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Kurzfilm "Noah": Liebe in Zeiten des Internets

Wie nutzen junge Menschen das Internet? Ein Kurzfilm zweier Studenten bringt die Netzwirklichkeit von jungen Erwachsenen erstaunlich nahe - und schafft es damit auf internationale Festivalbühnen.

Von Linda Richter

Noah telefoniert mit seiner Freundin auf Skype. Nebenbei läuft in seinem Browser ein Porno. In einem anderen Tab chattet er mit einem Freund. Ein Schnappschuss aus dem Alltag eines jungen Mannes vor seinem Laptop. Der Kurzfilm "Noah" von Patrick Cederberg und Water Woodman zeigt provokativ, wie die Ablenkungen der digitalen Welt, unsere Beziehungsfähigkeit verändert.

Der 17-Minüter erzählt den Alltag eines College-Anwärters aus der Perspektive seines Computer-Desktops: Der Protagonist Noah meldet sich an seinen Laptop an. Das Foto auf dem Bildschirmhintergrund zeigt ihn mit seiner Freundin Amy. Mit dem Öffnen der ersten Internetseiten lernen wir, dass das Paar auf Skype und Facebook miteinander kommuniziert. Grundlegende Beziehungsfragen werden hier diskutiert. In den nächsten Minuten entfaltet sich das Drama: Über Status-Updates, Videochats und Textnachrichten beenden sie ihre Beziehung. Dabei begegnen sich Noah und Amy kein einziges Mal offline.

Regisseure wollen eigenes Netzverhalten zeigen

Das Besondere an dem Film: Die Bilder und Töne lassen sich schnell mit den eigenen Computererfahrungen verknüpfen. Das Anschalten des Laptops, das Signal des Facebook-Chats, der Skype-Anruf: für viele Zuschauer sind das vertraute Abläufe aus dem eigenen Alltag im Netz. Das lässt das Erleben des Protagonisten nah an den Beobachter heranrücken. Der Film wirkt dadurch beängstigend realistisch.

Für diese Nähe zur Wirklichkeit ist auch der Hintergrund der Autoren verantwortlich: Die beiden Filmstudenten der kanadischen Ryerson Universität sind selbst Anfang 20. Um die Geschichte zu erzählen, orientierten sie sich an ihrer eigenen Internetnutzung.

Die Produktion kostete sie nach eigenen Angaben nur rund 300 kanadische Dollar: "Wir haben das Ganze in unseren Wohnungen aufgenommen. Die Facebook-Profile im Film haben wir ein halbes Jahr vorher angelegt, damit es realistisch wirkt", sagten sie dem Business Insider. Eine Investition, die sich gelohnt hat. Auf Youtube feiern die Nutzer gerade "Noah". Er hat bereits mehr als 150.000 Abrufe. Und auch auf die internationalen Festivalbühnen hat er es geschafft: Gerade hat der Kurzfilm auf dem Internationalen Filmfest in Toronto Premiere gefeiert.

Linda Richter
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