Scheibes Kolumne Frosch im Hals


Wie gut ist das Internet als Arztersatz, als Kräuterhexe und als Apotheke? stern.de-Kolumnist Scheibe macht die Probe aufs Exempel und lässt sich vom Computer kurieren. Er hat nämlich ganz schlimme Halsschmerzen.

Dieses Mal hat das Virus nicht den Computer befallen, sondern den eigenen Hals. Der brennt seit ein paar Tagen wie Feuer und macht das Schlucken zur unerträglichen Qual. Ich muss sogar das Angebot meines Kollegen Kurda abwehren, doch rasch beim Boten einen frisch gebruzzelten Burger zu bestellen: Zu unangenehm ist die Vorstellung, so etwas wie Nahrung zu mir zu nehmen. Kollege Franz hat sich bereits ins heimische Bettchen geflüchtet - ebenfalls Halsschmerzen. Doch als Teamchef kann ich nicht wie Rudi Völler die Verantwortung weitergeben: Es liegt noch zu viel Arbeit auf den Tisch. Soll ich zum Arzt gehen? Lieber nicht: Der Hausarzt kann bei Halsschmerzen doch nur die Schultern heben und untersuchen, ob aus der schlichten Halsrötung nicht doch noch eine eitrige Mandelentzündung entstehen könnte. Vielleicht ist es ja besser, erst einmal das Internet zu konsultieren. Dabei kann auch gleich herausgefunden werden, wie gut es sich als Ersatz für den Arzt, die Kräuterhexe und den Apotheker eignet.

Erstmal Google fragen

Google.de nimmt den Suchbegriff "Halsschmerzen" entgegen und präsentiert Sekundenbruchteile später bereits 42.800 Treffer, davon etliche auf den ersten Seiten, die sehr vielversprechend klingen. Bionorica fasst noch einmal die wichtigsten Symptome zusammen: "Am Anfang spüren Sie ein unangenehmes Kratzen im Hals. Dann ein brennendes, wundes Gefühl. So beginnt in aller Regel eine Entzündung von Hals, Rachen und Mandeln. Später kommen schmerzhafte Schluckbeschwerden hinzu. Das Sprechen fällt Ihnen schwer, weil inzwischen auch Ihre Stimmbänder in Mitleidenschaft geraten sind."

Noch genauer formuliert es Meine-Gesundheit.de: "Halsschmerzen können als Symptom einer isolierten, durch Viren oder Bakterien verursachten Infektion auftreten; meist sind sie jedoch Symptom einer Erkältung. Durch die Krankheitskeime kommt es zu einer Entzündung der Schleimhaut im Halsbereich. Je nachdem wo sich die Erreger ansiedeln, unterscheidet man zwischen einer Rachenschleimhautentzündung (Pharyngitis), Stimmband- oder Kehlkopfentzündung (Laryngitis) oder einer Mandelentzündung (Angina tonsillaris oder Tonsillitis). Als Beschwerden treten Rötung, Kratzen und Schmerzen im Hals und Schluckbeschwerden auf. Bei einer Angina kommen geschwollene und gerötete oder gar vereiterte Mandeln dazu. Häufig besteht auch Fieber. Sind Kehlkopf oder Stimmbänder entzündet, kommt es zusätzlich zu Heiserkeit. Oft sind, als Zeichen einer alarmierten Immunabwehr, die Lymphknoten an Unterkiefer und Hals geschwollen. Außer durch Bakterien und Viren können Halsschmerzen bzw. die Entzündung im Hals auch durch Überbeanspruchung der Stimme und Reizung der Atemwege (z.B. durch Chemikalien oder Staub) ausgelöst werden."

Was soll das, mitten im Sommer?

Kratzen im Hals? Probleme beim Schlucken? Ja, genau so fühle ich mich. Nur: Woher kommen die Halsschmerzen, so mitten im Sommer? Einen ersten Erklärungsansatz bietet die Virtuelle Apotheke: "Ob Winter oder Sommer, Halsschmerzen kann man zu jeder Jahreszeit bekommen. Im Sommer sind es die Klimaanlagen und die Zugluft, die Halsschmerzen begünstigen. Im Winter sorgt der Aufenthalt in geschlossenen überheizten Räumen dafür, dass die Schleimhäute austrocknen und für Viren und Bakterien angreifbar werden. Wenn eine Person mit Erkältungssymptomen in Ihrer Nähe steht und kräftig ausatmet, können die Viren bereits übertragen werden."

Ich erinnere mich an das Kitafest der Kinder vor einer Woche. Hatte da nicht Daniela über starke Halsschmerzen geklagt? Und war nicht meine Schwägerin neulich an einer schweren Angina erkrankt? Ich denke, dabei werde ich mir auf dem Luftweg ein schönes Tröpfchen mit einer aggressiven Virenemulsion in die eigene Lunge gesaugt haben. Leider gibt es für mich keinen Virenscanner mit automatischer Beseitigung der ertappten Übeltäter. Aber was kann ich tun? Am liebsten würde ich den ganzen Tag nur Eiscreme futtern, weil das den Hals so schön betäubt.

