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"Mario Kart 8" im Test: Ich geb Gas, das macht Spaß

"Mario Kart" ist nicht einfach nur ein Rennspiel, es ist eine Institution für Gamer. Heute erscheint der achte Teil für die Wii U. Doch hat sich das Warten gelohnt? Wir haben "Mario Kart 8" getestet.

Von Christoph Fröhlich

Das Rennspiel Mario Kart 8 kurbelt die Wii-U-Verkäufe an.

Das Rennspiel Mario Kart 8 kurbelt die Wii-U-Verkäufe an.

Das Jahr 1992 war ein schweres Jahr für Jungsfreundschaften. Damals brachte Nintendo "Super Mario Kart" auf den Markt, eigentlich ein harmloser Fun-Racer für die Heimkonsole SNES. Doch wer einmal den Controller in die Hand genommen und das virtuelle Gaspedal durchgetreten hatte, erlag der Sucht. Bis in die Nacht saß man vor dem kantigen 4:3-Fernseher der Eltern und schoss sich auf pixeligen Rennstrecken gegenseitig mit grünen Schildkrötenpanzern (!) ab. Wie herzhaft war das eigene Lachen, wenn man in der letzten Kurve den besten Freund von der Strecke semmelte und vor ihm über die Ziellinie raste. Und wie laut war sein Gezeter. Wer glaubt, Ballerspiele wie "Counter Strike" machen aggressiv, der ist noch nie die Regenbogenstrecke in "Mario Kart" entlanggerast.

Heute, 22 Jahre später, bringt Nintendo "Mario Kart 8" für die Wii U auf den Markt. Viel hat sich seitdem nicht geändert. Und das ist gut so.

2 Fast 2 Curious

Disc einlegen, losfahren, Spaß haben - "Mario Kart 8" beweist, wie intuitiv Videospiele sein können. Innerhalb weniger Minuten ist die Steuerung der Karts und Motorräder in Fleisch und Blut übergegangen und man kann sich voll und ganz auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: die Rennstrecken. Das Design der Pisten ist teils sensationell, mal heizt man mit Vollspeed durch ein idyllisches Hafenstädtchen, dann driftet man gekonnt an einem riesigen Feuer-Bowser vorbei. An fast jeder Stelle raucht, schwingt oder dreht sich etwas, und man bekommt ein Gefühl dafür, wozu die im Vergleich zur PS4 recht lahme Wii U in der Lage ist, wenn man nur genügend Herzblut in die Entwicklung steckt. Insgesamt gibt es 32 Strecken, die eine Hälfte ist brandneu, die anderen 16 Rennpisten sind in HD-Optik überarbeitete Neuauflagen aus älteren "Mario Kart"-Teilen.

Die größte Veränderung sind die Anti-Schwerkraft-Abschnitte, in denen sich die Karts in eine Art SciFi-Hoverboard verwandeln und schwerelos über die Piste gleiten - notfalls auch kopfüber von der Decke hängend. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein unnötiges Gimmick. Doch hat man sich durch die insgesamt acht Cups gespielt, fragt man sich: Warum erst jetzt, Nintendo? So rast man in der zweiten Strecke, dem "Wasserpark", erst durch ein paar Röhren, fährt dann unter Wasser weiter, nur um dann an einem Paraglider hängend einem Riesenrad auszuweichen. Klar, physikalisch gesehen ist das Nonsens, aber es macht einfach irre Spaß!

Pimp My Ride

Obwohl selbst Anfänger alle Strecken innerhalb weniger Stunden freigespielt haben, gibt es danach noch jede Menge zu entdecken. Allein für die Wahl des richtigen Rennfahrers samt Fahrzeug geht einige Zeit drauf: Kleine und leichte Charaktere wie Yoshi sind hinsichtlich der Geschwindigkeit und Beschleunigung den schweren Brocken wie Bowser und Donkey Kong klar überlegen. Dafür gewinnen die im Zweifelsfall jedes Rempel-Duell. Auch beim Aufbau des Karts braucht man Hirnschmalz: Es gibt 15 verschiedene Fahrgestelle, mehr als ein Dutzend Reifenformen und sieben verschiedene Gleitschirme für die Flugabschnitte. Verändert man auch nur ein Bauteil, wirkt sich das auf die Fahrweise des Karts aus.

Auch ein paar neue Items haben es in das Spiel geschafft: Neben Turbopilzen und den obligatorischen grünen, roten und blauen Panzern gibt es nun etwa eine riesige Schnapppflanze, die nicht nur unliebsame Konkurrenten beißt, sondern gelegentlich auch das Kart mit voller Wucht nach vorne zieht.

Lahmer Battle-Modus

So gelungen die Neuauflage insgesamt ist, Nintendo muss sich einige Kritik gefallen lassen. Das Touchpad auf dem Controller etwa, ein Alleinstellungsmerkmal der Wii U, wird kaum genutzt. Im Online-Modus ist es trotz des eingebauten Mikrofons während eines Rennens nicht einmal möglich, sich mit Freunden zu unterhalten. Für Multiplayer-Duelle im Jahr 2014 ist das zu wenig. Auch die Charakterauswahl könnte gelungener sein: Zwar gibt es 30 verschiedene Rennfahrer, darunter sind aber zig Variationen ein und derselben Figur - etwa Mario, Baby Mario und Metal Mario. Stattdessen könnte Nintendo Figuren aus anderen Spielereihen wie Link oder Kirby mitfahren lassen. Das würde auch streckentechnisch viele neue Optionen bieten. Mit der "Super Smash Bros."-Reihe hat Nintendo vorgemacht, wie es geht.

Am meisten enttäuscht der neue Battle-Modus. Früher war er das Herzstück jedes "Mario Kart". Wenn alle Cups gewonnen und alle Figuren freigespielt waren, duellierte man sich mit Freunden nächtelang in den Arenen. Ständig musste man in den kleinen, verwinkelten Arenen taktieren: Mit Vollgas aus der Deckung rasen oder lieben im Hinterhalt lauern? Wie schießt man die drei Luftballons der Freunde ab, behält aber die eigenen am Kart? Doch nun kam irgendjemand bei Nintendo auf die Idee, die eng abgesteckten Arenen durch weitläufige Rennstrecken zu ersetzen. Die spaßige Balgerei von früher verkommt auf der Wii U zum drögen Hinterherfahren. Man tuckert eher teilnahmslos durch die Gänge als dass man den Freunden mit Schildkrötenpanzern die Hölle heiß macht. Schade.

Fazit: King of Karts

"Mario Kart" ist zurück, und zwar schöner als je zuvor. Man sieht die Liebe für Details, die Nintendo in den Kartracer gesteckt hat, an jeder Ecke des Spiels. Nie machte es mehr Spaß, Freunden einen Panzer in den Auspuff zu schmettern als im achten Teil der Spielereihe. Der Schwebemodus liefert genug Innovationen für alte Hasen, doch auch Neueinsteiger finden sich dank der intuitiven Steuerung schnell zurecht und verlieren nie die Übersicht. Perfekt ist "Mario Kart 8" nicht, so könnten die Multiplayer-Modi noch ausgefallener sein. Doch das ist meckern auf hohem Niveau: Wer die alten Teile mochte, wird den neuen lieben. Der Fun-Racer könnte die seit Monaten schwächelnden Wii-U-Verkäufe wieder ankurbeln.

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