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Xbox 360: Ein teures Spielzeug

Im heiß umkämpften Markt der Spielkonsolen hat Microsofts Xbox 360 massive Probleme: Sie geht so oft kaputt, dass der Konzern eine Milliarde Dollar für Reparaturen einplanen muss. Einige Nutzer haben mehr als zehn Austauschgeräte bekommen.

Von Carsten Görig

Wenn vorn drei rote Lämpchen brennen, geht nichts mehr. Dann ist Microsofts Spielekonsole Xbox 360 kaputt, jetzt hilft nur noch der Kundenservice. "Red ring of death" - Roter Ring des Todes, so nennen Spieler dieses Zeichen, denn die Lampen sind im Kreis arrangiert. Der Amerikaner Justin Lowe hat diese Todesanzeige schon oft gesehen.

Immerhin nimmt Microsoft den kostenlos vor – und das ist richtig teuer: Für Reparatur und Austausch hat der Konzern jetzt mehr als eine Milliarde Dollar zurückgelegt und erstmals offen zugegeben, dass es bei der Xbox 360 eine "unakzeptabel hohe Anzahl von Reparaturen" gegeben habe. Die Garantiezeit für den Fall eines roten Rings des Todes wird auf drei Jahre verlängert, neu gebaute Geräte haben angeblich schon ein anderes Innenleben. Die Probleme kommen für Microsoft zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn der Kampf um den Milliardenmarkt Videospiele ist im vollen Gang.

Noch liegt die Xbox 360 mit insgesamt mehr als elf Millionen verkauften Exemplaren weltweit vorn, doch der Absatz von April bis Juni hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. In Europa geht die Konsole längst nicht so gut wie erhofft, in Japan liegt sie abgeschlagen hinten. Die Konkurrenz holt auf – und dabei ist sie später in den Markt gestartet. Die innovative Wii-Konsole von Nintendo verkauft sich deutlich besser als erwartet, und auch Sony legt mit seiner Playstation 3 zu. Negativ wirkt sich das Reparaturfiasko auch auf Microsofts Pläne aus, die Spielekonsole Xbox 360 zu einer Medienzentrale für das Wohnzimmer zu machen.

Microsoft bestreitet die Vorwürfe und schiebt sie auf unsachgemäßen Gebrauch.

Sie soll Empfänger für Internetfernsehen werden, heruntergeladene Filme, Musik und Videos speichern und an angeschlossene Geräte im ganzen Haus liefern. Aber wer möchte schon in der Angst leben, dass sich das Herzstück des Wohnzimmers immer wieder in die Reparatur verabschiedet? Grund für die hohe Ausfallrate ist nach Expertenmeinung der Aufbau der Spielekonsole: Das Innere wird zu heiß, der Lüfter schafft es nicht, wichtige Teile ausreichend zu kühlen.

Das ist aber nicht das einzige Problem der Xbox 360: Laut eines holländischen Fernsehberichtes kann das Gerät im Betrieb Spiele-DVDs zerkratzen und damit unbrauchbar machen. Sogar die EU-Kommissarin Meglena Kuneva hat sich in den Fall eingeschaltet. Microsoft bestreitet allerdings die Vorwürfe und schiebt sie auf unsachgemäßen Gebrauch.

Das verlorene Vertrauen der Kunden zurückgewinnen

Die Fehleranfälligkeit der Xbox 360 ist nicht die einzige Sorge, die Microsoft hat. 1,89 Milliarden Dollar Verlust hat die für die Xbox zuständige "Entertainment and Devices Division" im vergangenen Geschäftsjahr gemacht. Auch der Absatz des neuen Betriebssystems Windows Vista läuft nicht so, wie es sich vor allem die PC-Hersteller erhofft haben, um das Geschäft mit Computern anzukurbeln. Schlimmer noch sieht es bei dem MP3-Spieler Zune aus. Der wurde als Konkurrenz zu Apples iPod in den US-Markt geschickt, hat sich aber seit dem vergangenen Herbst nur rund eine Millionen Mal verkauft.

Apple dagegen hat mehr als 100 Millionen iPods abgesetzt. Wann der Zune nach Deutschland kommt, ist offen. Schwierige Zeiten also, denn das Unternehmen versucht, sich unabhängiger vom Softwareverkauf zu machen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Das verlorene Vertrauen der Kunden in die Xbox 360 muss erst einmal zurückgewonnen werden. Denn nicht jeder von ihnen wird so geduldig sein wie Justin Lowe. Der ist auch bei seiner zwölften Konsole noch von der Xbox 360 überzeugt: "Ich bin immer noch ein großer Fan, trotz aller Probleme."

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