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Umdenken Schluss mit teurem Display-Bruch? Apple lässt uns iPhone und Co. nun Zuhause reparieren

Die Angst vor dem Sprung im Display kennt wohl jeder Smartphone-Besitzer (Symbolbild)
Die Angst vor dem Sprung im Display kennt wohl jeder Smartphone-Besitzer (Symbolbild)
© praetorianphoto / Getty Images
Sind Apple-Geräte kaputt, kann das schnell teuer werden. Das brachte dem Konzern viel Kritik ein. Nun will der Konzern die Eigen-Reparatur einfacher machen. Doch viele Fragen sind noch offen.

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann schnell teuer werden. Ist das iPhone auf den Boden gestürzt und das Display gesprungen, ist die Reparatur oft so teuer, dass sich viele Konsumenten lieber gleich ein neues Gerät kaufen. Zumindest manche von ihnen könnten die Reparatur demnächst selbst übernehmen: Apple will es einfacher machen, die eigenen Smartphones und Notebooks zu reparieren.

Das kündigte der Konzern in einer Pressemitteilung an. Unter dem Self Service-Reparatur genannten Programm will der Konzern demnach den Zugang zu Original-Ersatzteilen, Werkzeugen und Anleitungen ermöglichen, um eine Reparatur durch Kund:innen selbst zu ermöglichen. Das Programm soll Anfang des kommenden Jahres zunächst in den USA anlaufen und dann im Laufe des Jahres auf weitere Länder ausgeweitet werden.

Eigen-Reparatur mit Einschränkungen

Wer sich nun freut, alle älteren Apple-Geräte reparieren zu können, dürfte aber enttäuscht werden: Am Anfang will Apple vorerst nur sämtliche Varianten von iPhone 12 und iPhone 13 zur Eigenreparatur unterstützen, später sollen zwar auch die Mac-Rechner folgen, allerdings nur diejenigen mit dem hauseigenen M1-Chip. Ob weitere Apple-Produkte wie iPads, die Apple Watch, AirPods oder auch ältere iPhones und Macs folgen könnten, verrät der Konzern nicht.

Dafür gibt es aber Details zu den möglichen Reparaturen. Zunächst wolle man sich auf die Reparaturen konzentrieren, die bisher am häufigsten benötigt werden, so Apple. Als Beispiele nennt man Display, Akku und Kamera des iPhones. Weitere Reparatur-Möglichkeiten sollen dann später folgen. Insgesamt will Apple in seinem eigens eingerichteten Zubehör-Shop über 200 Bauteile und für die Reparatur nötige Werkzeuge anbieten, so der Konzern. 

Für jeden wird die Reparatur aber nicht geeignet sein, warnt der Konzern schon jetzt. "Die Self Service-Reparatur richtet sich an technikversierte Personen, die über das Wissen und die Erfahrung zur Reparatur von elektronischen Geräten verfügen", heißt es in der Mitteilung. "Für die überwiegende Mehrheit der Kund:innen ist der Besuch eines professionellen Dienstleisters mit zertifizierten Techniker:innen, die Apple-Originalteile verwenden, der sicherste und zuverlässigste Weg, um eine Reparatur durchzuführen." Es gehe vor allem darum, den Kunden eine weitere Option neben den zahlreichen bisherigen Reparatur-Diensten anzubieten, wird Apple-COO Jeff Williams zitiert.

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Offene Fragen

Einige Fragen bleiben noch offen. So nennt Apple bisher keinerlei Preise für die Original-Bauteile. Glaubt man Berichten von Reparatur-Diensten dürften die aber kaum günstig ausfallen. Die hohen Teilepreise gelten als wichtiger Grund, dass eine Reparatur durch Drittanbieter mit Originalteilen oft kaum oder gar nicht günstiger ist als bei Apple selbst. Ob sich die Selbst-Reparatur wirklich lohnt oder sich die meisten Kunden am Ende nicht doch für den Aufpreis eines Dienstleisters entscheiden sollten, wird sich zeigen.

Auch bei der Reparatur des Macs gibt es Fragezeichen. Viele Bauteile, etwa der Arbeitsspeicher, sind fest auf der Hauptplatine verlötet, ein Tausch dürfte also gar nicht ohne weiteres umsetzbar sein. Erst wenn Apple hier Details nennt, lässt sich beurteilen, inwieweit die Reparierbarkeit am Ende wirklich steigt.

Apple als Vorreiter der Kehrtwende

Dass ausgerechnet Apple nun diesen Schritt geht, ist durchaus bemerkenswert. Der Konzern gilt als einer der Vorreiter der mittlerweile weit verbreiteten Praxis, Reparaturen durch Maßnahmen wie verklebte Teile, Verlötungen und etwa festverbaute Akkus im Laufe der Zeit immer schwieriger zu machen. Zumindest ein Teil dieser Maßnahmen lässt sich zwar mit den immer kompakteren Bauformen der Geräte erklären, trotzdem sorgten sie immer wieder für Proteste von Verbraucherschützern und Umweltaktivisten. 

Dass Apple nun wieder in die andere Richtung schwenkt, dürfte vor allem zwei Gründe haben. Zum einen bekommt die "Right to repair"-Bewegung, die ein Recht des Kunden zur Reparatur von Technik fordert, nicht nur in Apples Heimat USA immer mehr politischen Rückenwind. Zum anderen legt Apple ähnlich wie andere Konzerne immer mehr Wert darauf, seine Produkte möglichst umweltverträglich herzustellen. Durch eine größere Reparierbarkeit kann der Konzern in beiden Bereichen punkten, bevor es zu Gesetzesänderungen kommt. Und die Kunden haben auch etwas davon.

Quelle: Apple


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