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Angeblich Lebensgeschichte geklaut: Gangster-Tochter verklagt "GTA V"-Entwickler

Karen Gravano ist die Tochter eines berühmten New Yorker Mafia-Bosses. Nun hat sie die Entwickler von "GTA V" verklagt - weil das Videospiel angeblich unerlaubt ihre Lebensgeschichte nacherzählt.

Von Timo Brücken

Eigentlich hat Karen Gravano kein Problem damit, dass die Leute wissen, für wen ihr Vater früher gearbeitet hat. Dass Salvatore "Sammy the Bull" Gravano einmal der Stellvertreter des berüchtigten New Yorker Mafiosos John Gotti war. Und dass er seinen Boss ans FBI verpfiff, ins Zeugenschutzprogramm gehen musste und später wieder anfing, mit Drogen zu handeln. Sie hat freiwillig bei "Mob Wives" mitgemacht, einer Reality-TV-Serie, die vom Leben der Ehefrauen und Töchter berühmter Gangster erzählt, und ein Buch über ihre Vergangenheit geschrieben. Doch jetzt hat Karen Gravano die Entwickler von "GTA V" verklagt. Weil in dem Videospiel angeblich unerlaubt ihre Lebensgeschichte nacherzählt wird.

In "GTA V" gibt es eine Figur namens Antonia Bottino. Diese muss der Spieler aus den Händen von Kidnappern retten, die sie lebendig begraben wollen. Nur eine Nebenrolle, der man eher zufällig begegnet, aber eine mit einer interessanten Geschichte: Ihr Vater Sammy Bottino sei die rechte Hand eines Mafiabosses gewesen, erzählt Antonia nach ihrer Rettung. Doch man habe ihm einen Mord anhängen wollen, den er nicht begangen habe. Die Familie sei geflohen und der Vater habe sich den Behörden als Informant angeboten. Das klingt arg nach "Sammy the Bull", findet wohl auch Karen Gravano - und verlangt 40 Millionen Dollar Schadensersatz.

Doch der Gangster-Tochter geht es weniger darum, dass die "GTA"-Entwickler von Rockstar Games sich offenbar von ihrer Biographie inspirieren ließen. Sie wäre nur lieber um Erlaubnis gefragt worden. Damit hätte die Klage "relativ einfach" abgewendet werden können, heißt es in der Gerichtssakte. Gravano habe "den allergrößten Respekt für die Autoren und Entwickler von 'GTA V'", doch ihre Geschichte wolle sie lieber selbst erzählen. Und zwar in ihrem zweiten Buch, das "bisher weniger bekannte Aspekte der Story" enthalten soll, "die der Beklagte verwendet hat".

Haben die Entwickler zu viel verraten?

Hat Rockstar also möglicherweise ins Schwarze getroffen und Gravano wurde tatsächlich von den Ex-Kumpanen ihres Vaters entführt und bedroht - so wie Antonia Bottino im Spiel? Und haben die Entwickler damit den Scoop von Gravanos Buch verraten? Das werde aus den Akten leider nicht klar, schreibt das Games-Blog "Kotaku". Und Rockstar Games schweigt zu dem Fall: "Wir kommentieren keine rechtlichen Angelegenheiten", sagte ein Sprecher den "New York Daily News".

Es ist nicht das erste Mal, dass die Firma wegen ihren Spielen Post von Anwälten bekommt. 2008 klagte ein Striptease-Club-Besitzer aus Los Angeles gegen eine vermeintlichen Abklatsch seines Etablissements in "GTA: San Andreas". 2010 fühlte sich ein Tänzer der Band "Cypress Hill" im selben Spiel zu unrecht kopiert. Beide Klagen scheiterten. Ob man als Gangster-Tochter vor Gericht mehr Erfolg hat, bleibt abzuwarten.

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