Scheibes Kolumne Und es hat "Fump!" gemacht!


Alle Jubeljahre passiert es wieder: Der Computer stürzt ab. stern.de-Mitarbeiter Scheibe verschwendet sechs kostbare Arbeitsstunden an ein übles Computerproblem, das ihm glatt graue Haare bescheren würde - wenn diese nicht schon vorher ausfallen würden.

Der Computer ist ein tolles Ding. Er darf nur nicht kaputt gehen. Denn dann müssen sich die meisten Anwender die Karten legen. Und einen teuren Reparatur-Service buchen. Wir kennen das schon im Büro. Ein fröhlicher Reboot hilft zum Glück gegen die meisten Probleme. Manchmal reicht es auch, an den Kabeln zu ziehen oder dem Gehäuse einen festen Klapps zu geben. Zeigt das keine Wirkung, muss eben ein zuvor gesichertes Image der ganzen Festplatte (aus besseren Tagen, da noch alles frisch installiert war und ordentlich lief) installiert werden.

Gestern hatte ich es aber plötzlich mit einem ganz neuen Problem zu tun. Ich startete morgens meinen Rechner wie gewohnt, lud die neuesten Nachrichtenseiten in den Browser, holte die nächtlichen E-Mails ab und schaute in meinem StarMoney nach, ob säumige Kunden nicht vielleicht endlich ihre Rechnung überwiesen hatten. Dieses Prozedere dauert immer ein paar Minuten und macht mich startklar für den Arbeitstag. Nicht aber gestern. Nach etwa zehn Minuten röhrte plötzlich die Festplatte auf, es macht laut vernehmlich "Fump" und ein Bluescreen zeigte sich auf dem Bildschirm: Komplettabsturz.

Über 600 Mails im Postfach

Der Absturz war so heftig, dass ich das Stromkabel des Rechners ziehen und wieder einstecken musste, um den PC neu starten zu können. Anschließend fuhr das System wieder sauber hoch. Mein angefangener Text war natürlich gelöscht und der Bezug der wartenden E-Mails hatte auch nicht geklappt. Ich startete das E-Mail-Programm neu und das begann sofort damit, die wartenden E-Mails auszulesen. Über 600 Mails sollten sich im Postfach auf dem Mail-Server stapeln. Bis das Mail-Programm die alle sortiert und für den Download vorbereitet hatte, würde es eine ganze Weile dauern. Ich legte die Füße auf den Tisch und nahm mir eine PC-Zeitung vor. Doch nach genau zehn Minuten fing das Rödeln wieder an - da wurden anscheinend massig Daten auf der Festplatte abgelegt und umgeschichtet. Das E-Mail-Programm war erst zu 23 Prozent fertig, da machte es wieder "Fump". Absturz.

Beim nächsten Neustart ließ ich das Mail-Programm außer Acht und rief lieber den Web-Mailer auf, um die Spam-Botschaften noch auf dem Server zu löschen. Vielleicht kam ja der Rechner nicht mit den vielen Mails zurecht. Obwohl: 200 Gigabyte freier Speicherplatz auf C: sollten doch eigentlich ausreichen. Noch während ich mich zur Mail-Übersicht klickte, machte es - exakt 10 Minuten nach dem Rechnerstart - wieder "Fump". Absturz. Kacke. An meinen E-Mails lag es jedenfalls nicht.

Das Telefon klingelte. Rainer Lenzing war dran, ein alter Auftraggeber und versierter Technikfreak, der immerhin mal Technischer Leiter beim Systhema Verlag war. Ich schilderte ihm das Problem und beteuerte, nix Neues installiert oder angefasst zu haben. "Ich tippe auf einen Festplattenfehler oder einen defekten Speicherchip", meinte Lenzing und riet mir, eine andere Festplatte einzubauen - zum Testen. Dann könnte ich auch noch die Speicherbausteine einzeln entfernen. Ich rechnete im Kopf durch, wie lange das dauern würde, bis ich das ohne Hardware-Kenntnisse auf die Reihe bekommen würde - und resignierte.

