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Serie: So schützen Sie Ihren PC

Das Internet ist ein tückisches Terrain, wenn man sich nicht abzusichern weiß. In einer fünfteiligen Serie zeigt Ihnen der stern, wie Sie den Computer gefahrlos nutzen können.

Könnte diese E-Mail infiziert sein? Wird diese Website meinen Rechner krank machen? Warum will meine Bank mein Passwort wissen, und warum verhält sich der PC plötzlich seltsam? Vielleicht ist es ein heimtückisches Virus, ein Wurm, ein Hacker oder ein Krimineller, der an das Konto will. Viele haben zu Recht Angst vor den Gefahren, die im Internet lauern. Und viel zu wenige wissen, wie sie sich vor diesen Plagen schützen können - oder was zu tun ist, wenn sie uns erwischt haben. Dabei fällt es gar nicht schwer, den PC gesund zu halten: Es ist nicht allzu kompliziert, es kostet kaum Zeit, es ist nicht teuer, meistens sogar gratis - und es kann nicht nur Ihnen, sondern auch Ihren Freunden sehr viel Ärger ersparen. Denn die bekommen schließlich die ganzen Viren, wenn Sie sich infiziert haben. Das Schöne ist: Sie sind nicht allein. In den nächsten Wochen möchte Ihnen der stern mit einer fünfteiligen Serie helfen, Ihren PC gegen digitale Krankheiten und Kriminelle zu impfen. Sodass Sie beruhigter im Internet surfen können.

Viren, Würmer und Trojaner sind die Pest des Internets. Viren richten horrende Schäden an, wenn sie Computer von Unternehmen und Behörden stocken lassen. Würmer infizieren ungeschützte PCs und lassen sie Websites angreifen oder Werbemüll verschicken. Trojaner spionieren im Auftrag von Kriminellen Festplatten und deren Besitzer aus. Täglich gibt es mehr dieser Schädlinge: Rund 100.000 Exemplare sind bislang entdeckt worden, sie stammen aus der ganzen Welt. Oft landet sogar Qualität aus deutschen Landen im Postfach wie der im Schwarzwald entstandene Wurm "Phatbot" und die Würmer "Netsky" und "Sasser", deren Autor Sven J. derzeit in Niedersachsen auf den Beginn seines Prozesses wartet.

Bei Windows ist immer Tag der offenen Tür

Das Dilemma: Die Programmierer des Ungeziefers haben immer wieder neue Ideen, es zu verbreiten. Und Windows, das Betriebssystem, das sie am liebsten angreifen, weil es auf den meisten PCs läuft, hat jede Menge Fehler: offene Türen, die geschlossen sein sollten, so aber Viren als Einfalltor dienen. Zurzeit kann es sogar gefährlich sein, auf einem schutzlosen Rechner Bilder im populären jpg-Format anzuzeigen. In ihnen könnte ein Code versteckt sein, mit dem ein Angreifer im schlimmsten Fall den ganzen PC unter seine Kontrolle bringen kann. Wer gerade einen neuen PC gekauft hat und ins Netz geht, ohne sich abzusichern, kann binnen weniger Minuten infiziert sein.

Der PC will gepflegt werden

Panisch müssen Sie nun nicht werden - aber Sie sollten mal drüber nachdenken, wie Sie mit Ihrem Computer umgehen. Der ist kein Videorecorder, den man kauft und der funktioniert, bis er irgendwann kaputtgeht. Nein, Ihr PC ist eher wie ein Auto, das regelmäßig gepflegt werden möchte. Wer will, dass sein Windows-Rechner läuft und läuft, muss dafür sorgen, dass alle Sicherheitslücken abgedichtet sind. Besuchen Sie dazu öfter die Website windowsupdate.microsoft.com. Dort finden Sie den Kitt, den Microsoft für diese Lücken Ihres PCs anbietet. Und das "Servicepack 2" für Windows XP, das Sie dort sogar als CD gratis bestellen können und das dann Ihren Rechner automatisch auf neuem Stand hält. Wenn Sie diese Updates heruntergeladen und installiert haben, können Sie sich freuen, denn Sie sind jetzt schon besser geschützt als viele andere. Zum Beispiel vor Würmern, die nicht per E-Mail angreifen, sondern durch das Netz streifen und bei Rechnern nach Löchern zum Reinschlüpfen suchen.

Unverzichtbar

Aber noch ist nicht alles gut. Denn Sie brauchen unbedingt noch ein Anti-Virus- und ein Firewall-Programm, die es oft als Paar zu kaufen gibt. Ohne die sollten Sie sich mit dem PC nicht auf die Datenautobahn trauen, Sie gefährden sich und andere. Ein Anti-Virus-Programm prüft unter anderem eingehende und zu sendende E-Mails auf Viren oder Würmer und passt außerdem auf, dass niemand auf dem Rechner ein Hintertürchen öffnet. Diese Anti-Virus-Software ist jedoch immer nur so gut, wie Sie sie pflegen: Sie muss stets die neuesten Schädlinge kennen, indem sie deren Beschreibungen aus dem Netz lädt. Und das macht sie meist sogar automatisch.

Wichtiger noch ist eine Firewall, die den Datenverkehr des Rechners überwacht. Das "Service Pack 2" von Microsoft hat zwar so eine eingebaut, auf die sollten Sie sich jedoch nicht verlassen. Richtige Firewalls blockieren bösartige Daten, die versuchen, sich in Ihren PC zu schleichen, und sollten verhindern, dass Programme von Ihrem Computer aus unbefugt auf das Internet zugreifen können - um zum Beispiel die Zugangsdaten Ihres Online-Bankkontos auf weite Fahrt zu schicken.

Die Gefahr sitzt vor dem Monitor

Derart abgesichert, ist Ihr PC, so gut es geht, vor Viren, Würmern und Trojanern geschützt. Doch die größte verbleibende Gefahr sitzt vor dem Monitor. Ja, das sind Sie, Entschuldigung. Denn Sie haben zwar nun ein aktuelles Anti-Viren-Programm und eine frische Firewall auf dem Computer, aber es könnte sein, dass gerade ein sehr neuer Wurm umherschwirrt, den Ihre Software noch nicht kennt und vor dem sie Sie nicht schützen kann. Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie sich auf seltsamen Websites herumtreiben sollten. Und öffnen Sie nie eine E-Mail und deren Anhang, ohne sich eine Sekunde Gedanken gemacht zu haben, ob Ihr Chef wirklich den Betreff "Sex photos inside" wählen würde. Allzu viele Menschen fallen darauf herein - gehören Sie nicht dazu.

Seien Sie kritisch. Aktualisieren Sie regelmäßig Ihr Betriebssystem und Ihre Sicherheitsprogramme, oder lassen Sie das die Software für Sie übernehmen. Nehmen Sie sich diese Zeit auch, wenn Sie mit einem Modem surfen und es etwas länger dauern sollte, die Updates herunterzuladen. Denn es lohnt sich. Und: Keine Sorge, wenn sich Ihr Rechner mal seltsam benimmt. In den seltensten Fällen trägt ein Virus daran Schuld. Das Netz ist voll von PC-Foren, in denen Menschen um Hilfe flehen, weil ihr Mauszeiger plötzlich wild auf dem Bildschirm umhertanzt. Die kurz davor sind, ihren Rechner in Panik komplett zu löschen - um dann mit rotem Kopf die Batterien ihrer drahtlosen Maus zu wechseln.

Sven Stillich / print