Scheibes Kolumne Internationaler Geldverkehr ist ganz schön schwer


Es macht Spaß, in einem deutschen Online-Shop oder bei Ebay nach einem Schnäppchen zu suchen. 3-2-1, meins. Nach einem Mausklick auf den Kaufen-Button ist die Online-Überweisung schnell ausgefüllt - und die Ware bald zu Hause eingetroffen. Völlig anders läuft der Handel im internationalen Bereich ab. Stern.de-Kolumnist Scheibe hat Erfahrungen gesammelt.

Ich kaufe meine wichtigsten Anschaffungen eigentlich nur noch online. Wenn ich neuen Toner benötige, ein Faxgerät kaufe oder mir einen aktuellen PocketPC zulege, dann suche ich erst mit den Preispiraten.de oder mit Guenstiger.de nach dem besten Anbieter. Fünf Minuten später stehe ich dann im gemeldeten Online-Shop auch schon vor der virtuellen Kasse, zahle per Kreditkarte, Überweisung oder Lastschriftverfahren - und die Sache ist für mich erledigt. Nach zwei, drei Tagen klingelt der Paketbote an der Tür und bringt mir meine Ware. Super.

Geldverkehr ist kompliziert

Leider funktioniert dieses simple Verfahren nicht über die germanischen Landesgrenzen hinweg. Zurzeit verhandele ich mit vielen Fotografen und Entwicklern aus verschiedenen Ländern, um für mich wichtigen Content einzukaufen. Der ist im Ausland oft erschreckend preiswert. In Montenegro entdecke ich so etwa einen Fotografen namens Mario, der mir mehrere tausend Fotos für einhundert Dollar verkauft. Schnell sind wir uns per Telefon und E-Mail handelseinig, obwohl Mario nur ein gebrochenes Englisch spricht und schreibt. Sein Server fasst leider immer nur 20 Megabyte Daten auf einmal. So sitzen wir die ganze Nacht daran, die Dateien auszutauschen. Er lädt sie auf den Server, ich lade sie wieder runter. Ich schreibe eine Vollzugs-Mail, und Mario tauscht das Dateipaket sofort gegen ein neues aus. Beim Bezahlen der Ware gibt es allerdings ein Problem. Mario kann nämlich keine Beträge von meiner Kreditkarte abbuchen. Das ist kein großes Wunder, denn Mario besitzt nicht einmal ein eigenes Konto. Er möchte das Geld über Western Union erhalten, teilt er mir mit.

Ich muss nun mit 300 Euro Bargeld zu einem Western-Union-Schalter gehen und das Geld dort cash auf den Tisch legen. Beim Ausfüllen des Formulars bekomme ich mitgeteilt, dass leider nur Privatpersonen Western Union verwenden dürfen - keine Firmen. Gut, bin ich eben eine Privatperson. Ich gebe den Namen und die exakte Adresse von Mario an. Im Tausch für mein Geld erhalte ich einen schnöden Nummerncode. Kaum zu Hause angekommen, maile ich Mario den Code. Ein Wunder: Eine halbe Stunde später mailt mir Mario bereits zurück: er hat das Geld. Um es zu bekommen, musste er nur die Nummer nennen und seinen Ausweis vorzeigen. Das Geld hätte er übrigens an jeder Western-Union-Filiale auf der ganzen Welt bekommen: Deswegen wird das Geldübermittlungsverfahren auch gerne von Bösewichtern genutzt. Ich staune.

So viele Möglichkeiten

Derweil habe ich einen Kontakt zu Logan in South Carolina aufgebaut. Auch Logan will mir Fotos lizenzieren, die ich für ein Projekt benötige. Obwohl er in Amerika sitzt, kann aber auch er mit meiner Kreditkarte nichts anfangen. Ich solle mir doch bitte ein Konto bei ePassport.com zulegen, um die 150 Dollar zu bezahlen, die mich seine Dienste kosten. Schnell schaue ich auf der Homepage vorbei, weil ich diesen Bezahldienst gar nicht kenne. Ich erfahre, dass es sich bei dem ePassport um eine virtuelle VISA-Kreditkarte handelt, die ich überall auf der Welt verwenden kann. Das ist mir aber trotzdem irgendwie unheimlich, und so bitte ich Logan, mir eine andere Möglichkeit zu nennen. Logan ist inzwischen fast ein Kumpel geworden. Wir haben nämlich per E-Mail-Kontakt festgestellt, dass wir beide eigentlich ausgebildete Biologen sind. Und kurz bevor Logan über das Wochenende zu einer Rucksack-Wanderung durch die Berge von South Carolina aufbricht, mailt er mir noch rasch seinen privaten PayPal-Account. Ich soll das Geld doch auf diesem Weg überweisen. Gut: Den Namen PayPal habe ich schon häufiger einmal gehört. Die gehören doch zu Ebay, oder? Schnell habe ich mir im Internet ein PayPal-Konto eingerichtet und schicke das Geld auf den Weg.

Es geht noch komplizierter

Derweil meldet sich Piotr aus Polen. Auch er hat Bilder für mich. Und er würde gerne Handel mit mir treiben. Dass ginge allerdings nicht direkt. Ich müsse vielmehr bei einer internationalen Bilder-Auktion mitmischen, die einzig und allein dazu ist, nicht-exklusive Lizenzen zu verhökern. Ein Blick auf die entsprechende Homepage zeigt mir allerdings schnell, dass ich das Prinzip der Auktion nicht kapiere. Hier können anscheinend mehrere Bieter gleichzeitig "gewinnen", wobei die gesetzten Beträge erst addiert und dann irgendwie durch die Anzahl der Bieter geteilt werden, um einen Mittelwert zu bilden. Als ich auch noch lese, dass ich erst einmal mein Auktionskonto mit Geld füllen muss - und das am besten per e-gold oder StormPay, blase ich die ganze Sache lieber ab. Ich glaube, in Zukunft mache ich hauptsächlich mit Logan Geschäfte. Bevor ich noch ganz huschig im Kopf werde.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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