Klassisch: die Apotheken

Das Aponet der Apotheken bietet natürlich den klassischen Behandlungs-Cocktail an: Medikamente. Sie informiert den Kunden: Es "wird empfohlen, zu gurgeln oder Halstabletten / Halssprays einzusetzen. Diese enthalten desinfizierende und schmerzstillende Wirkstoffe. Die Inhaltsstoffe von Gurgellösungen erreichen aber nur die vordere Mundhöhle, denn der Würgereflex verhindert das Benetzen der Mandeln mit der Lösung. Die Wirkstoffe aus den Lutschtabletten erreichen mit dem Speichel auch die hinteren Rachenbereiche. Enthalten sind in den Präparaten zum Beispiel Aluminiumchlorat, Benzalkoniumchlorid, Cetylpyridiniumchlorid, Chlorhexidingluconat, Dequaliniumchlorid, Ethacridinlactat und Hexetidin. Enthalten Gurgel- oder Spüllösungen pflanzliche Wirkstoffe, so sind dies meist Extrakte aus Kamille oder Salbei. Schmerzstillend wirken Benzocain und Lidocain. Obwohl nicht nötig, enthalten manche Präparate auch Antibiotika. Dies sind zum Beispiel Tyrothricin oder Bacitracin."

Hausmittelchen

Okay, mit den Lutschpastillen kuriere ich mich gerne selbst. Die Frage ist nur: Gibt es nicht vielleicht auch noch ein paar alternative Kräuterhexentipps? Auch hier hilft das Internet weiter. Sweetnews.de rät mir gleich, mit Salzwasser zu gurgeln: "Eine recht unangenehme Folge einer Erkältung sind die Halsschmerzen. Diese werden oft von Heiserkeit begleitet. Das Gurgeln mit Salzwasser lindert schon nach kurzer Zeit die Beschwerden (wirkt auch bei Mandelentzünung). Das Salzwasser lässt die Schleimhaut abschwellen und wirkt desinfizierend. Dieses Hausmittel ist auch bei Kindern gut wirksam."

Mir unbekannt ist auch der Verschlag, den die Homepage Naturverstand zu bieten hat: "Halsschmerzen behandelt man mit einem Stück Leinen, das man in kaltes Wasser taucht, ausdrückt und um den Hals wickelt. Dann einen Wollschal darüberziehen und sofort ins Bett gehen." Auf der Seite sind auch noch weitere Tipps aus dem Buch einer Kräuterhexe zu finden. So soll man Holunderblüten in heißer Milch tränken und dann das Leinentuch in diese Lösung tunken, bevor man es sich um den Hals hängt. Andere Ratgeber im Forum drängen den Kranken dazu, warme Bratäpfel zu futtern oder Zwiebeln zu schneiden und sie in der Bratpfanne zu dünsten, um sie dann in einem Tuch eingewickelt um den Hals zu legen.

Tea-Time

Zu den Klassikern bei der Behandlung rät der WDR: "Gegen Halsschmerzen ist ein Kraut gewachsen: Kamille und Salbei. Kamille ist ein Allround-Talent: Es gab noch vor 50 Jahren kaum eine Krankheit, die man nicht mit Kamille zu kurieren versuchte. So auch Halsschmerzen. Zu ihren wichtigsten Inhaltsstoffen gehört das ätherische Öl, in dem unter anderem die Substanzen Matricin beziehungsweise Chamazulen und alpha-Bisabolol enthalten sind. Das Öl besitzt sowohl entzündungshemmende und krampflösende Wirkungen, als auch Bakterien und Pilze abtötende Eigenschaften. Darüber hinaus enthält die Kamille Flavonoide, sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken. Der Name 'Salbei' leitet sich von 'salvare' her - dem lateinischen Wort für "heilen". Das ätherische Öl der Salbeipflanze enthält Stoffe wie Thujon, Cineol und Campher. Sie hemmen das Wachstum von Bakterien. Außerdem besitzt Salbei entzündungshemmende Gerbstoffe und Bitterstoffe. Anders als bei der Kamille sind seine antibiotisch wirkenden Substanzen wasserlöslich, das heißt, dass sich die positiven Eigenschaften des Salbeis im Tee voll entfalten können. Salbei ist ein optimales Kraut gegen Halsschmerzen, da es besonders wirksam bei Entzündungen der Mund- oder Rachenschleimhaut ist. Zum einen blockieren die Inhaltsstoffe den Schmerz, zum anderen hemmen sie die Entzündung, stoppen die Ausbreitung von Bakterien und machen die Schleimhäute widerstandsfähiger."

Nach dieser doch recht fundierten Einführung in das Thema Halsschmerzen neige ich dazu, mir einfach verschiedene Lutschtabletten zu besorgen. Doch woher bekomme ich die, wenn ich keine Lust darauf habe, mit meinen Halsschmerzen in den Regen nach draußen zu gehen und zur nächsten Apotheke zu fahren? Wie wäre es denn mit einer Online-Apotheke? Bei MyCare werde ich fündig. MyCare ist der Internet-Shop einer regulären Apotheke aus Deutschland. Über 130.000 Arzneimittel gibt es hier. Schnell finde ich an die 30 verschiedene Produkte, die mir Linderung in Form eines Lutschbonbons versprechen. Die einzelnen Präparate kosten zwischen drei und acht Euro, zusätzlich erwarten mich noch einmal vier Euro für den Versand. Schon habe ich drei verschiedene Präparate im Einkaufskorb zu liegen und möchte zur virtuellen Kasse schreiten, da hat meine Frau eine tolle Idee: Unsere Stammapotheke liefert die Medikamente doch auch nach Hause. Einen Telefonanruf und 30 Minuten später habe ich meine Lutschbonbons bereits in der Hand - und muss keine 24 Stunden auf die Zustellung warten. Also 2:1 für das Internet. Und meine Halsschmerzen sind hoffentlich auch bald weg.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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