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Drohnen als Weihnachtsgeschenk Bald surrt es überm Tannenbaum


Drohnen werden dieses Jahr eines der beliebtesten Weihnachtsgeschenke sein. Doch was darf man mit den Dingern eigentlich? Und worauf muss man beim Flug achten? Wir geben die wichtigsten Antworten.
Von Christoph Fröhlich

Sprach man von Drohnen, dachte man lange Zeit nur an die unheimlichen Spionageflieger, die regelmäßig in den Abendnachrichten auftauchten. Dort flogen sie einsam ihre Runden am strahlendblauen Himmel über Afghanistan oder dem Irak und jagten auf Knopfdruck schonmal ein mehrstöckiges Gebäude in die Luft. Mittlerweile erfreuen sich die kleineren, deutlich zahmeren Exemplare der unbemannten Flieger aber auch bei Hobbypiloten großer Beliebtheit. Dank preisgünstigerer Modelle finden die Quadrocopter - so lautet die offizielle Bezeichnung der Vier-Propeller-Flieger - reißenden Absatz. In den Spielwarengeschäften sind die Drohnen zum Weihnachtsgeschäft der Renner, unterm Tannenbaum werden in diesem Jahr so viele Drohnen liegen wie noch nie zuvor, schätzen Handelsexperten.

Im kommenden Jahr dürfte noch mehr Bewegung in den Markt kommen, wenn der Helmkamera-Riese GoPro den Einstieg ins Drohnen-Geschäft wagt. Das Unternehmen ist milliardenschwer und einer der Big Player im Kamerageschäft. Deren Drohne soll zwischen 500 und 1000 Dollar kosten und definitiv mehr sein als ein aufgmotztes Kinderspielzeug.

Doch warum sind Drohnen eigentlich so beliebt? Und was ist mit den Dingern erlaubt? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wie teuer ist eine Drohne?

Waren Quadrocopter vor langer Zeit höchstens ein Spielzeug für reiche Nerds, gibt es die Flieger mittlerweile selbst für kleine Geldbeutel. Los geht's ab etwa 30 Euro mit handgroßen Einsteiger-Modellen von Revell oder Hubsan. Klar, die Verarbeitung ist hier nicht besonders hochwertig und mehr als fliegen können die Mini-Quadrocopter auch nicht - Spaß macht's trotzdem. Deutlich langlebiger sind die Stuben-Drohnen vom Marktführer Parrot. Die Rolling Spider mit eingebauter Bordkamera gibt’s für knapp 100 Euro, ab 250 Euro erhält man den beliebten Quadrocopter AR.Drone 2.0 mit eingebauter HD-Frontkamera.

Die brandneue Parrot kostet stolze 500 Euro und erscheint noch im Dezember. Sie hat eine hochauflösende 14-Megapixel-Kamera und ermöglicht Aufnahmen in einer völlig neuen Qualität. Zum gleichen Preis gibt es die Phantom 2 des chinesischen Herstellers DJI. Die sieht nicht ganz so futuristisch aus, hat aber eine deutlich längere Flugzeit (25 Minuten) und Reichweite (bis zu 1000 Meter).

Was kann ich damit machen?

Neben dem eigentlichen Fliegen können die meisten Drohnen auch Videos und Fotos aufnehmen - entweder mit integrierten Kameras oder ansteckbaren Actioncams wie einer GoPro. Und die Aufnahmen können sich sehen lassen: Der Pixelbrei von vor wenigen Jahren ist Geschichte, nun genießt man hochauflösende, meist perfekt belichtete HD-Aufnahmen. Das gibt Filmemachern völlig neue Möglichkeiten: Im Netz kann man bereits spektakuläre Tänze, die #link;die Reise einer Delfingruppe;Überreste von Tschernobyl# oder die Reise einer Delfingruppe aus der Luft beobachten.

Brauche ich viel Übung, um eine Drohne zu fliegen?

Die Bedienung der Geräte ist kinderleicht: Jeder, der ein Videospiel bedienen kann, ist theoretisch in der Lage, Hobby-Drohnenpilot zu werden. Gelenkt werden sie meist via Tablet, Smartphone oder mit einer speziellen Fernbedienung. Je nachdem, in welche Richtung die Finger geschoben werden, ändert die Drohne die Flugrichtung. Schon nach wenigen Minuten gelingen die ersten Flugmanöver. Übertragen werden die Steuerbefehle über ein vom Handy oder der Fernbedienung eingerichtetes Funknetz. Nach 50 Metern ist bei den meisten Modellen aber Schluss. Für größere Rundflüge benötigt man eine spezielle Fernbedienung, wie man sie von Modellflugzeugen kennt.

Gibt es eine Altersgrenze?

Zunächst einmal gute Nachrichten: Fliegen darf die Drohne jedermann, einen "Drohnenführerschein" gibt es nicht. Eine gesetzliche Altersgrenze gibt es nicht, laut den Herstellern sind die Apparate für Kinder unter 14 Jahren aber nicht geeignet.

