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Zu früh, zu teuer: Neue iPads empören Apple-Fans

Apple hat am Dienstag ein ganzes Ensemble neuer Produkte vorgestellt. Doch nicht alle Fans sind über den Geräte-Reigen erfreut und lassen im Netz Dampf ab. Vor allem das iPad 4 erhitzt die Gemüter.

Von Christoph Fröhlich

Als Apple im März das iPad 3 vorstellte und es als das "neue iPad" anpries, ahnte niemand, dass es in sechs Monaten bereits zum alten Eisen gehören würde. Denn mit der überraschenden Vorstellung des iPad 4 - offiziell heißt es "iPad der vierten Generation" - am Dienstag hat Apple das bisherige Spitzen-Tablet auf einen Schlag deklassiert - und so viele Käufer verärgert. "Als iPad-3-Besitzer kommt man sich schon ein klein wenig verarscht vor", schreibt Twitter-Nutzer AppleCases99. Ähnlich erregt reagierte der User Apfelchips, der spöttisch fragt: "Jetzt schon ein iPad 4? Hallo, sind wir hier bei Samsung oder wie?"

Zorn auf Apples Update-Politik

Dass technische Geräte nach wenigen Monaten nicht mehr auf dem neuesten Stand sind, ist gar nicht der Kern der User-Kritik. Und obwohl das iPad 3 hierzulande kein LTE beherrscht, kauften viele Menschen das Gerät trotzdem, weil sie kein ganzes Jahr auf das iPad 4 warten wollten. Denn normalerweise aktualisiert Apple seine Produkte im Jahresturnus, im Frühjahr das iPad, im Sommer das Mac-Betriebssystem OS X, im Herbst das iPhone samt der Software iOS. Planmäßig wäre das iPad 4 also erst im März 2013 an der Reihe gewesen.

Dass Apple sein 800 Euro teures Premium-Gerät plötzlich nach einem halben Jahr durch eine neue Version ersetzt hat, sorgt für Staunen - und Enttäuschung. Wenige Stunden nach der Präsentation scherzte der User Kopfkomponist: "So langsam könnte Apple mal wirklich das iPad 5 präsentieren! Wer will denn jetzt noch ein iPad 4? Das ist doch schon STUNDEN alt."

Kleines Entgegenkommen von Apple

Das iPad 4 ist kein grundsätzlich überarbeitetes Gerät. Die Neuerungen sind eher kleine Optimierungen, so gab es leichte Verbesserungen an der Kamera, und das ultraschnelle mobile Internet LTE wird nun auch in Deutschland unterstützt, wenn auch wie beim iPhone 5 nur im Netz der Deutschen Telekom. Die größte Änderung ist der neue Prozessor unter der Haube, der doppelt so schnell sein soll wie der Vorgänger.

Apple hat laut einigen US-Seiten bereits auf die Kritik der User reagiert und erlaubt einigen Kunden, ihr "altes" iPad 3 kostenlos gegen die vierte Generation auszutauschen. Allerdings nur unter bestimmten Umständen: Derzeit gilt das Angebot nur in den USA und auch nur für iPads, die innerhalb der letzten 30 Tage gekauft wurden. Deutsche Nutzer sind von der Regelung bislang ausgenommen.

Ärger um das kleine Schwarze

Auch das iPad Mini löst gemischte Reaktionen aus: Während viele Techjournalisten nach einem kurzen Ausprobieren das Handling des Tablet-Zwergs loben, empören sich viele Nutzer über den Preis: 329 Euro verlangt Apple für die Einsteigerversion seines Multimedia-Winzlings, in der Premiumversion mit 64 Gigabyte Speicherplatz und mit mobilem Internet werden gar 659 Euro fällig. Viele Fans hofften auf einen ähnlich günstigen Preis, wie ihn Google mit seinem Siebenzöller Nexus 7 und Amazon mit seinem Kindle Fire HD bietet. Beide Geräte werden für 199 Euro an den Mann gebracht.

Frust gibt es auch wegen des neuen Displays: Mit einer Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln bietet das kleine Gerät dieselbe Auflösung wie das iPad und iPad 2 - aber keine Retina-Qualität wie beim iPhone 5 und iPad 3. Das hat den Vorteil, das Apps nicht extra angepasst werden müssen - qualitativ ist das aber ein Rückschritt für den Konzern, der Maßstäbe setzen und stets hohe Qualität liefern will. Sowohl Google als auch Amazon bieten mit ihren Mini-Tablets mit 1280 mal 800 Pixeln eine höhere Auflösung als das iPad Mini - auf einem kleineren Bildschirm wohlgemerkt.

Verkaufen wird sich das iPad Mini pünktlich zum Weihnachtsgeschäft trotzdem blendend. Doch die Enttäuschung vieler Fans könnte für den Konzern auf Dauer ein Nachspiel haben: Einige User haben bereits angekündigt, wegen des hohen Preises ins Android-Lager zu wechseln.

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