WLan-Community Fon Im Netz fremder Freunde


Zu Hause kabellos im Internet zu surfen, ist Normalität. Doch unterwegs gibt es häufig gar keine Hotspots oder ihre Nutzung ist teuer. Das spanische Unternehmen Fon will das mit einer globalen Funknetz-Community ändern.
Von Felix Disselhoff

Zugegeben, es hört sich reichlich sozialistisch an: ein freies Funknetzwerk für jedermann. Doch wenn man dem argentinischen Dot-Com-Milliardär Martin Varsavsky Glauben schenkt, scheint die Idee gar nicht so verrückt: Er vertreibt "Fon", eine Software, die es DSL-Nutzern ermöglicht, ihren Anschluss auch für Außenstehende zu öffnen und als Hotspot zu betreiben. Im Gegenzug dazu dürfen sie weltweit gratis bei allen anderen Fon-Mitgliedern, auch "Foneros" genannt, mitsurfen.

Drei Nutzertypen: So funktioniert Fon

Die Mitglieder der Fon-Gemeinschaft, die einen Zugangspunkt betreiben, können zwischen drei verschiedenen Nutzungsmodellen wählen.

Linus:

Der Nutzertyp Linus stellt seinen Internetzugang mit Hilfe eines Fon-Routers anderen Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung. Dafür erhält er ebenfalls kostenfreien Zugang bei Zugangspunkten aller anderen Fon-Mitglieder weltweit. Dieser Nutzertyp erhielt seinen Namen in Anlehnung an den Linux-Entwickler Linus Torvalds.

Bill:

Der Nutzertyp Bill teilt ebenfalls seinen Internetzugang, allerdings gegen Gebühren. Dieses Modell ist besonders für Restaurant- und Cafébesitzer interessant. Ein Besucher kann sich einloggen und für drei Euro pro Tag den Hotspot nutzen. Die Hälfte der Einnahmen geht an den Gastronom, die andere Hälfte teilen sich Fon und der jeweilige Internet Service Provider. Bills erhalten keinen kostenfreien Netzzugang bei anderen Fon-Mitgliedern, sondern müssen diesen zwei Euro pro Tag bezahlen. Worauf sich der Name dieses Nutzertyps bezieht, ist nicht ganz klar: Unternehmensgründer Martin Varsavsky sagte auf einer Konferenz, "Bill" beziehe sich auf Bill Gates. Im deutschen Blog der Fon-Mitarbeiter hingegen heißt es, "Bill" stamme vom englischen Wort "bill" ("Rechnung") ab.

Alien:

Aliens (Fremde) werden Nutzer genannt, die keinen eigenen Fon-Zugangspunkt betreiben. Sie müssen für den Internetzugang so genannte "Tageskarten" von Fon kaufen. Bezahlt werden kann mit Kreditkarte, über Paypal und bald per SMS.

"La Fonera" überwacht den Verkehr

Ein spezieller Fon-Router mit dem Namen "La Fonera" schützt die privaten Rechner vor unerlaubtem Zugriff. Gleichzeitig garantiert er, dass Außenstehende nicht die gesamte Internetkapazität verbrauchen, sondern mindestens die Hälfte der Bandbreite zur Eigennutzung bleibt. Die Fon-Mitglieder werden auf Google-Maps-basierten Landkarten eingetragen. Die Standorte sind online abfragbar.

Wer bereits einen Router besitzt, kann diesen unter Umständen über ein Update der internen Software des Geräts ("Firmware") fon-fähig machen. Welche Router kompatibel sind, steht auf der Fon-Website. Zurzeit umfasst die Liste allerdings nur sechs Geräte von zwei Herstellern.

Mächtige Investoren

Gegründet wurde die Fon-Initiative im November 2005. Bereits im Februar 2006 sorgte Fon für viel Aufsehen, als es Varsavsky gelang, unter anderem die beiden Internetgiganten Google und Skype als Investoren für sein Projekt zu gewinnen. Sie finanzierten das Projekt mit mehr als 20 Millionen Dollar.