PC-Notruf oder nicht?

In diesem Moment kam meine Frau ins Büro. Was, schon so spät, dachte ich. Au weia, dann sitze ich ja schon drei, vier Stunden an dem Problem. "Was ist denn los?", fragte sie angesichts meines frustrierten Gesichtsausdrucks. Meine Büromieze Antonia antwortete: "Der Computer macht Ärger, und er kriegt's nicht gebacken, das zu reparieren." Na, schönen Dank auch! "Hol doch den PC Notruf", meinte meine Frau und war auch schon wieder verschwunden. Das zum Thema Mitleid. Aber wehe, es hat sich wieder einmal ein Blatt Papier in ihrem Laserdrucker verkeilt, dann bin ich wieder gut genug, um das zu reparieren. JETZT war jedenfalls mein Ehrgeiz geweckt und ich begann, mir eine neue Taktik auszudenken.

Wenn es nicht das von Lenzing beschworene Hardware-Problem war, was ich nicht hoffen wollte, dann musste es eine Software-Problematik sein. Ich startete den Rechner erneut, schloss die externe Festplatte an und sicherte zum ersten Mal seit Monaten alle meine neu geschriebenen Texte, Pressemitteilungen und Rechnungen. Man weiß ja nie. "Fump". Nach dem Neustart sicherte ich auch die Daten meiner wichtigsten Programme, darunter die Favoriten von Firefox, meine Home-Banking-Software, die Word-Texte, den Terminplaner und die Excel-Tabellen. "Fump". Nach dem nächsten Neustart startete ich mein IncrediMail-Programm wieder, das inzwischen vier Gigabyte Mails speicherte. Die musste ich nun auch noch sichern, um anschließend ein altes Image der ganzen Festplatte zurückspielen zu können. Anschließend würde der Rechner sicherlich wieder normal funktionieren. Doch vier Gigabyte sichern sich nicht so schnell. Einmal schaffte ich 30 Prozent - "Fump", dann 55 Prozent - "Fump", dann 67 Prozent - "Fump". Immer nach zehn Minuten machte der Computer schlapp. Mist, Mist, Mist. "Fump", "Fump" und "Fump".

Nach zehn Minuten Absturz

Inzwischen war ich völlig ratlos und begann munter damit, in einer Art Übersprungshandlung mein Büro aufzuräumen. Das hatte es auch einmal dringend nötig. Ich arbeitete mich durch drei Stapelmeter Papier und stellte fest, dass sich die meisten Anfragen bereits von ganz alleine erledigt hatten. Geldscheine fand ich leider keine. Ich begann damit, alle Kabel vom Rechner abzuziehen - Lautsprecher, Drucker, USB-Kabel. Dann legte ich alle Autostarter lahm, also alle Programme, die zusammen mit Windows starteten. Prima, das war doch ein viel versprechender Ansatz. Ich schaute auf die Uhr. Fünf Minuten. Alles ging glatt. 10 Minuten. "Fump". Mist. In meinen Gedanken fand ich noch schlimmere Wörter, aber die schreibe ich hier nicht auf. Ich begann, über den PC Notruf nachzudenken. Aber bis die da wären! Und wieder weg sind. Stunden! Und die Rechnung, die würde auch happig ausfallen.

Am Ende begann ich mutlos damit, Software zu deinstallieren. Ich möchte es gar nicht weiter ausschmücken und auf die Spitze treiben. Plötzlich gab es kein "Fump" mehr. Und nach einem Neustart lief mein System plötzlich dramatisch schneller und vor allem stabiler als vorher. Ich hatte - Trommelwirbel - meine gesamte Security Suite von einem namhaften Hersteller gelöscht, mit Virenscanner und Spyware-Schnüffler. Das war's gewesen. Die Software hatte sich bei der Suche nach Viren so sehr echauffiert, dass es das ganze System in die Knie zwang. Jetzt konnte ich endlich wieder arbeiten. Und diese eine Security Suite, die auf meinem Rechner vorinstalliert war, die packe ich in meinem Leben nicht mehr an. Aber Hallo.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker