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Trainingsprogramm für neue Mitarbeiter: Diese Dinge lernt man an der Apple-Universität

Picasso ist das große Vorbild, Google nur ein abschreckendes Beispiel: Die "New York Times" gibt Einblick in die "Apple University", an der neue Apple-Mitarbeiter auf ihren Job vorbereitet werden.

Apple-Mitarbeiter sind nicht gerade dafür bekannt, Interna zu verraten. Was neue iPhones, iPads oder iMacs angeht, hüllen sie sich meist in Schweigen. Aber nun haben drei von ihnen geplaudert: Über die "Apple University", das Ausbildungsprogramm, mit dem neue Angestellte auf ihre Zeit im Unternehmen vorbereitet werden. Unter der Bedingung, anonym zu bleiben, sprachen sie mit der "New York Times" über die Kurse, die sie auf dem Apple-Campus in Cupertino besucht haben.

Ein Konzernsprecher hatte sich zuvor geweigert, der Zeitung einen Interviewtermin mit einem der Dozenten gegeben. An der "Apple University" unterrichten laut "New York Times" Professoren von US-Eliteuniversitäten wie Harvard, Stanford oder Berkeley. Entwickelt wurde das Programm 2008 vom damaligen Dekan der Universität Yale. Die Kurse sollen neue Angestellte an die Unternehmensphilosophie heranführen, Kritiker sagen: indoktrinieren. Sie sind zwar nicht verpflichtend, doch die meisten Apple-Neulinge besuchen sie angeblich freiwillig.

Drei Knöpfe sind besser als 78 Tasten

Und wie es bei Apple nun einmal so ist, gibt man sich nur mit dem allerbesten zufrieden. Als Vorbild für das richtige Design muss zum Beispiel niemand Geringeres herhalten als Pablo Picasso. Wie die Mitarbeiter berichten zeigte ein Dozent vom Trickfilmstudio Pixar in seinem Kurs dessen Studie "Der Stier". In elf Schritten hat der Künstler darauf das Bild eines Bullen soweit reduziert, bis das Tier nur noch aus wenigen Strichen besteht. Genauso sollten die Kursteilnehmer ihre Produkte entwerfen, minimalistisch und aufs Wesentliche beschränkt. Wie zum Beispiel bei der Apple-Maus, die anfangs noch Tasten hatte, dann nur noch ein Mausrad und am Ende noch nicht einmal mehr das.

Ganz im Gegenteil zu einer Fernbedienung vom Rivalen Google, die in einem anderen Kurs als abschreckendes Beispiel diente. Sage und schreibe 78 Tasten hatte das Gerät - das Apple-Pendant hingegen nur drei: einen Knopf um Videos zu starten und zu stoppen, einen zum Auswählen und einen für das Hauptmenü. Bei Google hätte eben jeder einzelne beteiligte Ingenieur seinen Willen bekommen, soll der Dozent erklärt haben, während bei Apple die Designer das letzte Wort hatten.

Sogar das Klopapier ist toll

Doch anscheinend wird nicht überall derartig dem Minimalismus gefrönt. Eine andere Unterrichtseinheit beschäftigte sich mit Steve Jobs Philosophie, sich immer mit "den besten Dingen" zu umgeben - hochwertige Materialien und talentierte Mitarbeiter zum Beispiel - damit man auch selbst sein Bestes geben könne. Ein Grundsatz der an der "Apple University" wohl bis ins kleinste Detail gelebt wird: "Sogar das Toilettenpapier in den Klos ist ganz toll", erzählt ein ehemaliger Student in der "New York Times".

Timo Brücken