberfläche. Dafür wird die Software verschenkt, um möglichst viele Kunden zu erreichen. Wie man dieses Konzept effektiv durchzieht, zeigen gerade drei ehemalige Microsoft-Angestellte, die in New York vor kurzem das Spiele-Unternehmen ZapSpot gegründet haben.

ZapSpot verschenkt Spiele. Jede Woche eines. Wer Spaß an bunten Knobelund Geschicklichkeitsspielen hat, der lässt sich auf eine E-Mail-Liste setzen und bekommt in der Folge jede Woche ein neues kostenloses Windows-Programm zugeschickt. Diese Games sind niemals größer als 500 Kilobyte und lassen sich nach dem Entpacken sofort spielen. Noch besser: Alle Spiele haben eine gemeinsame Rahmen-Oberfläche mit immer den gleichen Schaltflächen, so dass es sehr leicht ist, mit ihnen umzugehen. Natürlich weisen die Spiele einen Werbebanner auf. Aber irgendwie muss sich das famose Projekt ja finanzieren. Spiele mit Namen wie BullyFrog, Caveman Cards, Nightsparks, Moeboid, FenceOut und BubbleBound sind bereits erschienen, aktuell ist ColorBreak2 unterwegs, bei dem bunte Kugeln per Mausklick zum Zerplatzen gebracht werden müssen. Wer ein Spiel verpasst, muss nicht lange darben. Die bereits erschienenen Games lassen sich bequem aus dem Netz herunterladen, aber auch aus einer Art Sammelbox abfragen, die in den Spielebildschirm selbst eingelassen ist und jederzeit einen Wechsel zu den anderen ZapSpot-Spielen auf der Festplatte erlaubt.

ZapSpot hat seinen Dienst erst seit ein paar Wochen aufgenommen, kann aber bereits 1.1 Millionen Downloads aus 125 Ländern verzeichnen. Ein voller Erfolg also? Klar ist auf jeden Fall, dass das alte Konzept »Vollversion gegen Kohle« nicht mehr lange greift. Shareware-Programmierer und werbetreibende Wirtschaft müssen in Deutschland zwar erst noch erkennen, dass sie die optimalen Partner der Zukunft sind, sobald aber werbefinanzierte Software auch hier zu Lande ein Renner wird, lassen sich die hohen Verbreitungszahlen der Programme über Heft-CD-ROMs und das Internet endlich in klingende Münze umwandeln.

Carsten Scheibe

Typemania@compuserve.com


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