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Scheibes Kolumne: Mein Internetjahr 2008

stern.de-Kolumnist Scheibe schaut auf den Kalender: Bald ist das Jahr 2008 zu Ende. Und er schaut zurück: Was hat sich eigentlich im Internet konkret für ihn alles getan? Ganz schön viel. Auf gedruckte Zeitungen verzichtet er inzwischen völlig, er hat viel Geld beim Live-Shopping gespart, und wenn abends noch Zeit ist, geht er online pokern oder Golf spielen.

Online ist 2008 eine ganze Menge passiert. Mir ist vor allem nachdrücklich im Gedächtnis geblieben, dass sich unzählige Web-2.0-Communitys aufgerafft und zum Teil auch etabliert haben. Die Dienste versuchten, mit den verrücktesten Ideen User an sich zu binden und sie dazu zu bewegen, viel Zeit online verbringen. Da sollte man sich etwa in virtuelle Stadtkarten eintragen, um besser mit dem unbekannten Nachbarn zu kommunizieren. Die eigenen Erinnerungen konnte man online verbreiten und sie an bestimmten Orten festmachen, um somit an einem gemeinsamen Tagebuch zu schreiben. Hinzu kamen zahllose Foto-Gemeinschaften, bei denen es darum ging, Bilder von seinem Wohnzimmer, seinem Schuhschrank, seinen Haustieren oder seinem Auto online zu stellen. Ich fand viele dieser kostenlosen Communitys faszinierend, machte aber nie bei einer mit: Dafür fehlte mir eigentlich immer die Zeit. In der Zwischenzeit stellen viele Angebote fest, dass sie jetzt zwar viele User haben, aber noch immer kein Geld einnehmen. Mal schauen, ob die Finanzkrise diesen aufstrebenden Startups nicht schon bald wieder den Hahn abdreht. Ich beobachte die Communitys jedenfalls weiterhin wohlwollend aus der Entfernung.

Eine echte Sucht 2008 waren für mich die

Live-Shopping-Seiten

. Sie bieten jeden Tag ein Produkt in limitierter Stückzahl zu einem wirklich günstigen Preis an. Pünktlich um Mitternacht kamen sie immer, die Mails von guut.de oder iBood.de. Was kaufe ich nicht alles hektisch per Mausklick, bevor mir ein anderer zuvor kommt und es vielleicht keinen Nachschub mehr gibt. Ich habe in diesem Jahr digitale Kameras, Navigationsgeräte fürs Auto, eine Kette für meine Frau, einen Adventskalender mit Edelsteinen und zahlreiche andere Dinge erstanden. Klicken, zahlen, empfangen - ein super Konzept. Die Anbieter, die sich in diesem Bereich etabliert haben, werden sicherlich bleiben und mich auch 2009 begleiten.

2008 war für mich auch das Jahr der digitalen Information. Ich habe inzwischen alle gedruckten Zeitungen und Magazine abbestellt - sorry. Das hat sicherlich auch finanzielle Gründe. Ein Grund ist aber auch, dass ich kaum noch die Zeit finde, mich einmal in Ruhe auf die Couch zu setzen und gemütlich etwas zu lesen. Meistens schlafe ich abends auf der Couch ein, ich muss kochen oder die Kinder wollen ihren Papa. Also lese ich am PC. Denn vor dem PC verbringe ich die meiste Zeit. Und so nutze ich hier kleine Arbeitspausen, um den ganzen Tag über immer wieder einmal bei Bild.de, Stern.de oder Spiegel.de vorbeizuschauen. Alle wichtigen Informationen finde ich hier zum Nulltarif. Wenn abends die Nachrichten im Fernsehen kommen, bin ich schon auf den Punkt informiert. Hier ist der Informationsvorsprung des Internets wirklich gewaltig. Ich bin sicher, dass sich dieser Trend noch verstärken wird. Für die klassischen Printverlage ist es nur sehr schwierig, den Schritt vom Print ins Web noch konsequenter zu wagen. Er wird aber zwingend kommen!

Ganz klare Gewinner 2008 sind die

hochgradig spezialisierten Infodienste

. Für jedes Interessengebiet gibt es inzwischen ein eigenes kostenloses Portal, das täglich neu wichtige Nachrichten aus einem ganz klar umrissenen Bereich anbietet. So fiel es mir überhaupt nicht schwer, mich meinen Neigungen entsprechend schlau zu machen. Viply.de brachte mir jeden Tag Klatsch und Tratsch aus dem Leben der Stars auf den Bildschirm. Die Phantastik-News sammelten Informationen aus den Bereichen Science Fiction, Fantasy und Horror. DWDL.de und Meedia nahmen mich als TV-Freund an der Hand und veröffentlichten tages-, ja stundenaktuell immer wieder Hintergründe zum Thema Fernsehen und zu den Medien ganz allgemein. Und als Serienjunkie aus Überzeugung war für mich der tägliche Blick auf Serienjunkies.de ein zwingendes Muss. Diese journalistisch wertvollen Dienste mit eigener optischer und inhaltlicher Anmutung werden sicherlich stark wachsen und noch viele Geschwister an ihre Seite gestellt bekommen. Gut so. Am Kiosk und im Print würde das sicherlich nicht funktionieren. Im Internet schon, wie die Zugriffszahlen zeigen.

In den USA sind Blogs ungeheuer populär und werden sehr intensiv gelesen. Sie haben Einfluss und verändern die öffentliche Meinung. Das ist in Deutschlang noch lange nicht so. Zwar entwickelt sich auch hier eine Blog-Kultur und viele Medien wie stern.de gönnen sich ein eigenes Blogger-Team. Dass aber ein bestimmter Blog so bedeutsam wird, dass die Menschen seiner Macht wegen schon fürchten, das ist nicht der Fall. So muss ich sagen, dass "große" Blogs nicht auf meiner Leseliste 2008 stehen. Ich schau gerne bei den privaten Blogs von handverlesenen Freunden vorbei, um auf diese Weise wenigstens lesend an ihrem Leben teilzunehmen. Ansonsten schmökere ich gern in der bunten Blogger-Mischung von stern.de, weil es alles liebe Kollegen sind - ich mache hier ja auch einen Blog. Aber kurzum: Die deutsche Blogger-Szene muss noch ordentlich Fahrt aufnehmen. 2008 war das noch nix.

Dafür sind die

Finanzberater-Seiten

im Web 2008 richtig wichtig geworden. Seiten wie Wechseln.de haben mir dabei geholfen, einen billigeren Strom- und Gasanbieter zu finden und viele hundert Euro aufs Jahr umgerechnet zu sparen. Noch in diesem Monat möchte ich mir meine Versicherungen vornehmen und hier auch beim Wechseln weitere Sparpotenziale ausloten. Auch hier finde ich sicherlich passende Seiten im Web, die mir einen günstigeren Anbieter nennen - bei gleicher Leistung.

Bleibt das Entertainment. Ich nutze inzwischen das Internet wieder verstärkt zum Entspannen. Nachts drehe ich gern noch eine 18-Loch-Runde auf dem virtuellen 3D-Golfplatz von Shot Online oder nehme bei einem der zahllosen Spielgeld-Anbieter im Internet die Pokerkarten in die Hand, um zu zeigen, dass ich ein Meister der Karten bin. Ich bin sicher, dass das Angebot der kostenlosen Online-Spiele 2009 noch dramatisch zunehmen wird.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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