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Spiele zu Filmen: Hollywood goes Joystick

Videospiele werden in ihrer Darstellung immer wirklichkeitsgetreuer. Doch nicht nur von der Anmutung her wachsen Spiele und Filme immer mehr zusammen, wie aktuelle Beispiele auf der Games Convention zeigen.

Die zweidimensionalen Spielwelten von "Pacman" und "Space Invaders" waren Anfang der achtziger Jahre noch eine Art visueller Gegenentwurf zum Fernsehprogramm. Die Beschränkung auf die Grundfarben und die kantigen Formen waren damals weit davon entfernt, realistisch zu wirken. Heute sieht das ganz anders aus: Videospiele werden in ihrer Darstellung immer wirklichkeitsgetreuer. Und eine weitere Generation wird es wohl nicht mehr dauern, bis Videospiel und Kino kaum noch zu unterscheiden sind, wie bei der Messe GC - Games Convention in Leipzig deutlich wurde.

Spieleentwicklung bald teurer als Hollywood-Filme

"In fünf Jahren werden die Spiele wie Filme aussehen", sagt der Spieledesigner Peter Molyneux aus England, der bei Deutschlands einziger Messe für Computerspiele sein neues Projekt vorstellte. Diese Entwicklung werde alle Spielgenre betreffen, egal ob es sich um Strategiespiele oder Ego-Shooter handelt, prognostiziert der Brite. "Wir fangen an, die gleichen Leute einzustellen, die heute Filme machen", sagt Molyneux. Die Spezialeffekte in Filmen beispielsweise seien so gut, dass die Spielebranche davon noch einiges lernen könne. Als er sein erstes Spiel entworfen hat, seien sie zu zweit gewesen, sagt Molyneux. "Jetzt sind wir 80." Dem Designer zufolge wird es in Zukunft sogar kostspieliger sein, ein Videospiel herzustellen als einen Film zu drehen. Dafür könne ein Spieler dann aber auch - im Gegensatz zum Zuschauer im Kino - Einfluss auf die Handlung nehmen.

Völlige Freiheit bei der Gestaltung der Handlung sollen Spieler nach dem Willen von Molyneux auch bei seinem neuesten Spiel haben: einer Simulation der Filmbranche mit dem Titel "The Movies". Als Boss eines großen Studios muss der Spieler dabei am Rechner ein Drehbuch und die Schauspieler auswählen, möglichst einen Blockbuster produzieren und auch vor den Augen der Kritiker bestehen. Das Spiel soll im ersten Quartal des Jahres 2004 bei Activision erscheinen.

"Zunehmende Konvergenz"

Ein "zunehmende Konvergenz zwischen Film- und Spiele-Branche" hat auch Atari (vor kurzem aus Infogrames wieder auferstanden) festgestellt und sich die Rechte für die Spielumsetzungen zweier Hollywood-Kassenschlager gesichert: Rechtzeitig zum Beginn des Weihnachtsgeschäftes im November 2003 sollen "Mission: Impossible" und "Terminator 3" in die Läden kommen. "Im Gegensatz zu den Vorgängerversionen wird die Spielfigur diesmal auch aussehen wie Arnold Schwarzenegger", sagt Atari-Sprecher Torsten Oppermann. Wegen der heutigen grafischen Möglichkeiten hat sich der Filmstar laut Oppermann entschlossen, zum ersten Mal bei der Umsetzung eines Terminator-Films in ein Spiel mitzuarbeiten. Der gebürtige Österreicher Schwarzenegger werde in der deutschen Version dem Titelhelden seine Stimme leihen. Die Fans dürften sich zudem auf fünf zusätzliche Filmminuten freuen, die exklusiv für das Spiel mit den "Terminator"-Akteuren gedreht wurden und die Entstehungsgeschichte der "Killermaschine" in ein neues Licht stellen sollen.

Maximale Verknüpfung: "Enter the Matrix"

Atari führt damit die - nicht immer ohne Tücken zu realisierende - Zusammenarbeit mit Hollywood fort, die mit "Enter the Matrix" im Mai 2003 ihren vorläufigen Höhepunkt erlebte: Die Matrix-Regisseure Andy und Larry Wachowski schrieben das Drehbuch sowohl für den Film als auch für das Spiel und drehten außerdem mehr als eine Stunde Extra-Filmmaterial. Nie zuvor waren ein Kinofilm und ein Computer- oder Videospiel auf inhaltlicher Ebene so eng verknüpft, heißt es dazu bei Atari. Das Spiel ist aus Sicht des Herstellers nicht einfach mehr ein Lizenzprodukt. Vielmehr stelle es eine völlig neue Herangehensweise bei der Produktentwicklung dar.

Harry und Hobbits

Noch nicht ganz so eng mit der kalifornischen Traumfabrik verwoben sind die angekündigten neuen Spiele der Atari-Konkurrenten Eidos und Electronic Arts. Aber auch diese Unternehmen bringen zum Kinostart im Herbst entsprechende Spiele auf den Markt. Das Remake des Gangsterstreifens The Italian Job begleitet Eidos mit Sitz in Hamburg mit einem Autorennspiel gleichen Namens, bei dem der Spieler mit einem Mini-Cooper in rasanten Verfolgungsjagden durch Los Angeles fährt. Electronic Arts (EA) in Köln setzt neben Harry Potter: Quidditch Weltmeisterschaft bei den Filmadaptationen vor allem auf Der Herr der Ringe -- Die Rückkehr des Königs. Das Spiel basiere auf den Umgebungen des bald erscheinenden Kinofilms, betont EA. Die deutschen Film-Synchronsprecher haben dem Unternehmen zufolge die acht spielbaren Figuren -- zum Beispiel Frodo, Gandalf, Aragorn und Sam -- vertont. Zumindest akustisch dürfen sich Herr-der-Ringe-Fans dann schon wie im Film fühlen, wenn sie am Ende die Welt retten können und den Ring in die Tiefen des Schicksalsberges schleudern.

Arnd Petry / DPA