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Jagd auf dicke Fische: Eltern aufgepasst: Warum immer mehr Videospiele zu Abzock-Methoden greifen

Auf dem Smartphone hat man sich an die Maschen längst gewöhnt, jetzt erobern sie die großen Spiele: Immer mehr Top-Titel nehmen ihre Spieler mit Abzock- und Glücksspiel-Methoden aus - und machen damit mächtig Kasse. Schuld sind die sogenannten Wale.

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Bei den Spielern kommen die neuen Maschen oft nicht besonders gut an

Früher war der Kauf eines Videospiels sehr einfach: Man bezahlte - und nahm das gesamte Spiel mit nach Hause. Mit dem Aufkommen der Smartphone-Spiele mussten die Entwickler umdenken. Weil die Kunden fast nichts mehr für Spiele zahlen wollten, entwickelten sie neue Geschäftsmodelle - und entdeckten die sogenannten

Als Wal bezeichnet man in der Branche einen Spieler, der bereit ist, mehr für ein Spiel auszugeben. Deutlich mehr. Tausende Euro stecken manche dieser Zocker in einzelne Games, um sich Vorteile zu verschaffen, Zeit zu sparen oder cool auszusehen. Immer mehr Spiele-Entwickler versuchen, diese dicken Fische für sich auszunehmen. Und setzen bei der Jagd auf sie auf zunehmend fragwürdige Methoden.

Smartphone-Revolution auf der Konsole

Auf dem kennt man diese Maschen seit Jahren. Immer wieder gibt es Spieler, die Unmengen an Geld in "Candy Crush" stecken, oder Kinder, die aus Versehen mit In-App-Käufen die Eltern ruinieren. Das ist kein Zufall. Viele der zunächst kostenlos angebotenen Spiele beruhen darauf, den Spielern Anreize zum Geldausgeben zu liefern. Manche setzen auf lange Wartezeiten, zeitaufwendiges Abarbeiten der immer selben Aufgaben (das sogenannte "Grinden") oder erspielbare Währungen, mit denen man im Spiel dann Verbesserungen und ähnliches freispielt. Das alles kann man sich aber auch abkürzen oder ganz ersparen - indem man echtes Geld auf den virtuellen Tisch legt. Und die Wale tun genau das.

Auf Konsole und PC blieben solche Praktiken lange kostenlosen Titeln nach dem Free-to-play-Modell vorbehalten. Man konnte kostenlos spielen, die Hersteller verdienten an Mini-Käufen wie einzelnen Kostümen oder Waffen. Doch langsam wecken die unangetasteten Goldminen auch bei immer mehr großen Begehrlichkeiten.

So krass wie beim aktuellen Titel "Battlefront 2" blieb es bisher aber selten. Die Entwickler haben im Multiplayer des "Star Wars"-Spiels selbst wichtige Figuren wie Luke Skywalker hinter aufwendigen Vorbedingungen versteckt. Um alles freizuschalten, musste man über 4000 Stunden spielen oder 1800 Euro zahlen, haben Fans berechnet. Nach Protesten gab Entwickler Dice nun bekannt, dass man die Geldzahlungen ganz aus dem Spiel entfernt. Erst nach einer Überarbeitung des Systems sollen sie zurückkehren.

Milliardenumsätze

Dice und Publisher EA haben den Bogen überspannt und die Wut der Fans unterschätzt. Dabei ist "Battlefront 2" längst nicht der erste Vollpreis-Titel, bei dem man Geld loswerden kann. Der Online-Modus des Spiele-Hits " V" etwa spült Entwickler Take 2 Unmengen von Geld in die Kassen. Im Sommer gab Take 2 bekannt, man habe mit "GTA Online" satte 418 Millionen Dollar (etwa 350 Millionen Euro) Reingewinn gemacht - in nur drei Monaten. In dem vor vier Jahren erschienenen Spiel kann man Spielgeld in Autos und Kleidung stecken. Will man sich das Geld nicht mühsam erspielen, kann man es auch bequem bei Take 2 in Form von als "Shark Cards" bezeichneten Geldpaketen erwerben. Wer nicht zahlt, kann kaum noch mithalten.

Besonders beliebt ist das auch in "Battlefront" benutzte System mit sogenannten "Loot Crates" (Beutekisten). Wie eine Wundertüte können die Kisten beliebige Belohnungen enthalten, etwa einen neuen Look für die Spielfigur. Eine Art Tombola also. In den meisten Fällen können sich die Nutzer beim Zocken Kisten verdienen, Ungeduldige dürfen sie aber auch kaufen. Und tun es auch in Massen.

Der Ansatz hat klare Vorteile. Anders als bei "Battlefront 2" enthalten die Kisten meist keine spielentscheidenen Inhalte, sondern nur optische Veränderungen und ähnliches. So werden die Spieler nicht zum Kauf gezwungen, sie können auch ohne die Kisten glücklich spielen. Für die Entwickler sind die Kisten eine zusätzliche Einnahmequelle. Sie werden deswegen oft genutzt, um Multiplayer-Spiele über längere Zeiträume am Leben zu erhalten und sie mit neuen, kostenlosen Inhalten zu versorgen. Bei Spielern beliebte Umsetzungen sind etwa "Overwatch", "Rocket League" oder "League of Legends".

Ist es Glücksspiel?

Ganz ohne Kritik ist das Prinzip der Beutekiste aber auch dann nicht, wenn es spielerfreundlich umgesetzt wird: Bei Personen, die einen Hang zum Glücksspiel haben, kann es schnell einen Anreiz bieten, extrem viel Geld zu verzocken, um bestimmte Gegenstände zu bekommen. Sie werden zum Wal. Der potentielle Sucht-Effekt wird von den Herstellern mindestens in Kauf genommen, ist von einigen aber sicher auch gewünscht. Am Ende soll mit den Spielen schließlich Geld verdient werden. Ob es sich tatsächlich um Glücksspiel handelt, ist umstritten. Schließlich verlieren die Spieler nichts, sondern bekommen immer irgendetwas für ihr Geld, argumentierte etwa die US-Behörde ERSB. Ob diese Einschätzung sich halten wird, muss sich zeigen.

Aktuell sieht es so aus, als hätte das Modell noch eine große Zukunft vor sich. Eine Reaktion wie bei "Battlefront 2" ist die Ausnahme. Solange die Entwickler nicht zu gierig sind und die Kunden nicht das Gefühl haben, ausgenommen zu werden, lässt sich so jede Menge Geld verdienen. In einer kreativen Branche wie der Spieleindustrie wird den Entwicklern sicher noch der eine oder andere Weg einfallen, wie man die Spieler zum Zahlen bewegen kann. Die Jagd auf die Wale hat gerade erst begonnen.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.