scheibe Miesepeter


Ist Shareware wirklich so schlecht? Letztens beschwerte sich ein Programmierer gar bitterlich bei uns, weil wir sein Programm als Shareware bezeichneten und es unseren Lesern als eine solche vorstellten. Dabei sei seine Testversion doch eine kommerzielle Demo und keine Shareware.

Ist Shareware wirklich so schlecht? Letztens beschwerte sich ein Programmierer gar bitterlich bei uns, weil wir sein Programm als Shareware bezeichneten und es unseren Lesern als eine solche vorstellten. Dabei sei seine Testversion doch eine kommerzielle Demo und keine Shareware. Er fand in der Folge wüste Beschimpfungen für Shareware-Programme, wobei die Bezeichnungen »mieser Dreck« und »schlampig zusammengehackter Mist« noch zur harmloseren Sorte gehörten.

Er behauptete, dass eigentlich fast alle Firmen ihren Mitarbeitern verböten, Shareware aus dem Netz herunterzuladen, weil eh niemand etwas mit dieser minderwertigen Software anzufangen wüsste und sie nur das System zerstören würde. Er konstruierte auch den Fall einer Angestellten, die fast ihren Job verlor, weil der Chef feststellte, dass sie Shareware aus dem Netz gesaugt hatte.

Shareware = nutzloses Zeug? Nun, ich beschäftige mich seit zehn Jahren gute zehn Stunden am Tag mit dieser »minderwertigen« Software und nehme dieses Urteil durchaus persönlich. Sicherlich ist wahr, dass jeder Schüler und jeder ambitionierte Frührentner das Recht dazu hat, seine zusammengehackten Elaborate in die Shareware-Szene zu entlassen. Folglich schwankt die Qualität des Angebots erheblich nicht umsonst erscheinen täglich gleich mehrere Hundert Programme neu in der Szene.

Aber gleich alles als Mist über einen Kamm scheren? Man muss nur daran denken, dass so bekannte und im Fachhandel erhältliche Programme wie WinZip, McAfee VirusScan, SmartDraw, Paint Shop Pro, SiSoft Sandra, Dr. Hardware und viele andere renommierte Anwendungen ihren Ursprung in der Shareware-Szene haben. Auch die kommerziellen Jump&Run-Spiele und 3D-Egoshooter würde es in dieser Form nicht geben, hätten nicht die damaligen Shareware-Firmen (!) Apogee und Epic Megagames die Grundsteine dafür gesetzt. Auch sonst ist in der Shareware-Szene vieles zu finden, was Bestand hat. Vor allem in der Gewerbe-Szene finden sich hervorragende Finanzbuchhaltungen, Textverarbeitungen, Datenbanken und Kassenbücher, die mit jeder kommerziellen Anwendung konkurrieren können. Wer heute das Angebot der im Fachhandel verkauften CD-ROMs sichtet, wird feststellen, dass sehr viele Neuerscheinungen direkt aus der Shareware-Szene stammen. Immer mehr Verlage sichten die Shareware-Neuerscheinungen von heute, um ihr Programm von morgen zusammenzustellen. Und was ist mit dem MP3-Player WinAmp? Mit dem Instant Messenger ICQ? Mit dem Virenscanner F-Prot? Dem Registry-Tuner TuneUp? Alles Shareware-Programme, die sehr viele Anwender dankbar auf ihre Festplatte überspielt haben.

Und: Immer mehr große Firmen sind froh, wenn ihre Demound Freeversionen Einzug in die gängigen Shareware-Archive finden. Ganz egal, ob am Ende die Bezeichnung Shareware über dem Download-Tipp steht. Tausende Anwender decken sich schließlich an dieser Stelle mit den neuen Browsern von Netscape und Microsoft ein, holen sich den Adobe Acrobat Reader, laden neue Demos von Symantec oder Ulead herunter oder fischen Spieledemos von Eidos oder Electronic Arts ab. Einwände? Na bitte.

Nicht zu vergessen sind auch die vielen Tausend Shareware-Programme, die Nischen abdecken, um die sich sonst aus Ertragsgründen keine kommerzielle Software kümmern kann. Letztens meldete sich bei uns ein Familienvater per Mail, der für seinen Filius dringend eine Software suchte, die dem Sohn ein Zeitlimit am PC setzt um dem exzessiven Spielen vorzubeugen. Wir empfahlen die Win-Kindersicherung Und siehe da, der Papa war zufrieden und der Sohn schimpfte wie ein Rohrspatz. Wahrscheinlich gehört nun auch er zu denen, die Shareware bis ans Ende ihres Lebens verdammen.

Carsten Scheibe

Typemania@compuserve.com


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