Bis heute hat Fon nach eigenen Angaben weit über 370.000 registrierte Mitglieder, davon mehr als 42.000 in Deutschland. Damit sei Fon die am schnellsten wachsende Hotspot-Community. Die Vision: Bis zum Jahr 2010 sollen eine Million Fon-Hotspots weltweit verfügbar sein.

Von flächendeckender Verfügbarkeit kann in Deutschland noch nicht die Rede sein. Die Karte auf der Fon-Webseite zeigt nur wenige dunkelgrüne Punkte - sie stehen für rund um die Uhr eingeschaltete Netze. Um mit einem WLan-Handy zu telefonieren, wie Fon es gemeinsam mit dem Internettelefoniedienst Skype anbietet, reicht das noch nicht.

Hier zeigt sich die Schattenseite einer solchen Community. Der Erfolg hängt nun davon ab, wie gut das Unternehmen die User von ihrer Idee überzeugen kann. Erst ab einer Größe von mehr als 500.000 Usern wirft Varsavskys Investition Gewinne ab. Einen Großteil seines Vermögens machte der Argentinier im Jahr 2000 mit dem Verkauf des spanischen Internetzugangsanbieters Ya.com für rund 500 Millionen Euro.

Rechtliche Schranken

Ein Problem stellt die rechtliche Lage bezüglich der Verwendung des Internetzugangs dar. Internetzugänge der großen Internetdienstanbieter in Deutschland dürfen bisher in der Regel nicht dauerhaft Dritten zur Verfügung gestellt werden. Heute gestatten jedoch einige deutsche Internetdienstanbieter die unentgeltliche Teilung des Internetzugangs ("Linus"-Modell). Die kommerzielle Nutzung ("Bill"-Modell) ist bei vielen deutschen Anbietern zurzeit problematisch oder ausgeschlossen.

Es ist auch unklar, was passiert, wenn ein Fonero sich in den Router eines anderen Fonero einwählt, um illegale, zum Beispiel kinderpornographische Inhalte zu verbreiten. Dem Unternehmen wären die Nutzerdaten bekannt. Ob Fon jedoch reagiert, bevor Polizeibeamte den heimischen Computer beschlagnahmen, ist fraglich.

Ein weiteres Problem sind Mängel in der Datensicherheit. Der seit Oktober 2006 ausgelieferte Fon-Router sendet mit zwei getrennten Schlüsseln, einem öffentlichen und einem verschlüsselten für den abgesicherten privaten Zugang.

Fon bietet dem Nutzer bisher keine Möglichkeit, das öffentliche Signal zu verschlüsseln. Das ergibt zwar Sinn, weil fremde Foneros sich ja ohne weitere Probleme in den Router einloggen können müssen. Aber: Alle übertragenen Daten wie Benutzernamen, Passwörter und E-Mails, sind im Sendegebiet eines Routers für Dritte mit Hilfe entsprechender Software mitlesbar. Dies ist vor allem problematisch, da Kriminelle die Fon-Hotspots mühelos im Internet ausspähen können. So müssen sie dann nur vor Ort warten, bis sich ein potenzielles Opfer in den "La Fonera" einloggt.

Fazit

Schafft es Fon in naher Zukunft tatsächlich, ein flächendeckendes WLan aufzubauen und seine Kinderkrankheiten auszumerzen, wird auch die Gemeinde der Foneros wachsen. Nur, wenn ich unterwegs selbst das Internet anderer User nutzen kann, lohnen sich die knapp 40 Euro für einen eigenen Fon-Router. Die wachsende Zahl der Handys mit integriertem WLan eröffnet der mobilen Kommunikation in Verbindung mit Fon völlig neue Möglichkeiten und könnte das Telefonieren innerhalb von Ballungsräumen revolutionieren.


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