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Kitschige Reklame aus Japan Dieses Werbeplakat macht alle Designer dieser Welt glücklich – wetten?!

Ein völlig überladenes, kitschigbuntes Werbelakat für japanische Nudeln
Und das ist das Endergebnis: So sollen Kunden Lust auf hippe japanische Käsenudeln bekommen.
© Nissin Cup Noodles
Es ist grellbunt, absurd und völlig überladen. Aber mit diesem Werbeplakat für Käsenudeln aus dem Becher macht eine japanische Firma alle Grafikdesigner froh – die Werbekampagne zum Plakat ist nämlich echt selbstironisch, sehr witzig und würdigt den Berufsstand liebevoll.

Designer wissen, was sie tun. Und trotzdem wollen ihre Auftraggeber immerzu mitreden und merkwürdige Sonderwünsche anbringen. Von extrem unkonkreten Vorgaben bis hin zu völlig widersprüchlichen Forderungen erleben Menschen in der Designbranche so ziemlich alles. Und machen das Beste daraus. Dieses professionelle, aber oft unsichtbare Arbeiten würdigte jetzt ausgerechnet einer ihrer sonst oft so nervigen Kunden. Und zwar auf sehr witzige Art und Weise.

Wenn Twitter-User über Werbung entscheiden

Die japanische Firma Nissin Cup Noodles ist eine der führenden Marken für Instant-Nudeln aus dem Plastikbecher. Wahrscheinlich weder ein großer Genuss noch übermäßig gesund, aber auch hierzulande hat die 5-Minuten-Pasta ja ihre Fans.

Nissin wollte eine neue Geschmacksrichtung vorstellen. Jetzt hätte die Firma einfach in allen japanischen Großstädten, Zügen und Magazinen ansprechende Werbung anbringen können. So, wie man das eben macht. Doch dieses Mal entschied Nissin sich, aus dem Weg zur Werbung die eigentliche Werbung zu machen. Und zwar auf Twitter.

Dort postete der Nudelhersteller dieses Foto:

Ein Plakat für japanische Nudeln mit Anmerkungen am Rand
So sah die erste Version des Plakats für den Nudelsnack aus.
© Nissin Cup Noodles

Ein nicht besonders knalliges, aber soweit doch ganz hübsches Motiv für ein Werbeplakat, mit dem die neue Nudelsorte "Käse & Seafood" angepriesen werden soll. Aber an den Rand wurden zahllose Kommentare und Verbesserungsvorschläge gekritzelt. Und alle waren auf genau die Art absurd, wie es Designer täglich erleben.

"Schwarze Haare erinnern eher an Tintenfischnudeln"

"Schwarze Haare erinnern eher an Tintenfischnudeln, gebt denen einen käsigeren Touch", steht da übersetzt, oder "Bitte zeigt, dass das Produkt der Hit im Internet ist!" Außerdem solle das Model mehr lachen, "besonders mit den Augen", der Hintergrund solle mehr nach Bauernhof aussehen und es solle rüberkommen, "dass nicht nur Menschen unser Produkt lieben". Uff.

"Bitte gebt uns einen Moment, um hier noch einige Fehler zu verbessern, die der Kunde angemerkt hat", postete die Nudelfirma dazu. Und genau das taten die Nissin-Werbegrafiker. Bald darauf war eine "optimierte" Version zu sehen.

Ein schrillbuntes Werbeplakat für japanische Nudeln
Die Haare haben jetzt die Farbe von Käse und auch Tiere sind zu sehen – die optimierte Fassung des Plakats.
© Nissin Cup Noodles

Das Model hat jetzt käsegelbe Haare und lacht übertrieben künstlich. Im Hintergrund tummeln sich auch Nicht-Menschen – eine Kuh, Schweinchen und ein Panda – und auf Heißluftballons prangen plakativ Internet-Buzzwords. Schon jetzt ist das Bild völlig überladen und macht, zugegeben, schlicht keinen Sinn.

Die Werbung des Grauens

Aber "der Kunde" ist immer noch nicht glücklich. Die Nudelfirma spinnt die Story gnadenlos weiter.

Ein schrillbuntes Werbeplakat mit vielen Anmerkungen am Rand
Immer noch nicht gut genug! Die Kunden wollen mehr, mehr, mehr ...
© Nissin Cup Noodles

Die neuen Forderungen sind noch wahnsinniger. "Ihre rechte Hand ist leer? Macht, dass sie einen Laptop hält!", "Die Vögel sollen wie das Twitter-Logo aussehen!", "Der allgemeine Look muss futuristischer sein!", "Das Produkt soll wie die perfekte Kombination zu Wein rüberkommen!", "Zeigt, dass sogar Aliens neidisch auf die Nudeln sind!"

Außerdem hätten die Schweinchen nichts mit dem Produkt zu tun – weshalb sie doch bitte schlafend dargestellt werden sollen. Der Panda müsse hingegen mehr wie eine Kuh aussehen, von der ja die Milch für den Käse stamme.

Und wie Designer nun mal so sind – immer bemüht, ihre Kunden zufrieden zu stellen – wurden auch alle diese Wünsche erfüllt. Und heraus kam das Plakat, dass wir wohl viel öfter sehen würden, wenn sich in Verhandlungen um Werbung nicht schlussendlich doch noch jemand mit Sinn und Verstand einschalten würde. Was gottseidank wohl doch häufiger passiert, als uns bewusst ist. Ein Motiv, das so albern und schrill ist, dass es jedem Designerauge Schmerzen bereitet:

Ein völlig überladenes, kitschigbuntes Werbelakat für japanische Nudeln
Und das ist das Endergebnis: So sollen Kunden Lust auf hippe japanische Käsenudeln bekommen.
© Nissin Cup Noodles

Das wäre doch der richtige Moment, einmal alle Designer zu würdigen, die uns so oft und so unerkannt vor solcher Werbung beschützen, indem sie mit Kenntnis und Diplomatie an ihren Idealen festhalten.

WT

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