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"Google Print": Digitale Bibliothek mit Lücken

Google hat den Dienst "Google Print" europaweit in einer Betaversion gestartet. Bei der Entwicklung des Projektes ist der Betreiber jedoch jüngst auf heftigen Protest gestoßen.

Von Udo Lewalter

Der Dienst "Google Print" soll im Sommer 2006 fertig gestellt sein. Er erweitert die Suchmaschine Google um eine Funktion. Die vom Nutzer eingegebenen Suchbegriffe führen dann auch zu Büchern, die dieses Schlagwort enthalten. Und der Service geht noch einen Schritt weiter: Über die ersten drei Verweise der Suchergebnisliste gelangt man direkt zu einer vier bis sechsseitigen Leseprobe des entsprechenden Buches. Gefällt der Inhalt, so kann der Titel über einen Link beim Verlagshaus oder Händler bestellt werden. Für Nutzer und Anbieter ist dieses Angebot kostenlos.

Zwangspause

Die Entwicklung des Projektes beobachten die Verlage jedoch keinesfalls mit Freude. Um Inhalte der Bücher in die Suchmaschine zu integrieren, müssen die Werke zunächst gescannt und deren Inhalte indexiert werden. Google digitalisierte zu diesem Zweck zunächst auch urheberrechtlich geschützte Werke, ohne dafür die Zustimmung eingeholt zu haben. Der Protest darüber wurde im August schließlich so heftig, dass Google das Digitalisieren der Bücher stoppte. Und man machte den Verlagen ein Angebot: Noch bis zum November haben Rechteinhaber Zeit, Bücher anzumelden, die nicht gescannt werden dürfen. Die Rechtmäßigkeit dieses Verfahrens ist jedoch äußerst fraglich.

Chancen zur Erweiterung der Vertriebswege mithilfe des neuen Google-Angebotes sieht jedoch auch die Verlagslandschaft. Daher organisierten sich jüngst Unternehmen, die dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels angehören, in einem vergleichbaren Projekt. Deren Daten sollen jedoch ausschließlich auf den Servern der Verlage liegen. Man will aber eine technische Verbindung zu "Google Print" schaffen, sodass die Inhalte ebenfalls von der Suchmaschine abgefragt werden können.

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