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Neues Microsoft-Betriebssystem: Windows 10 - nur ein aufgemotztes Windows 7

Nach 8 kommt 10: Microsoft hat sein neues Betriebssystem Windows 10 vorgestellt, das sich am beliebten Windows 7 orientiert. Das verspricht Erfolg, könnte das Unternehmen aber langfristig lähmen.

Von Christoph Fröhlich

Windows ist noch immer das am häufigsten benutzte PC-Betriebssystem der Welt - doch schon längst nicht mehr das beliebteste. Vor allem die aktuellen Generationen Windows 8 und 8.1 avancierten zum Ladenhüter, mehr noch: zum Feindbild der meisten PC-Nutzer. Die Software mit den knallbunten Kacheln wollten viele nicht einmal geschenkt. Nach zwei Jahren dümpelt die Software bei mickrigen zwölf Prozent Marktanteil herum, trotz gigantischer Marketing-Kampagnen und Rabattangebote. Zum Vergleich: Selbst das 13 Jahre alte Windows XP nutzen noch doppelt so viele Menschen, obwohl es längst hoffnungslos veraltet ist.

Auf die 8 folgt die 10

Am Dienstag stellte Microsoft sein neues Betriebssystem vor - und das überraschte mit einem ungewöhnlichen Namen: Windows 10. Warum nicht Windows 9? Das erklärt Microsoft-Manager Terry Myerson wie folgt: "Eigentlich wäre jetzt Zeit für Windows 9. Doch wir kennen das Produkt, das jetzt kommt, und wissen, wie anders es ist. Windows 9 wäre dafür nicht der richtige Name, weil es keine stufenweise Weiterentwicklung ist. Deshalb nennen wir es Windows 10."

Eine kuriose Erklärung, die man nicht so recht glauben kann. Denn der Schritt von Windows 8 zu 10 sorgte nicht nur bei den in San Francisco anwesenden Journalisten für verdutzte Gesichter, sondern auch bei vielen Nutzern. Und wenn sich Microsoft nach dem Windows-8-Debakel eines nicht leisten kann, dann ist es noch mehr Verwirrung seitens der User.

Ein Twitter-Nutzer kommentiert scherzhaft: "Mit Rücksicht auf den deutschen Markt hat Microsoft das 'Windows Nein' übersprungen." Die Realität dürfte so aussehen, dass Microsoft-Chef #link;v;Satya Nadella# Windows 8 um jeden Preis vergessen machen und möglichst viel Abstand zum ungeliebten Betriebssystem gewinnen wollte.

Nur: So revolutionär, wie Microsoft Windows 10 anpreist, ist die Software im jetzigen Stadium gar nicht. Eigentlich handelt es sich bislang nur um ein aufpoliertes Windows 7, das mit einer Handvoll Features aus Windows 8 aufgemotzt wurde. So gibt es weiterhin den Snap Mode, der zwei Inhalte gleichberechtigt auf einem Bildschirm darstellt. Die Live Tiles, sich selbst aktualisierende Kacheln, die etwa eingehende Nachrichten anzeigen. Und - endlich - einen universellen App Store, der Programme für alle Bildschirmgrößen anbietet, vom Smartphone bis zum TV. Im Kern aber bleibt es Windows 7, da der Desktop im Mittelpunkt steht und nicht die Kachel-Menüs des Vorgängers. Zurück zu den Wurzeln. Zurück zum Erfolg.

Microsoft fehlt der Mut

Die Entscheidung mag aus wirtschaftlicher Sicht verständlich sein. Vor allem Firmenkunden, mit denen Microsoft die fetten Umsätze generiert, zierten sich vor dem Umstieg auf Windows 8. Um zu zeigen, dass man gelernt hatte, konnte Microsoft-Mann Myerson auf dem Event gar nicht oft genug betonen, wie "familiar", also vertraut, die ganze Arbeitsumgebung in Windows 10 nun sei. Altbekanntes statt Überraschung - das kann kurzfristig helfen, langfristig aber lähmen. Vor allem in einer sich so schnell verändernden Branche.

Denn so miserabel die Umsetzung von Windows 8 in einigen Punkten ist, es war dennoch ein mutiger Versuch, die Nutzungsgewohnheiten zu verändern und die Software von Tablets und Desktop-Computern zu vereinen. Statt an der Umsetzung zu feilen und beide Ebenen geschickt miteinander zu vereinen, vollzieht Microsoft nun die Kehrtwende. Windows 10 ist das beste Windows 7 aller Zeiten. Doch auf den ersten Blick erkennt man nicht einmal, aus welchem Jahrzehnt die Software eigentlich stammt. Es wirkt, als habe Microsoft die Freude am Experimentieren verloren.

Wie Windows 10 auf weiteren Plattformen - etwa der Xbox One oder Windows Phone - aussieht, ist bislang nicht bekannt. Eine Software für alle Geräte, das ist die vielleicht bemerkenswerteste Neuerung. Und einige Features wurden auch noch nicht gezeigt. Die fertige Version von Windows 10 erscheint Ende 2015. Bis dahin wird Microsoft das Feedback der Nutzer auswerten. Und hoffentlich seinen Mut zurückgewinnen.

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