Worauf muss ich beim Flug achten?

Auspacken und losfliegen - das geht leider nicht. Es gibt viele Vorschriften, die Sie beim Drohnenflug beachten müssen: Wiegt die Drohne etwa mehr als fünf Kilogramm, benötigen Sie eine Genehmigung der Landesluftbehörde - die sogenannte Aufstiegserlaubnis.

Viele Städte haben zudem Sonderregeln erlassen. In Berlin beispielsweise dürfen Sie mit Ihren Drohnen nicht ohne Sondererlaubnis innerhalb des S-Bahnringes umherschwirren. In Naturschutzgebieten ist der Drohnenflug ebenso verboten. Wo Sie sich mit Ihrer Drohne ebenfalls nicht blicken lassen sollten: Über einzelnen Personen und Menschenmengen, an Unglücksorten, bei Einsätzen der Polizei, in und über Gefängnissen, Kasernen und Kraftwerken. Flugverbotszonen wie militärische Anlagen oder Flughäfen sind grundsätzlich tabu.

Betrunken darf man übrigens auch keine Drohne steigen lassen. Zudem müssen die Flieger immer in Sichtweite eingesetzt werden, in einigen Regionen sollten sie eine Flughöhe von 100 Metern nicht überschreiten. Ebenfalls kritisch: Wollen Sie die Drohnenaufnahmen verkaufen, benötigen Sie eine Erlaubnis der Behörden.

Was darf ich denn überhaupt filmen?

Unproblematisch sind Tiere, Landschaften und Gebäude. Schwieriger wird es bei Menschen, denn jeder hat das sogenannte "Recht am eigenen Bild". Sie benötigen also die ausdrückliche Erlaubnis, wenn Sie einzelne Menschen filmen wollen.

Darf ich die Nachbarn über den Gartenzaun filmen?

Die Faustregel lautet: Was man von der Straße aus nicht fotografieren kann, darf man auch mit einer Drohne nicht filmen. Manchmal lässt sich das Überfliegen privater Grundstücksbereiche aber nicht vermeiden, dann besteht die Gefahr einer Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts der Grundstücksinhaber, warnt Rechtsanwalt Christian Solmecke. Sein Rat: Wenn die eingebaute Kamera nur als Live-View-Funktion dient, also lediglich zur genaueren Navigation, sei eine rein zufällige Beeinträchtigung grundsätzlich hinzunehmen. "Etwas anderes dürfte aber dann gelten, wenn die Überflüge eine überdurchschnittliche Intensität erreichen und das Beobachtet-Werden eine gewisse Nachhaltigkeit gewinnt. Gleiches gilt, wenn der Flug gerade nur dazu dient, die Person zu beobachten." Mal schnell mit der Kamera-Drohne über den Gartenzaun fliegen und schauen, was der Nachbar so treibt, ist also verboten.

Darf der Nachbar meine Drohne abschießen?

Wenn der Nachbar von der Drohne genervt ist, sollte er nicht vorschnell zum Luftgewehr greifen. "Das Überfliegen eines Grundstücks mittels ziviler Drohne stellt grundsätzlich keinen Eingriff in das Eigentumsrecht des Grundstückseigentümers dar. Dies ergibt sich aus §1 des Luftverkersgesetzes, der den Eigentümer zur entschädigungslosen Duldung der Benutzung des Luftraums durch Luftfahrzeuge verpflichtet ", so Solmecke. Dies dürfe jedoch nicht für den auf geringer Höhe erfolgenden geräuschvollen Einflug von privaten Drohnen auf das Grundstück gelten.

Weiter erklärt der Anwalt: "Gegen den Besitzer einer Drohne kann man zivilrechtlich wegen einer Persönlichkeitsrechtsverletzung vorgehen und strafrechtlich, wenn Aufnahmen von einem besonders geschützten Lebensraum gemacht werden. Beispielsweise, wenn eine Drohne mit Aufnahmefunktion direkt an das Schlafzimmer einer Person zur Beobachtung platziert wird." In einigen Fällen dürften sich die Betroffenen auch wehren, indem sie die Drohne beschädigen. "Allerdings ist die rechtliche Prüfung nicht ganz einfach, sodass davon abzuraten ist einfach draufloszuschlagen."

Brauche ich eine Drohnen-Versicherung?

Ja, denn abstürzende Drohnen können für Personen- und Sachschäden sorgen - und das kann teuer werden. Meist ist die Versicherung von Fluggeräten nicht in der privaten Haftpflichtversicherung enthalten, deshalb empfiehlt sich entweder eine zusätzliche Police oder eine spezielle Versicherung. Mehr Infos zur Versicherung von Drachen und Drohnen gibt es hier.

Drohnen Test: Hier geht es zum Drohnen Vergleich. 


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