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Widgets: Kleine Helfer mit Tücken

Sie zeigen das Wetter oder Aktienkurse an, dienen als Notizzettel oder beobachten Ebay-Versteigerungen: Widgets, manchmal auch Gadgets genannt. Tausende dieser kleinen Helfer sind online verfügbar. Experten raten aber zu einem vorsichtigen Umgang.

Die Widgets oder auch Gadgets genannten Programme können meistens kostenlos heruntergeladen werden. Die Funktion ist sehr einfach, das Aussehen oft schick. Sie zeigen das Wetter oder Aktienkurse an, dienen als Notizzettel oder beobachten Ebay-Versteigerungen. Einige Betriebssysteme bringen bereits eine eigene Widget-Sammlung mit. In der Sidebar von Windows Vista beispielsweise können Benutzer unter anderem ihre Termine in einen Kalender eintragen oder eine Neuauflage des Spiele-Klassikers Pong spielen.

Mac-Benutzern steht seit der OS X-Version 10.4 das Dashboard zur Verfügung. Von dort aus können Nutzer via Widget Wikipedia lesen und Beiträge editieren, den eigenen Kalorienhaushalt überwachen oder sich den Text des Liedes anzeigen lassen, das gerade auf dem Computer läuft. Zum Sortiment gehören auch skurrile Mini-Programme wie "Lobster Petting" - ein virtueller Streichelzoo mit einem Hummer als einzigem Insassen - oder ein Widget, das hin und wieder Fakten über Action-Darsteller Chuck Norris zum Besten gibt. Insgesamt stehen auf www.apple.com mehr als 3000 Widgets zum Download zur Verfügung.

"Widgets sind dazu da, kleine Informations-Brocken oder Statusmeldungen schick zu präsentieren", erklärt Andreas Beier von der Computerzeitschrift "c't". Sinnvoll eingesetzt, können sie Zeit sparen: "Weil beispielsweise beim Dashboard ein Tastendruck zu vielen kleinen Programmen führt. Mit einem weiteren Tastendruck sind sie wieder weg, wenn sie nicht mehr gebraucht werden." Das kann praktisch sein, wenn es etwa darum geht, nur mal schnell einen Geldbetrag in eine andere Währung umzurechnen.

Irgendwann wird entschlackt

Manche Benutzer merken allerdings mit der Zeit, dass einige Widgets doch nicht so nützlich sind, so Beiers Beobachtung. "Wer den ganzen Tag sein E-Mail-Programm laufen hat, braucht kein Widget, das meldet, wenn eine neue Mail gekommen ist."

Candid Wüest, Sicherheitsspezialist beim Anti-Viren-Software-Hersteller Symantec in Zürich, rät Benutzern, nur Widgets aus vertrauenswürdigen Quellen zu nutzen. Ein Beispiel sind die Webseiten großer Computerzeitschriften. "Wie bei jedem anderen Programm gilt auch hier, den Kopf einzuschalten, bevor man etwas herunterlädt." Denn die oft einfach programmierten Widgets machen es Angreifern leicht, unerwünschte Software einzuschleusen.

Dass nicht viele Fälle bekannt sind, in denen das passiert ist, liege vermutlich daran, dass Widgets noch nicht allzu stark verbreitet seien, so Wüest. "Es ist leider sehr einfach, solche Schadsoftware zu erstellen und damit beispielsweise private Daten auszulesen. Deshalb wird es auch wieder vorkommen."

Das Softwareunternehmen Finjan warnt in seinem Web-Sicherheits-Report ebenfalls davor, dass Widgets in Zukunft häufiger als bisher von Angreifern missbraucht werden könnten: "Ich empfehle Benutzern, zu überprüfen, ob es für ihre bereits installierten Widgets neue Versionen oder Sicherheitsupdates gibt", sagt Yuval Ben-Itzhak, Entwicklungsleiter bei Finjan im israelischen Netanya.

Juliane Mroz/DPA / DPA